Premiere „Kabale und Liebe“ : Intrigen am Rostocker Volkstheater

Als er als Sechsjähriger seinen Vater in einer Komödie von Karl Valentin erlebte, weinte der junge Kay Wuschek, weil alle lachten. Vielleicht, sagt er heute, prägte ihn das so, dass er deswegen Theater machen wollte – große Emotionen auf die Bühne bringen – wie in „Kabale und Liebe“.
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Als er als Sechsjähriger seinen Vater in einer Komödie von Karl Valentin erlebte, weinte der junge Kay Wuschek, weil alle lachten. Vielleicht, sagt er heute, prägte ihn das so, dass er deswegen Theater machen wollte – große Emotionen auf die Bühne bringen – wie in „Kabale und Liebe“.

Berliner Parkaue und Rostocker Haus inszenieren Schillers „Kabale und Liebe“. Klassische Auslegung findet Anklang bei jungem Publikum

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26. Januar 2018, 12:00 Uhr

Am Freitag fällt der nächste Konfettiregen im Rostocker Volkstheater. In Kooperation mit dem Theater an der Parkaue Berlin feiert „Kabale und Liebe“, Schillers Sturm und Drang-Klassiker, Premiere. Regie führt Kay Wuschek, Intendant der Park- aue, dem jungen Staatstheater Berlin.

Die Kooperation von Park-aue und Volkstheater hat Tradition. Daraus sind schon „Schimmelreiter“, „Hamlet“ oder auch – gerade erst in der letzten Spielzeit – „Emilia Galotti“ hervorgegangen. „Das läuft diese Saison in Berlin“, sagt Wuschek. Die Schauspieler bleiben dieselben, die Rostocker Techniker weisen die Berliner ein. „Fast alle Veranstaltungen sind ausverkauft.“

Das Konzept geht auf und sei ja auch „eine Begegnung zwischen zwei Häusern“, eine Option, sich kennenzulernen, zu begegnen, auszutauschen, meint der Intendant. Es arbeite nicht jeder in seiner Blase. Vier seiner acht Rostocker Schauspieler für „Kabale und Liebe“ kannte Wuschek schon: Ulrich K. Müller (Präsident von Walter), Bernd Färber (Wurm – Haussekretär des Präsidenten), Ulf Pertel (Stadtmusikant Miller) und Petra Gorr (Frau Miller). Mit den anderen vier hat er noch nie gearbeitet. Wer wie besetzt wird, was sich daraus ergibt, darüber habe er lange sinniert. Eine Herausforderung. „Viel hängt von so einer Entscheidung ab“, sagt Wuschek, „wir haben, glaube ich, die richtige Wahl getroffen.“ Alexander von Säbel ist Ferdinand von Walter, Steffen Schreier Hofmarschall von Kalb, HMT-Studentin Lisa-Marie Fedkenheuer ist Lady Milford und Sophia Platz die Luise Miller. Im Fokus der Handlung: die Liebe. Luise und Ferdinand sollen sich aus Standesgründen nicht lieben, werden in Intrigen verstrickt und müssen sich der absolutistischen Machtstruktur unterordnen. Das ist tödlich für beide und das System. Kay Wuschek & Co. stellen Fragen zur Liebe und was sie mit den Menschen macht. Es geht um Freiheit, Väterpositionen und Autonomie. Sie gehen dem Gedanken nach, dass auch heute noch solche Zwänge „von oben“ herrschen. Um im Vorfeld ein tieferes Rollenverständnis zu erarbeiten, haben sich die Darsteller und Kay Wuschek selbst das Stück ins Heute übersetzt. Der Verkauf von Truppen etwa, der zu Schillers Zeiten erschütterte, könnte heute korrupter Waffenhandel sein. Aber die Szene flog raus und wäre so auch nicht möglich gewesen – in diesem „Kabale und Liebe“. Das Rostock-Berlin-Stück bleibt ganz nah am Original – klassisch. Den Text zu überschreiben, hätte bedeutet, die Interpretation zu verkleinern, Räume enger zu machen, meint Wuschek. „Das Werk ist gelegentlich klüger als der Autor“, konstatiert er. In dem Fall sei ihm lieber, „wir wühlen uns durch den Schiller“. Und der sonstige Pflichtstoff für Schüler kommt bei diesen an. Rostocker Klassen aus der Werkstattschule, dem Christophorus- und Innerstädtischem Gymnasium waren schon in den Proben. Zuletzt musste ein Lehrer der Küstenschule früher raus „und die Schüler? Die sind dageblieben“, berichtet Wuschek. Theater bestehe aus Situationen, aus Spiel, da (be-)greife sich der – für manche vielleicht zunächst ungefällige – Text doch von ganz allein.

Die Termine

• Premiere: heute,19.30 Uhr

• Weitere Vorstellungen:
• So, 28. Januar, 15 Uhr
• Do,1. Februar, 15 Uhr
• Sa, 3. Februar, 19.30 Uhr
• Mi, 28. Februar, 11 Uhr
• Sa, 3. März, 19.30 Uhr
• Fr, 9. März, 19.30 Uhr
• Fr, 23. März,19.30 Uhr
• So, 25. März,18 Uhr
• Do, 29. März, 19.30 Uhr

jeweils im Großen Haus des Volkstheaters, Doberaner Straße 134/135, 18057 Rostock

Die Besetzung

• Inszenierung: Kay Wuschek
• Ausstattung: Juan León
• Dramaturgie: S. Winnacker

• Schauspieler: Ulrich K. Müller, Alexander von Säbel, Steffen Schreier, Lisa-Marie Fedkenheuer, Bernd Färber, Ulf PerthelPetra Gorr, Sophia Platz

• Empfehlung: ab 14 Jahren

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