Theater : Intendant lässt sich krankschreiben

Die Spekulationen um Sewan Latchinian halten bereits seit Wochen an.
Die Spekulationen um Sewan Latchinian halten bereits seit Wochen an.

Sewan Latchinian meldet sich für vier Wochen ab und räumt sein Büro aus. Aufsichtsratschefin: „Die Verunsicherung ist extrem“.

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04. März 2016, 05:00 Uhr

Steht Theater-Intendant Sewan Latchinian nun doch kurz vor dem Absprung? Laut Sybille Bachmann, Chefin der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09, ist sein Büro bis auf hauseigenes Inventar ausgeräumt: „Da gibt es keinen Zettel mehr, keine Bücher, keine Bilder, nichts. Das ist kein Aufräumen oder Frühjahrsputz, sondern ein kompletter Auszug.“ Davon habe sie sich als Mitglied des Aufsichtsrates persönlich überzeugt. „Da ich nur drei Häuser weiter arbeite, ist dies auch kein seltener Weg, wenn es Probleme im VTR gibt“, sagt sie.

Sewan Latchinian selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. „Er ist für den laufenden Monat krankgeschrieben“, sagt Theater-Sprecherin Judith Zinke. Genauere Angaben zu den Gründen habe der Intendant nicht mitgeteilt. Um seine Person gibt es seit Wochen Spekulationen, nachdem OB Roland Methling (parteilos) Ende Januar per Gesellschafterbeschluss festgelegt hatte, dass das Volkstheater zum Opernhaus umstrukturiert werden solle.

Latchinian hatte sich im Anschluss unsicher über seine künftige Rolle gezeigt. Eine vorzeitige Vertragsauflösung im Gegenzug für 150 000 Euro Abfindung war Mitte Februar am Votum einer Mehrheit im Hauptausschuss gescheitert. Anschließend beteuerten sowohl OB Methling als auch Latchinian öffentlich ihren Willen zur weiteren Zusammenarbeit. „Ich will meinen Vertrag bis 2019 erfüllen“, so der Intendant damals. In der Stadtgesellschaft wurde in der Folge dennoch heftig über einen vorzeitigen Abgang spekuliert. Aufsichtsratsvorsitzende Eva-Maria Kröger (Linke) mahnt angesichts der jüngsten Ereignisse: „Wir müssen uns jetzt dringend um die Spielplanung kümmern, da gibt es Stau in der Vorbereitung.“ Am Ende dürfe nicht der Betrieb leiden. „Im Haus herrscht Angst, dass ein Intendant durch die kalte Küche installiert wird. Die Verunsicherung ist extrem, ich bekomme viele Nachfragen“, so Kröger. Jetzt sei der OB als Gesellschaftervertreter gefragt, Entscheidungen zu treffen – im Idealfall gemeinsam mit ihr als Aufsichtsratschefin und dem kaufmännischen Geschäftsführer Stefan Rosinski. Der Aufsichtsrat werde vermutlich Montag zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

Zuletzt hatten sich dessen Mitglieder noch mit der neuen Struktur des Theaters beschäftigt und für das so genannte Hybridmodell von Rosinski ausgesprochen. Dieses sieht vor, neben Norddeutscher Philharmonie und Musiktheater auch Schauspiel und Tanztheater in abgespeckter Variante in Rostock zu erhalten. Methling allerdings zeigte sich auf der jüngsten Sitzung der Bürgerschaft am Mittwoch unzufrieden damit, dass Rosinski und Latchinian kein gemeinsames Papier eingereicht hatten. „Ich habe sie aufgefordert, bis Mitte März ein von beiden getragenes Umsetzungskonzept vorzulegen“, sagte er. Das scheint mit der vierwöchigen Krankmeldung des Intendanten unmöglich.

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