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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 10:30 Uhr

In Rostock: Gauck mahnt wehrhafte Demokratie an

vom

svz.de von
erstellt am 26.Aug.2012 | 08:33 Uhr

Rostock | 20 Jahre nach den ausländerfeindlichen Krawallen von Rostock-Lichtenhagen haben am Wochenende mehrere tausend Menschen für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Die Veranstalter sprachen von einem machtvollen Eintreten gegen das Vergessen und gegen Ausgrenzung. Aus Berlin war Bundespräsident Joachim Gauck angereist.

Die Ausschreitungen von damals seien "bis heute für Rostock ein Brandmal", sagte Gauck gestern bei der zentralen Gedenkkundgebung vor dem Sonnenblumenhaus in Lichtenhagen. Er mahnte, nicht zu vergessen und wachsamer denn je zu sein. Zudem müsse sich der Staat gegen Angriffe auf grundlegende Werte des Zusammenlebens zur Wehr setzen. Demokratie müsse wehrhaft sein und dürfe sich das Gewaltmonopol nicht aus der Hand nehmen lassen. "Es ist die Gegenwart, die unseren Mut und unsere Entschlossenheit braucht", so Gauck.

Im Sommer 1992 hatten im Viertel rechte Randalierer tagelang ein überfülltes Asylbewerberheim belagert und schließlich unter dem Applaus von Anwohnern Brandsätze auf das dort ebenfalls untergebrachte Ausländerwohnheim geworfen. Zu der Eskalation hatten auch ein völlig unzureichendes Polizeiaufgebot und eine überforderte Polizeiführung beigetragen. Die Ereignisse zählen zu den schlimmsten fremdenfeindlichen Übergriffen der deutschen Nachkriegsgeschichte und hatten weltweit für Entsetzen gesorgt.

"An den furchtbaren Ereignissen am Sonnenblumenhaus im August 1992, an diesen beschämenden Bildern, die um die Welt gegangen sind, gibt es nichts zu beschönigen, nichts zu rechtfertigen, nichts zu relativieren", betonte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Lichtenhagen sei ein Schock gewesen, der Deutschland aber auch verändert habe. "Wir sind aufmerksamer geworden." Überall seien Bürger initiativen entstanden, die sich mit Kreativität und Vielfalt "der dumpfen Borniertheit der Rechtsextremen" entgegenstellten.

Nach Schätzungen der Polizei, die rund 1700 Beamte aus mehreren Bundesländern im Einsatz hatte, beteiligten sich bis gestern Nachmittag etwa 7000 Menschen an Kundgebungen, Demonstrationen und Musikveranstaltungen. Zu Zwischenfällen sei es nicht gekommen. Die aus vielen Teilen Deutschlands angereisten Teilnehmer forderten Toleranz, Mitmenschlichkeit und Änderungen an der Asylgesetzgebung. Zuvor war am Rathaus eine Gedenkplakette angebracht worden, die allerdings umstritten ist, weil der Text nach Ansicht von Kritikern eine direkte Linie zwischen den Verbrechen der Nazis in Auschwitz und den Krawallen in Lichtenhagen zieht.

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