In der Halbzeitpause simst die Frau

<strong>Rasanter Aufstieg:</strong> Bastian Dankert, hier bei der Leitung des Spiels Eintracht Frankfurt - FC Ingolstadt. <foto>Foto: imago</foto>
Rasanter Aufstieg: Bastian Dankert, hier bei der Leitung des Spiels Eintracht Frankfurt - FC Ingolstadt. Foto: imago

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01. Juli 2012, 07:01 Uhr

Rostock | Es geschah am 13. August 2004 in der 7. Minute des Zweitliga-Spiels Burghausen - Köln: Bundesliga-Schiedsrichter Torsten Koop aus Lüttenmark bei Boizenburg zieht sich eine Achillessehnen-Verletzung zu, die ihn zum Laufbahn-Ende zwingt. Es sollte für lange Zeit das letzte Mal sein, dass ein Vertreter aus unseren Breitengraden im Kader der Erstliga-Spielleiter vertreten ist. Aber mit Beginn der neuen Bundesliga-Saison am 24. August wird sich das ändern. Dann nämlich gehört der Rostocker Bastian Dankert zum 22 Mann umfassenden elitären Kreis der deutschen Top-Referees.

Der 32-Jährige kann dabei vor allem in den letzten drei Jahren auf einen rasanten Aufstieg verweisen: Erst am 2. September 2009 debütierte er als Spielleiter in der 3. Liga, seit dem 11. März 2011 war er bei inzwischen elf Partien der 2. Liga der Chef auf dem Platz. "Die besten und talentiertesten Schiedsrichter in unserem Land sollen die Möglichkeit erhalten, sich weiterzuentwickeln. Allen vier neuen Schiedsrichtern in der 1. und 2. Liga bescheinigen wir positive Perspektiven in der neuen Spielklasse", sagte DFB-Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel, als unter anderem auch Dankerts Aufstieg bekannt gegeben wurde.

"Dass ich es so schnell in die 1. Liga schaffe, kommt für mich selbst mehr als überraschend", bekennt Bastian Dankert. "Natürlich gibt es da die Freunde, die einem sagen: ,Jetzt pfeifst du dritte Liga, dann musst du bald auch in die zweite. Und wenn man das dann geschafft hat, heißt es: ,Jetzt bis du in der zweiten Liga, also ist bald die Bundesliga dran. Aber selber muss man immer einen Schritt nach dem anderen machen und darf nichts übers Knie brechen." Das gilt natürlich erst recht für einen möglichen Sprung ins internationale Geschäft: "Erst einmal muss man sich zwei, drei Jahre in der 1. Liga etablieren, dann kann man sich nach und nach für höhere Aufgaben empfehlen. Und international darf man ja bis zum Alter von 45 Jahren pfeifen, da habe ich noch ein bisschen Zeit…"

Dass er dennoch auch bei der EM ein waches Auge auf seine Kollegen warf, versteht sich von selbst: "Gerade in den K.o.-Spielen wurde auf einem sehr hohen Niveau gepfiffen", schätzt Dankert ein und ergänzt: "Wenn dann ein Linien- oder Torrichter eine falsche Entscheidung trifft, kann das nicht die Grundlage für die Beurteilung des Spielleiters sein. Er muss sich auf seine Kollegen an den Linien absolut verlassen können."

Mit der Schiedsrichterei hat der gebürtige Schweriner schon mit 15 Jahren begonnen. "Ich spielte damals beim Brüsewitzer SV, für den ich heute noch pfeife. Damals wurden Schiedsrichter gesucht - jeder Verein muss ja ein gewisses Soll erfüllen. Da habe ich mich gemeldet und bin auch dabeigeblieben, als ich in der Landesliga spielte. Dann kam eine ziemlich schwere Verletzung und ich habe die Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Als Schiedsrichter lebst du eben weniger gefährlich und bekommst nichts mehr auf die Socken…"

"Als Schiedsrichter bin und bleibe ich Brüsewitzer"

1999 trieben dann Studium und später Beruf den künftigen Top-Referee nach Rostock, wo er heute mit seiner Familie lebt. Und ein bisschen ärgert es ihn, wenn in den Statistiken der von ihm geleiteten Spiele steht: "Schiedsrichter: Dankert (Rostock)." Als Schiedsrichter bin und bleibe ich Brüsewitzer, betont der 32-Jährige, der in diesen Tagen in seiner Funktion als Geschäftsführer des Landes-Fußball-Verbandes MV durch Südschweden tourt, um die seit Jahren bestehenden guten Kontakte zum dortigen Verband und speziell zum Ex-Hanseaten Magnus Arvidsson, der dort beschäftigt ist, aufzufrischen und vielleicht für die eigene Arbeit etwas abzuschauen.

Diese eigene Arbeit ist auch der Grund, dass man den Schiedsrichter Dankert auf Landesebene nicht mehr erlebt - es drohen Interessen-Konflikte, wenn beispielsweise Einsprüche eingelegt oder Gnadengesuche gegen Sperren eingereicht werden. Aber Langeweile kommt deswegen noch lange nicht auf: "In der vergangenen Saison hatte ich nur ein freies Wochenende. Ansonsten war ich immer unterwegs: Entweder irgendwo selber pfeifen, als Linienrichter fungieren oder als Vierter Offizieller", beschreibt Dankert sein umfangreiches Betätigungsfeld. Und es ist ja im Normalfall nicht damit getan, anzureisen und anzupfeifen. "Normalerweise ist man am Tag vor dem Spiel vor Ort. Dann muss man die Partie immer noch nachbereiten, und häufig genug kommt man dann abends mit der Bahn nicht mehr weg. So bin ich meistens von Sonnabend-Spielen erst am Sonntag wieder zu Hause."

Zum Glück spielt da die Familie mit: "Sonst würde da alles gar nicht gehen. Wenn ich nur überlege, auf wie viele Familienfeiern meine Frau alleine gehen musste, weil ich unterwegs war…" Die Anteilnahme der Gattin geht sogar so weit, dass "mitunter in der Halbzeitpause eine SMS kommt mit den Informationen, wie der Fernsehreporter meine Leistung einschätzt".

Wobei Dankert - wie jeder andere Spiel-Leiter im Lizenz-Bereich - immer erst sehr kurzfristig von seinen Einsätzen erfährt. "Drei Tage vor dem Spiel klingelt das Telefon und man bekommt Bescheid, dass man eingeteilt ist. Und dann muss es sehr schnell gehen: Geeignete Anreise-Verbindungen mit der Bahn oder dem Flieger aussuchen und die der Buchungszentrale beim DFB mitteilen. Die übernehmen dann die Buchung und organisieren auch die Übernachtungen." So heißt es dann für den Erstliga-Neuling ab dem 21. August: Hoffen, dass das Telefon klingelt. Und es endlich was wird mit dem Bundesliga-Debüt…

Zur Person "Bastian Dankert":

  • geboren am 9. Juni 1980 in Schwerin

  • Sportwissenschaftler, Geschäftsführer des Landes-Fußball-Verbands MV.

  • Verein: Brüsewitzer SV

  • Einsätze als Schiedsrichter: 2. Liga: 11 (seit 11. März 2011), 3. Liga: 24 (seit 2. September 2009), zudem seit 2009 42 Einsätze als Schiedsrichter-Assistent in der 1. Bundesliga, ab der Saison 2012/2013: Schiedsrichter 1. Liga
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