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18. November 2017 | 09:42 Uhr

Prora-Umbau : Investor will 2013 mit Bau beginnen

vom

Eine Berliner Immobiliengesellschaft bereitet den Umbau des Prora-Blocks I vor. Sie hatte das 450 Meter lange Gebäude Ende März ersteigert. Für 40 Millionen Euro sollen Eigentumswohnungen und ein Hotel entstehen.

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erstellt am 26.Apr.2012 | 10:35 Uhr

Prora | Der neue Käufer des Blocks I der früheren NS-Immobilie Prora auf der Insel Rügen will Anfang 2013 mit Sanierung und Umbau der denkmalgeschützten Anlage beginnen. Planungen zufolge würden 40 Millionen Euro in den Umbau des leerstehenden Blockes zu Ferien- und Eigentumswohnungen sowie möglicherweise einem Hotel investiert, sagte Gerd Grochowiak, Geschäftsführer der Berliner Immobiliengesellschaft irisgerd, am Mittwoch der dpa.

Das Unternehmen hatte Ende März auf einer Berliner Auktion den 450 Meter langen Gebäudeabschnitt der von den Nationalsozialisten als „Seebad der 20 000“ geplanten Anlage für 2,75 Millionen Euro ersteigert. Der Kaufvertrag soll im Juni 2012 besiegelt werden.

Ausschlaggebend für den Kauf des seit Jahren leerstehenden Gebäudes sei die „einzigartige Lage in Strandnähe“ sowie die deutschlandweite Nachfrage nach Immobilien in Wassernähe, begründete Grochowiak den Kauf.

Das 1990 gegründete Unternehmen bereitet derzeit den Verkauf und Umbau des Gebäudes mit 26 000 Quadratmeter Nutzfläche vor. „Wir sind jetzt schwer in der Planungsphase.“ Laut Bebauungsplan dürften fünf der neun Aufgänge touristisch, vier konventionell als Eigentumswohnungen genutzt werden, erläuterte der Investor. Sollte ein Hotel in den Bereich integriert werden, rechne er mit 280 Wohnungen. Ein Bauantrag werde noch in diesem Jahr gestellt.

Der überraschend hohe Kaufpreis hatte zunächst für Verwunderung gesorgt. Die Immobilie ging im März für das Zehnfache des vom Bund vor sechs Jahren erzielten Kaufpreises an den neuen Eigentümer. Der Kaufpreis sei gerechtfertigt, da in der Zwischenzeit Baurecht geschaffen worden sei, sagte der neue Eigentümer. Zudem dürften die Wohnungen zur Seeseite mit Balkonen ausgestattet werden. „Das war für uns ein sehr wichtiges Argument.“ Der Vorbesitzer hatte sich aus „persönlichen Gründen“ von dem Gebäude getrennt.

Eine Zusammenarbeit mit dem Eigentümer des Blocks II, Ulrich Busch, ist nicht geplant. „Wir wollen autark sein“, sagte der Käufer. Er würde sich aber freuen, wenn auch in der Nachbarimmobilie die Bauarbeiten beginnen würden. „Je mehr fertiggestellt ist, desto besser ist das Umfeld.“ Busch, Sohn des Arbeiterliedsängers Ernst Busch (1900-1980), hatte sich 2006 in Prora eingekauft, bisher aber nicht mit dem Umbau begonnen.

Der zwischen 1936 und 1939 errichtete „Koloss von Prora“ sollte ursprünglich eine große Ferienanlage der Nationalsozialisten werden.

Der insgesamt 4,5 Kilometer lange Komplex ging jedoch als „Seebad der 20 000“ nie in Betrieb. Nach Ende des Krieges wurde das Areal militärisch genutzt. Im Block I war zuletzt das NVA-Ferienheim „Walter Ulbricht“ beheimatet.

Im Jahr 2004 hatte der Bund mit dem Verkauf der fünf, noch weitgehend intakten Blöcke begonnen. Insgesamt flossen aus dem im Herbst 2011 abgeschlossenen Verkauf der Anlage 3,45 Millionen Euro an den Bund. Bis auf eine Jugendherberge in einem Abschnitt von Block V sind Umbauten und Investitionen an dem Mega-Bau bisher ausgeblieben.

Auf der Insel gibt es Kritik an dem Bau weiterer Hotels und Ferienwohnungen. Davon künden auch Graffitis am „Koloss von Rügen“.

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