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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. Oktober 2017 | 13:49 Uhr

In der Ampel-Schaltzentrale

vom

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erstellt am 19.Okt.2012 | 08:50 Uhr

Rostock | Die Autos kommen auf mehreren Spuren aus vier Richtungen, Straßenbahnen aus Norden, Süden und Osten. Im Takt von wenigen Minuten rauschen Linienbusse heran. Und in diesem Gewirr wollen auch noch Fußgänger und Fahrradfahrer die Straße überqueren. Die Kreuzung am Steintor ist eine echte Herausforderung für die Verkehrsingenieure des Tiefbauamts. Hier müssen die Grünphasen genau abgestimmt sein, damit auch alle sicher über die Kreuzung kommen können. "Dabei kann es schon mal vorkommen, dass ein Verkehrsteilnehmer bis zu 170 Sekunden an der Ampel warten muss", sagt Sonja Luschas.

Die Zukunft liegt in flexiblen Systemen

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Detlef Henoch wacht sie über die 165 Lichtsignalanlagen in der Stadt. Die 123 wichtigsten sind an ihren Verkehrsrechner im Haus des Bauwesens angeschlossen. "Von hier aus können wir sie über Kupferkabel oder das städtische Netz der Lichtwellenleiterkabel schalten", erklärt Luschas. Denn in den Steuerkästen jeder Anlage sind verschiedene Programme hinterlegt, oder wie am Steintor, verschiedene Parametersätze, die zusammenspielen. Neben Tag- und Nachtprogrammen gibt es auch welche für Großveranstaltungen wie die Hanse Sail oder ein Programm für Hansa-Spiele. Ob außerhalb der eingespeicherten Programme Bedarf zum Umschalten besteht, erkennen Henoch und Luschas auch an ihrem Rechner. Denn dort laufen alle Daten der Verkehrserfassung sowie Störungsmeldungen zusammen.

Die angestrebte maximale Umlaufzeit an der L 22 liegt zum Beispiel bei 110 Sekunden. Dass es an einigen Knoten wie dem Steintor zu deutlich höheren Wartezeiten kommt, liegt auch daran, dass dort Busse und Bahnen fahren - und die in Rostock bevorzugt werden. "Die ÖPNV-Bevorrechtigung geht auf einen Beschluss der Bürgerschaft aus dem Jahr 1994 zurück", erklärt der Verkehrsingenieur Henoch. An 114 Signalanlagen können Straßenbahnen und Busse der RSAG sich mit einem Infrarotsignal anmelden. Ist das Signal gestört, läuft die Anmeldung über Induktionsschleifen im Gleis. Erst wenn der Bus oder die Bahn vorüber ist, können die anderen die Kreuzung passieren. Auch das ist in den Programmen festgeschrieben.

Die Zukunft der Verkehrsbeeinflussung liegt jedoch in noch flexibleren Anlagen. "In Rostock arbeiten wir auf ein intelligentes, umweltdatenbasiertes Steuerungssystem hin", sagt Heiko Tiburtius, der das Tiefbauamt leitet. Hintergrund sind die anhaltenden Probleme mit der Luftverschmutzung an der L 22. Denn Rostock verstößt gegen die EU-weiten Richtlinien und daran sind auch die 45 000 Fahrzeuge schuld, die täglich zwischen Kanonsberg und Verbindungsweg rollen.

Einen ersten Schritt hat das Tiefbauamt jetzt gemeinsam mit dem Umweltamt getan: An zehn Punkten entlang der L 22 und in Nebenstraßen sind seit dem Sommer Bluetooth-Geräte an den Ampeln installiert, die Autos, Busse und Laster sowie deren Tempo erfassen. "Dadurch können wir die Verkehrslage neuerdings in Echtzeit ermitteln", sagt Tiburtius. "Als Nächstes wollen wir die Daten öffentlich zur Verfügung stellen, damit Fahrer bei dichtem Verkehr einen anderen Weg wählen können." Auch Navigationsgeräte könnten die Daten in Zukunft einmal empfangen. Erst wenn das nichts hilft, könnte wieder die Ampelschaltung ins Spiel kommen und die Verkehrsmenge durch längere Rotphasen regulieren.

109 Ampeln schalten die beiden Ampelwächter nachts ab. Allerdings nur die, bei denen die Verkehrsbehörde vorher das Okay gegeben hat. "Viele Autofahrer können überhaupt nur noch schwer ohne Ampeln fahren", sagt Luschas. An den großen Knotenpunkten wie am Vögenteich, am Saarplatz, dem Holbeinplatz oder der Steintor-Kreuzung könnte das besonders gefährlich werden. Deshalb bleiben dort die Ampeln an - aber im Nachtprogramm.

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