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14. Dezember 2017 | 03:41 Uhr

Investor will Lokschuppen abreißen

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erstellt am 18.Okt.2012 | 08:57 Uhr

Stadtmitte | Er war Schutz und Werkstatt für Generationen von Lokomotiven und Waggons, er ist noch immer ein einzigartiges Bauwerk in Rostock und soll nun bald abgerissen werden: der Lokschuppen des ehemaligen Friedrich-Franz-Bahnhofs. So sehen es zumindest die Pläne von Jan-Peter Nissen und Reinhard Köster von der Wohnpark-Planungs- und Bauträgergesellschaft vor. Die Projektentwickler sind Eigentümer des Grundstücks und können sich eine Sanierung des denkmalgeschützten Bauwerks nicht leisten. Doch sie stoßen mit ihren Abrissplänen auf heftigen Widerstand.

Sein umstrittenes Vorhaben begründete Nissen im Ortsbeirat Stadtmitte: "Es ist für uns finanziell unmöglich, eine Sanierung zu stemmen. Eher geht unsere Firma pleite." Holzfäule hätte sich in den Brettern des 1890 in Betrieb gegangenen Baus eingenistet, der Boden ringsherum sei kontaminiert. Allein die Wiederherstellung der Standsicherheit würde eine Million Euro kosten. "Zu viel", meinen Nissen und sein Partner Köster und wollen den Fachwerk-Bau deshalb abreißen. Nissen verweist auf einen Paragrafen im Denkmalschutzgesetz, nach dem ein Grundstückseigentümer nur dann zu einer Sanierung verpflichtet werden kann, wenn sie für ihn finanziell zumutbar ist.

Die Mehrheit des Ortsbeirats überzeugten seine Argumente jedoch nicht. "Wir möchten in erster Linie, dass der Lokschuppen erhalten bleibt. Wie das gemacht wird, ist eine andere Frage", sagt der Vorsitzende, Werner Simowitsch (Linke). Der Beirat stimmte gegen den Abriss - auch, weil er zunächst noch die Expertenmeinung der städtischen Denkmalpflege hören wollte.

Die Stadtkonservatoren schätzen den Zustand des Lokschuppens nach wie vor als sanierungsfähig ein. Voraussetzung: Es wird schnell gehandelt und vor allem das Dach repariert. Deshalb haben sie bereits in der ersten Jahreshälfte eine Sicherungsverfügung veranlasst. Dagegen hat die Wohnpark-Planungs- und Bauträgergesellschaft inzwischen geklagt. Die Entscheidung steht noch aus.

Die Wohnpark-Gesellschaft hatte das Grundstück mit dem Lokschuppen 2009 gekauft. Der Kauf war Teil eines größeren Plans, das gesamte Areal des späteren Güterbahnhofs zu Rostocks größtem neuen Wohnpark zu machen. 60 Millionen Euro sollten verbaut werden. Während ein Großteil der Ein- und Mehrfamilienhäuser inzwischen steht, ist am Lokschuppen nichts passiert.

Schon bei der Diskussion um den Bebauungsplan 2010 hatten Stadtverwaltung, Ortsbeirat und andere Gremien der Bürgerschaft allerdings immer wieder darauf gedrungen, dass der historische Bezug zum Gelände gewahrt bleiben soll - und zwar durch Erhalt und Pflege der Denkmäler. Neben dem Schuppen erinnern noch das Stellwerkshäuschen und die Drehscheibe an Rostocks ersten Bahnhof. Die Projektentwickler hatten daraufhin Pläne zum Umbau des Schuppens präsentiert. Vier exklusive Wohnungen sollten mit einer Haus-in-Haus-Konstruktion entstehen. "Wir hatten einen Käufer, der seinen Bauantrag Ende 2010 aber wieder zurückzog und vom Kauf zurücktrat", sagt Nissen.

Dass eine Sanierung historisch-technischer Anlagen jetzt auf die Wohnpark-Gesellschaft zurückfällt und deren Kostenrahmen sprengt, gehöre zum unternehmerischen Risiko. Auch das war aus dem Ortsbeirat zu hören. Fakt ist, dass der Lokschuppen laut Bebauungsplan ein eingetragenes Denkmal ist. Das haben die Investoren bereits beim Kauf dieses Filetstücks gewusst.

"Es kann nicht sein, dass dieses einmalige technische Denkmal jetzt abgerissen wird. Hoffentlich gelingt es doch noch, es sinnvoll zu entwickeln - wenn nicht mit Wohnraum, dann mit Gewerbe", sagt der ehemalige Leiter des Rostocker Güterbahnhofs, Hans-Georg Tack. Nun warten die Beteiligten auf eine Entscheidung des Gerichts zu der Sicherungsverfügung.

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