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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. September 2017 | 21:33 Uhr

Babyboom : In Rostocks Kitas wird es eng

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Dank Babyboom benötigt die Hansestadt 1650 zusätzliche Plätze in Krippen, Horten und Kindergärten. #wirkoennenrichtig

von
erstellt am 06.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Bis 2020 benötigen Rostocks Eltern zusätzlich zu den bestehenden 14 700 Plätzen noch einmal 1650, um ihren Nachwuchs in den Krippen, Horten und Kindergärten der Hansestadt unterbringen zu können. Das geht aus der neuesten Bedarfsplanung für die Kindertagesbetreuung des Amts für Jugend, Soziales und Asyl hervor. „Wir haben jährlich bis zu 500 Geburten mehr als in der alten Wimes-Bevölkerungsprognose vorhergesagt – das ist schon ein Pfund“, sagt Jugendhilfeplaner Robert Petzold.

In den Krippen sollen daher 350, in Horten und Kindergärten jeweils 650 Extraplätze geschaffen werden, zum Teil durch komplett neue Einrichtungen. Die Stadt plant dafür mit Kosten von knapp 4,2 Millionen Euro. „Kita und Krippe bekommen wir in den nächsten Jahren hin, beim Hort wird es eine Herausforderung, Standorte in der Nähe von Grundschulen zu finden“, erklärt Petzold. Zumal die Kapazität in diesem Bereich bis 2025 noch einmal um rund 650 Plätze steigen müsse. Im ersten Schritt soll die Hort-Versorgungsquote aber in den nächsten drei Jahren von 75,5 auf 80 Prozent angehoben werden. Allein für dieses Ziel sind rund 1,9 Millionen Euro veranschlagt.

Mit der Bedarfsplanung erfasst die Verwaltung zudem, in welchen Stadtbereichen neue Plätze benötigt werden und in welchen die Zahl der Kinder sinkt. „Es ist mehr oder weniger sinnfrei, uns Stadtteile isoliert anzusehen – wir haben für Rostock sechs Versorgungsräume entwickelt“, sagt Petzold. Beispielsweise sind die Südstadt und Biestow als ein Versorgungsraum zusammengefasst. In fünf der sechs Bereiche wachsen die drei Altersgruppen zwischen 0 und 10,5 Jahren. Nur in Lichtenhagen, Lütten Klein und Evershagen sinkt die Zahl der Kinder vor Ort laut Prognose leicht. In die Bedarfsplanung fließen allerdings noch weitere Faktoren ein. „Sehr oft bringen Eltern ihre Kinder bewusst in anderen Stadtteilen unter, weil diese auf dem Weg zur Arbeit liegen“, erklärt Petzold. Das gelte auch für viele Pendler aus dem Umland.

Aber nicht nur die Schaffung ausreichender Betreuungsplätze stellt eine Herausforderung für die Stadt dar. Auch „das Thema Öffnungszeiten und Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird immer wieder an uns herangetragen“, sagt Petzold. Denkbar seien in diesem Zusammenhang mehr Betreuungsangebote zwischen 5.30 und 20.30 Uhr sowie Öffnungszeiten am Sonntag. Das sei allerdings mit höheren Platzkosten verbunden.

Weitere Herausforderungen sind der Fachkräftemangel, der multikulturelle Mix und gesellschaftliche Veränderungen mit Auswirkungen auf das soziale Gefüge. Und auch der Online-Kita-Planer, der eine effiziente Platzvergabe gewährleisten soll, funktioniert bisher nicht richtig. „Es machen noch nicht alle Träger mit“, sagt Petzold. Das werde sich aber ändern.

Kommentar des Autors: Bewährungstest Praxis
Wenn Eltern – politisch gewünscht – frühzeitig wieder arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, dann muss auch die Betreuung ihrer Kinder sichergestellt sein. Trotz erheblicher Fortschritte beim Ausbau des Angebots hakt es dabei in Rostock in der Praxis noch immer. Auch wenn es mittlerweile rein rechnerisch fast für jedes Kind einen Betreuungsplatz gibt: Ich habe noch keine Eltern getroffen, die sich stressfrei und unkompliziert ihren Wunschplatz sichern konnten. Und auch die Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen halten mit den flexiblen Arbeitszeiten von heute nicht mit. Erkannt hat die Verwaltung die Probleme. Jetzt gilt es, sie auch abzuarbeiten.

 

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