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Norddeutsche Neueste Nachrichten

12. Dezember 2017 | 11:33 Uhr

Insolvenz: Thermovolt vor dem Aus

vom

svz.de von
erstellt am 13.Aug.2013 | 08:08 Uhr

Rostock | Das Rostocker Solarunternehmen Thermovolt hat am Montag Insolvenz angemeldet. Fast 50 Mitarbeiter sind betroffen. Hauptauslöser der Pleite ist nach Firmenangaben der Handelsstreit zwischen der Europäischen Union und China. In dessen Verlauf hatte die EU Produkte aus Fernost mit hohen Strafzöllen belegt, sodass sich die Solarpaneele zeitweise um beinahe 50 Prozent verteuerten. Thermovolt mit Sitz im Gewerbegebiet Hinrichsdorf traf das besonders hart, da die Firma seit Mitte 2012 eng mit einem chinesischen Hersteller kooperierte.

Investoren springen ab

Zusätzlich litt Thermovolt unter dem Kollaps großer deutscher Solarunternehmen, für die es ebenfalls tätig war. Verträge über mehrere Großprojekte brachen plötzlich weg, beispielsweise in England, wo indische Investoren wegen der nun großen Schwierigkeiten bei der Finanzierung gleich zwei Vorhaben zurückzogen. Der Umsatz ging von 60 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf aktuell zwei Millionen Euro zurück. Die verbliebenen Aufträge betreffen nicht mehr das Kerngeschäft, sondern vor allem die Bereiche Elektromontage und Servicedienstleistungen. Sie decken ein bis eineinhalb Jahre ab und sollen jetzt in eine Auffanggesellschaft ausgelagert werden. Die könnte zumindest 20 Montagekräften die Weiterbeschäftigung sichern. Die Abteilungen Projektierung und Buchhaltung hingegen stehen vor dem totalen Aus. Für gestern hatte die Unternehmensführung eine Betriebsversammlung einberufen, um das weitere Vorgehen mit den Mitarbeitern abzustimmen.

Besonders bitter: Erst im August vergangenen Jahres war Thermovolt von der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) als "Botschafter der Energiewende" ausgezeichnet worden. Bis zur Verhängung der EU-Strafzölle befand sich das Unternehmen auf stetigem Wachstumskurs. Noch 2007 betrug der Umsatz zehn Millionen Euro, stieg dann permanent an, auf eben 60 Millionen Euro in 2012. Dazu trugen auch zahlreiche Groß- und Vorzeigeprojekte bei. So montierten die Mitarbeiter des Unternehmens unter anderem rund 2400 Solar-Module auf dem Dach des Petersdoms in Rom.

Neben dem deutschen Markt setzte Thermovolt zuletzt hauptsächlich auf das Auslandsgeschäft. Im Blickpunkt standen Schwellenländer mit hoher Sonneneinstrahlung und hohem Strombedarf.

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