Rostock : Industriekletterer im Ständehaus

In die Tiefe ist es im obersten Stock des Ständehauses nur ein Schritt. Gut angeseilt und gesichert nehmen André Erdmann und Marian Kluth den spielend und reinigen schwebend die Kuppel.
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In die Tiefe ist es im obersten Stock des Ständehauses nur ein Schritt. Gut angeseilt und gesichert nehmen André Erdmann und Marian Kluth den spielend und reinigen schwebend die Kuppel.

Fürs Land reinigt ein Team schwebend die Kuppel des Gebäudes. BBL investiert 38 Millionen Euro in Bewirtschaftung von 450 Dienststellen

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10. August 2016, 12:00 Uhr

Jeder Handgriff sitzt, jeder Karabiner greift, jeder Gurt hält, bevor sich André Erdmann (31), Marian Kluth (32) und Henry Kalendruschat (35) unterhalb der Glaskuppel in einem von Rostocks schönsten Bauten abseilen. Die Industriekletterer hat für diese Woche der Betrieb für Bau- und Liegenschaften (BBL) angeheuert, um erstmals seit der Sanierung 2008 die 800 Quadratmeter Kuppel-Fläche im Ständehaus, dem Sitz des Oberlandesgerichtes, reinigen zu lassen.

Die Entscheidung für das Trio von dem Unternehmen Special Rope Access aus Bad Doberan ist eine wirtschaftliche. 7600 Euro kostet die Reinigung. „Ein Gerüst allein hätte schon das Doppelte gekostet“, sagt Andrea Schlesinger (37). Sie betreut für den BBL die Landesliegenschaft, ist auch für das Haus der Justiz, die Familiensenate, das Dierkower Polizeigebäude und das Landesamt für Straffälligenarbeit zuständig. Die schwebende Reinigung, die selbst für den BBL besonders ist, ist für die Männer um Chef Erdmann Alltag – eher noch der entspannte.

Sonst übernehmen sie Baumfällarbeiten, steigen auf Offshore-Windkraftanlagen oder seilen sich für die Industrie auch in Schächte ab. Im Ständehaus sind sie seit Montag. Bis Ende der Woche werden sie täglich über acht bis zwölf Stunden arbeiten. Den Gerichtsbetrieb beeinträchtigt das nicht, sagt die Geschäftsleiterin Annett Mantick-Leist – außer insofern, als dass die Mitarbeiter stehen bleiben und hoch zu den Arbeitern unter der von Architekt Gotthilf Ludwig Möckel in Anlehnung an ein Londoner Kaufhaus konzipierten Kuppel schauen. „Das war damals der neueste Schrei, einen Lichthof mit Galerie zu bauen“, sagt BBL-Sprecher Christian Hoffmann. Von 1889 bis 1893 war das Haus für 888 000 Mark für die Mecklenburgische Ritterschaft errichtet worden. Von 1992 bis 2008 hat der BBL es unter Architekt Rainer Grebin für 9,7 Millionen Euro restauriert.

Der BBL ist zuständig für 450 Dienststellen MVs wie Landesämter, für 1,3 Millionen Quadratmeter in landeseigenen Gebäuden und ebenso viele in angemieteten. 66 Nutzer haben ihren Sitz in Rostock. Der Betrieb bewirtschaftet sie – reinigt, pflegt Außenanlagen oder bewacht sie auch und trägt Betriebskosten. 200 Kollegen arbeiten in der Objektbetreuung beim BBL, dazu kommen Rahmenvertragsfirmen und weitere. Verträge, Lieferungen und Leistungen umfassten 2015 38 Millionen Euro für das ganze Land, 5,3 Millionen Euro für Rostock.

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