Gaben der Hoffnung : In der Arbeit neuen Mut finden

An die Säge lässt Arbeitspädagoge Sebastian Wegner keinen der Bewohner. Dazu benötigt man bestimmte  Holzmaschinenscheine.
An die Säge lässt Arbeitspädagoge Sebastian Wegner keinen der Bewohner. Dazu benötigt man bestimmte Holzmaschinenscheine.

Wohnungslose packen in der Holzwerkstatt der Stadtmission mit an.

svz.de von
27. Dezember 2013, 23:00 Uhr

Acht Stunden verbringt Sebastian Wegner täglich in seiner Holzwerkstatt. Er fertigt Bänke an und mittlerweile auch Tischkonstruktionen. Dabei bekommt er tatkräftige Unterstützung von Obdachlosen. Die Werkstatt befindet sich auf dem Gelände der Einrichtung der Stadtmission im Hawermannweg. Dort, wo bis zu 150 Menschen untergebracht werden, die keine eigene Wohnung haben. Menschen, die teilweise suchtkrank sind oder den Boden unter den Füßen verloren haben. Menschen mit Geschichten, mit persönlichen Schicksalen. Sebastian Wegner will ihnen helfen. Er ist Arbeitspädagoge und bekam eine Anstellung bei der Stadtmission, weil er mit Holz umgehen kann. Er nimmt die Bewohner des Hawermannweg an seine Hand, zeigt ihnen, dass arbeiten Spaß machen kann. „Die Bewohner bekommen eine Beschäftigung, werden weggeholt vom Alkohol oder von ihrer Therapie. Sie sehen, dass sie mit ihren eigenen Fähigkeiten etwas schaffen können, dass sie dafür gelobt werden und dass sie darüber hinaus noch etwas lernen“, sagt Sebastian Wegner. Die Bewohner würden neues Selbstvertrauen erlangen, weil sie Dinge herstellen, die andere haben wollen. „Einige Bänke wurden schon verkauft. Momentan bearbeiten wir zwei Aufträge. Die Grundschule der Stadtmission wünscht sich trapezförmige Bänke und der Treffpunkt Lesen im Friedhofsweg hätte gerne eine neue Sitzecke.“

In Zukunft sollen in der Holzwerkstatt auch kleinere Gegenstände wie Vogelhäuser oder Lesepulte angefertigt werden. Dazu fehlt aber noch das ein oder andere Werkzeug. Von den Spenden aus der Aktion Gaben der Hoffnung, die bis zum 6. Januar läuft, soll unter anderem eine neue Schleifmaschine angeschafft werden. „Die Beschäftigung in der Holzwerkstatt ist im Sinne der Tagesstrukturierung der Bewohner sehr wichtig“, betont Hartwig Vogt, Leiter der Unterbringungseinrichtung im Hawermannweg. Daher sei es notwendig in die Produktionsstätte zu investieren. „Die Arbeit wird sehr gut angekommen. Es gibt einige Bewohner, die jeden Tag kommen. Hier lernen sie auch im Team zu arbeiten“, so Sebastian Wegner.

Die Idee eine Holzwerkstatt aufzubauen, gab es schon im letzten Jahr. Doch erst im März konnte sie umgesetzt werden. Geragen wurden umgebaut und auch der ehemalige Raum für Festlichkeiten musste Schraubstöckern und Schleifmitteln weichen. „Mit der Werkstatt haben wir ein neues Angebot geschaffen und genau darum geht es auch: Beschäftigung zu bieten. Natürlich ist nicht jeder für Holzarbeiten geeignet. Da gibt es Alternativen wie die Fahrradwerkstatt, Gartenarbeiten oder Winterdienste“, erzählt Sebastian Wegner. „Es kommen Leute zu mir, die vorher nur auf Bude waren und nun in der Holzwerkstatt aufblühen. Das zeigt mir, dass wir hier das Richtige tun.“

Das Holz für die Fertigungsprozesse stammt aus den Wälder Mecklenburgs. „Wir arbeiten mit einer kleinen Sägerei zusammen. Bisher haben wir mit Lerchen- und Buchenholt gearbeitet. Bald soll Duglasie dazu kommen“, so Hartwig Vogt.

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