zur Navigation springen

Aufnahmeprüfungen an Kunsthochschulen sind hart : Irgendwas Kreatives... Aber wie?

vom

Kurse, in denen sich Interessenten auf die Zulassungsprüfungen für Kreativ-Studiengänge vorbereiten können, bieten viele Kunstschulen an. Ein regelrechtes "Vorstudium", wie es die Kunstschule Rostock bietet, ist selten.

svz.de von
erstellt am 02.Apr.2012 | 05:38 Uhr

Rostock | Eigentlich war für Michael Schulz immer klar: Ich werde Journalist. Praktika hat der heute 24-Jährige gemacht, ein Studium der Politikwissenschaften abgeschlossen. Aber ihm sei die Arbeit beim Studentenmagazin dazwischen gekommen, sagt Schulz mit Humor in der Stimme: "Da habe ich das Layout gemacht." Und es dauerte nicht lange, da verdiente sich der Politikwissenschaftler seinen Lebensunterhalt als Grafiker am Computer. Aber reiner Autodidakt bleiben? "Ohne eine richtige Ausbildung wollte ich nicht endgültig in den Beruf einsteigen", sagt er. Deshalb wird er sich demnächst für ein Studium im Bereich Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste in Berlin bewerben. Ein Vorbereitungs-Jahr an der Kunstschule Rostock soll ihm den Weg ebnen.

Kurse, in denen sich Interessenten auf die Zulassungsprüfungen für Kreativ-Studiengänge, etwa Freie Kunst, Visuelle Kommunikation, Architektur oder Industriedesign, Grafikdesign, Bildhauerei oder Fotografie vorbereiten können, bieten viele Kunstschulen an - denn meistens müssen Bewerber eine Mappe mit eigenen Arbeiten einreichen oder eine Aufnahmeprüfung absolvieren.

Oder beides. Ein regelrechtes "Vorstudium", wie es Kunstschule bietet, ist selten. "Die Zulassung zum Studium ist eine hohe Hürde in den Kreativberufen", sagt Wanja Tolkow, der selbst "Malerei und Grafik" an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studiert hat und die Kunstschule Rostock leitet. Im Vorstudium entstehe eine Mappe mit aussagestarken eigenen Arbeiten.

Das war es, was Juliane Zerbe an die Kunstschule gebracht hat. "Ich hatte drei Jahre Mediengestalterin gelernt, ich wollte studieren - aber ich hatte wenig eigene künstlerische Arbeiten, wie man sie für eine Bewerbung braucht", erzählt die 25-Jährige, die aus Güstrow stammt. 2009/2010 absolvierte sie ihr Vorstudien-Jahr, "dabei konnte ich meine handwerklichen Fähigkeiten ausbauen".

Juliane Zerbe hat den Sprung in ein Kreativ-Studium geschafft - sie studiert im vierten Semester Kommunikationsdesign in Potsdam.

Das Vorbereitungsjahr an der Kunstschule ist nicht gratis. 290 Euro Gebühr fallen pro Monat für einen der 15 Plätze an, inklusive Modellkosten und Atelierplatz, aber exklusive Arbeitsmaterial. Der Preis sei fair, sagt Schulleiter Tolkow: "Verglichen mit den Preisen, die ähnliche Angebote im Bundesdurchschnitt so kosten, stehen wir sehr gut da". Bewerber müssen mindestens volljährig sein, einen höheren Schulabschluss mitbringen und eigene Arbeiten vorlegen. Auswahlgespräche gibt es auch, "das sind aber keine Prüfungen, eher Beratungen", sagt Wanja Tolkow.

Beratung sei wichtig für potenzielle Kreativ-Studenten, sagt der Schulleiter: "Das Angebot an unterschiedlichen Studiengängen ist gigantisch an den Hochschulen, Fachhochschulen und Akademien. Jede Institution hat ein eigenes Profil und eigene Auswahlverfahren." Deshalb sei es wichtig, nicht nur eine überzeugende Mappe zusammenzustellen - sondern sich auch genau zu orientieren, in welche Richtung man gehen solle. Tolkow: "Diese Möglichkeit bietet ein Vorstudium, das viele künstlerische Bereiche abdeckt."

Schon im Vorstudium, aber noch in der Findungsphase ist Susanne Langbehn. Ausprobiert hat sie schon Einiges. "Ich war zweimal im Ausland, habe Soziologie und Kommunikation studiert, aber abgebrochen", erzählt sie. In die Kreativbranche habe sie schon lange gewollt, "aber ich hatte immer Angst, dass es dafür nicht reicht". Das sei ein Grund gewesen, es mit einem solchen Vorstudium zu versuchen "und ich bin zuversichtlich, dass ich meinen Weg finde", sagt die 22-Jährige.

Nach aktuellen Zahlen liegt der Durchschnittsverdienst freiberuflicher Künstler in MV unter der Armutsgrenze. Schulleiter Tolkow verhehlt nicht, dass es nicht einfach ist, in der Kreativbranche wirklich Fuß zu fassen. "Die Vorstellung eines romantischen Künstlerdaseins wollen wir nicht bedienen. Wir würden aber nie sagen: Leute, es ist so schwer. Wir vermitteln Fähigkeiten, auch die Fähigkeit, die eigene Initiative zu ergreifen", sagt der Schulleiter. Zumal etwa die Medienbranche gute Verdienstmöglichkeiten biete. Auch Michael Schulz blickt optimistisch in die Zukunft. Erstmal wolle er im Vorstudium "weg vom Rechner, handwerklich arbeiten". Nur das mache einen zum Künstler, "das ganze Dreckige mit Kohle und Farben". Und er sei "sehr zuversichtlich, dass man nicht dauerpleite ist später".

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen