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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 02:21 Uhr

Intriganten-Stadl

vom

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2009 | 08:21 Uhr

Schwerins Stadtpräsident Andreas Lange (CDU) ist zurückgetreten. Einen Fehler räumt er nicht ein. Er findet offenbar nichts daran, dass sein dienstlicher und von Steuergeldern bezahlter Laptop bei einer Razzia einkassiert wird. Von dem Vorwurf, der Rechner sei ein Pfand für Liebesdienste einer Prostituierten, ganz zu schweigen.
Respekt verlangt dieser Rücktritt nicht mehr. Er war nach dem Abtauchen und Langes vagen Einlassungen schlicht überfällig. Mag sein, dass Lange das politische Talent ist, als das ihn viele beschreiben. Eine Vorbild-Funktion war am Ende nicht mehr zu erkennen. Im Übrigen muss er dringend auch über sein Mandat in der Stadtvertretung nachdenken: Als man ihn wählte, wussten seine Wähler nicht genug über ihn. Die „Geschäftsgrundlage“ hat sich verändert.
Jetzt ist die Zeit der Legendenbildung, das Wort Intrige macht die Runde. Aber das lenkt nur ab vom Kern, vom Einzel-Exempel des Versagens der so genannten Elite und vom Fehler und der Uneinsichtigkeit des jungen Kommunalpolitikers Andreas Lange. Der Boden für Verschwörungs-Ideen ist in Schwerin allerdings besonders gut bestellt. Auch, weil offen liegt, dass Lange kein Mann des „Parteifreundes“ und OBs Norbert Claussen ist, sondern protegiert von seinem Amtsvorgänger, CDU-Landtagsfraktionschef und Kanzlei-Kollegen Armin Jäger ins Amt gelangte. Doch alle wohlfeil Journalisten in die Blöcke diktierten, oft bigotten und allein von Eigeninteressen gelenkten Geschichten verfehlen das Thema: Es geht um den Fehler von Andreas Lange. Und der steht auch deswegen in der Zeitung, weil trotz vielfachen Bemühens keine mediale Beißhemmung erzeugt werden konnte.
Wer sich freut und wer sich ärgert, ist im Intriganten-Stadl Schwerin schnell erzählt. Bemerkenswert ist, dass niemand über die Zukunft dieser Stadt spricht. Dass sich die CDU durch den Skandal eiert und dass die Grünen sogar noch Ehrenerklärungen für den entzauberten Lange abgeben und ihn zum kommunalpolitischen Weitermachen auffordern. In Schwerin geht es vor allem um Taktik, um Bünde und um Machtkalkül, kaum noch um Gestaltung im Sinne der Bürger. Arme Landeshauptstadt.

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