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Rostock : ISG-Schüler erhalten Preis für NS-Projekt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Adenauer-Stiftung prämiert Zehntklässler für Interviews mit NPD- und AfD-Politikern zu Rechtsextremismus #wirkoennenrichtig

Für ihr Projekt zum Denktag sind Schüler des Innerstädtischen Gymnasiums gestern von der Berliner Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet worden. Über den sechsten Platz unter mehr als 70 Einsendungen können sich die Zehntklässler Silas, Valentin, Mark, Marvin und Geschichtslehrer Steffen Kliewe freuen.

Für den Wettbewerb unter Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatten sich die Rostocker auf ein schwieriges Terrain begeben. Denn für ihr Thema „Nationalsozialismus in der Vergangenheit und Gegenwart“ hatten die Jugendlichen AfD-Landtagsmitglied Holger Arppe und den wegen Volksverhetzung verurteilten NPD-Mann David Petereit zum Interview geladen. Wellen der Empörung schlugen hoch. Bildungsexpertin Simone Oldenburg (Linke) mahnte, Vertreter nichtdemokratischer Parteien hätten in der Schule nichts zu suchen. Die Jugendlichen seien nicht in der Lage, der Propaganda mit eigener Meinung entgegenzutreten.

Harte Vorwürfe für Geschichtslehrer Kliewe und seine Schützlinge: „Ich kann die Kontroverse schon verstehen, wenn es heißt, dass rechtsextreme Politiker in den Unterricht kommen, um zu propagieren. Doch so war es ja gar nicht“, sagt Kliewe. Tatsächlich hatten die Schüler die Gespräche zum Thema Rechtsextremismus außerhalb der Unterrichtszeiten geführt – unter Aufsicht. „Die Interviews fanden am Nachmittag und in meinem Beisein statt“, so der Pädagoge. Anschließend habe er mit den Jugendlichen darüber gesprochen.

Zudem gehörte zum Projekt mehr als die Interviews: „Weitere Facetten waren die Analyse der Rostocker Stolpersteine mit dem Max-Samuel-Haus sowie die MVgida-Bewegung“, so Kliewe.

Dass Bildungsexperten meinten, die Schüler könnten sich keine eigene Meinung bilden, traf diese schwer. „Man fühlte sich unterschätzt“, sagt Valentin, der für das Projekt mit Petereit gesprochen hat. „Dass es Leute gibt, die denken, dass wir keine eigene Meinung haben und uns nicht selbst ein Bild machen können, hätte ich so nicht erwartet“, sagt der Rostocker. Den NDP-Mann habe er im Gespräch als sehr ausweichend empfunden, nicht aber als aufdringlich. „Ich habe nicht das Gefühl gehabt, dass mir eine Meinung aufgedrückt werden soll – selbst wenn er es versucht haben sollte, dann hat es bei mir auf jeden Fall nicht geklappt“, so Valentin.

Die Jury der Konrad-Adenauer-Stiftung gibt Schülern und Lehrer recht. Denn Kriterien für die Auszeichnung von Projekten seien der professionelle Umgang mit einem Thema sowie die Stärkung demokratischer Traditionen und die Erinnerung an die Schrecken der Nazi-Zeit, so ein Sprecher.

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