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#wirkoennenrichtig hafen : In Rostock stabiles Aufkommen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bilanz 2016: Insgesamt 500 Schiffe weniger in MV zu bedienen. Einbußen in den Bezirken Stralsund und Wismar, Zuwachs in Mukran.

svz.de von
erstellt am 04.Jan.2017 | 08:00 Uhr

Der finnische Ro-/Ro-Frachter „Misida“ steuert mit einer Papierfracht von UPM aus Kotka den Rostocker Seehafen an. Das von Bernd Janzen und Marcus Stiebing geführte Versetzboot „Meckelborg“ bringt den Lotsen Marco Merbach (48) an Bord des Schiffes, damit er mit seiner Revierkenntnis dem finnischen Kapitän auf der Brücke bei der Ansteuerung des Hafens zur Seite steht. Während der UPM-Frachter hier sicher festmacht, um seine Ladung Papier zu löschen, wartet auf Marco Merbach bereits die nächste Aufgabe.

Zum Jahreswechsel herrschte noch einmal reges Umschlaggeschehen im Rostocker Hafenrevier – allerdings waren 2016 insgesamt in den Häfen von MV einige lotspflichtige Schiffe weniger zu bedienen. 7475 Lotsungen hat Ältermann Christian Subklew (62) in der Jahresbilanz zu Buche stehen, das sind in den drei Bezirken des Lotsreviers zwischen Wismar und Stralsund rund 500 Schiffe weniger als 2015. In Rostock gab es mit 4710 Schiffen nur marginale Einbußen um 1,7 Prozent. Das Minus von 80 Lotsungen hier erkläre sich allein schon durch die wachsende Zahl von Freifahrern. So hätten beispielsweise weitere Kapitäne von Finncarriern die Freifahrererlaubnis erworben, nachdem sie wiederholt das Revier anliefen und dann die Prüfung ablegten, resümiert der Ältermann.

Im Universalhafen Rostock bestimmen Getreide, Kohle, Ölprodukte, Rohre, Kran- und Windkraftanlagen, aber auch Dünger, Rapsschrot, Stahl, Erz und Zement die Szenerie, ist insbesondere auch die Kreuzschifffahrt ein wichtiger Aktivposten in der Dienstleistungspalette der Berater der Kapitäne.

Allein 181 Kreuzliner-Anläufe waren zu bedienen. Größtes Schiff des Jahres war wieder der knapp 330 Meter lange und 43,80 Meter breite Kreuzfahrtriese „Regal Princess“. Als größter Bulker steht in der Lotsenkladde neben größeren Getreide- und Kohlefrachtern der 249 Meter lange und 38 Meter breite Selbstentlader „Yeoman Bridge“ mit 75 000 Tonnen Splitt aus Schottland zu Buche. Größter Frachter im Fischereihafen war die 175 Meter lange und 26 Meter breite „Happy Venture“, die hier mit 16 600 Tonnen Weizen angeladen wurde, um im Seehafen dann ihre Fracht zu komplettieren. In Wismar ging das Aufkommen mit 1439 Lotsungen um 196 gegenüber dem Vorjahr zurück, umgerechnet minus zwölf Prozent. Eine der Ursachen dafür ist die Pleite des Holzverarbeiters German Pellets.

Im Bezirk Stralsund waren mit 1161 Lotsungen gegenüber 1445 im Vorjahr sogar noch deutlichere Verluste zu verzeichnen. Allerdings waren 2015 über 200 Schiffsanläufe allein für Baggerarbeiten in den Hafenzufahrten zu bedienen, die 2016 abgeschlossen wurden.

Ansteigende Tendenz zeigt der lotspflichtige Verkehr im Hafen Mukran, wo die Anforderungen auf der Grundlage einer Vereinbarung mit dem Hafen von 100 auf 165 Lotsungen stiegen. Vor allem Getreidefrachter und Offshore-Schiffe erfordern hier die Dienstleistungen der Lotsen, die von Freest mit dem Boot Mukran Port ansteuern müssen, was recht aufwendig ist. So gibt es berechtigte Wünsche, entsprechend des gestiegenen Aufkommens ein Versetzboot auch in Sassnitz zu stationieren.

Der Versetzdienst für Überseelotsungen wurde nach Festlegung einer neuen Position vor Gedser bereits vereinfacht. Eine entsprechende Regelung trafen der heimische Ältermann und Marco Merwald als Obmann für Überseelotsungen nach Gesprächen mit den dänischen Kollegen im Dezember. Insgesamt 35 Lotsen gehören der heimischen Brüderschaft an. 16 von ihnen sind in Rostock dienstleistungsbereit, zehn im weitgefächerten Lotsbezirk Stralsund und acht in Wismar.

Dazu kommt der Ältermann, der bis zum Frühjahr auch noch die Aufgaben als Vizepräsident der Bundeslotsenkammer zu erfüllen hat. Am 1. Dezember beging er übrigens sein 25-jähriges Dienstjubiläum als Lotse. Der Greifswalder hatte 1972 als Matrose seine Seefahrerlaufbahn begonnen und war nach Armeezeit und Studium seit 1978 als Nautiker zuletzt für die Columbus-Reederei auf großer Fahrt. Im Februar 2019 geht er voraussichtlich in den Ruhestand.

Bis dahin sind vor allem noch zwei große Vorhaben für die 950 See- und Hafenlotsen auf den Weg zu bringen – die Novellierung des Lotsengesetzes in Sachen Ausbildung und Haftung. Während kleinere Brüderschaften wie auch die heimische keine Nachwuchssorgen haben, fehlen in den großen Brüderschaften ab 2019 jährlich 40 bis 50 Anwärter.

Neue Zugangswege wurden gründlich erörtert und sollen wie bessere Haftungsregelungen (gegenwärtig, so Subklew, für deutsche Lotsen im weltweiten Vergleich am schlechtesten geregelt) in der nächsten Legislaturperiode in ein neues Lotsengesetz münden. 2018 sollen auch neue, durchkenterbare Versetzboote die Dienstleistungen vor Ort verbessern. Die ersten wurden auf Kiel gelegt.

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