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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 01:21 Uhr

Ärgernis in Rostock : Immer mehr Parkplätze kosten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Am Wendländer Schilde werden ab April Gebühren fällig. Bewohnerparken ist keine Ausnahme. Anlieger sind verärgert.

von
erstellt am 24.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Der Parkplatz Am Wendländer Schilde wird ab April kostenpflichtig. Von 8 bis 20 Uhr soll pro Stunde ein Euro fällig werden, Maximalparkdauer: vier Stunden, informiert das Ortsamt Stadtmitte. Die Entscheidung käme aus dem Verkehrsamt. Aktuell ist der Platz mit seinen 38 Stellflächen kostenfrei. Der Parkdruck im Gebiet ist hoch, für die Anlieger gibt es Bewohnerparken. Das soll aber auf dem Platz nicht möglich sein. „Das ist doch keine Regelung“, sagte Regine Lück (Linke) im Ortsbeirat Stadtmitte, „zum Anwohnerparken, sollen die Leute noch den Parkplatz bezahlen?“.

Ursula Hauke, die seit 23 Jahren direkt vor Ort einen Friseurladen betreibt, hat längst resigniert. „Ich selbst habe hier nie einen Parkplatz gefunden und fahre deshalb nicht mehr mit dem Auto, sondern Fahrrad oder Straßenbahn“, sagt die Unternehmerin. Für Geschäfte sei die Situation schädigend: „Meine Kunden berichten oft davon, wie lange sie nach einem Parkplatz suchen mussten“, so Hauke. Da momentan viele Dauerparker die Gratis-Stellplätze nutzen, könnte sich durch die Gebühreneinführung etwas ändern. „Vielleicht kommt es durch die Höchstparkdauer zu einem schnelleren Wechsel – und auch mal einem freien Parkplatz“, so die Salonbesitzerin.

„Dass der Parkplatz kostenpflichtig wird, das ist schlecht“, sagt Andreas Garling. Der Rostocker Fotograf ist fünf Mal im Jahr bei den Kunsthandwerkermärkten in der Nikolaikirche dabei. „Wirfinden hier fast nie einen Parkplatz. Aber wenn, dann ist es gut, weil man den ganzen Tag stehen kann“, sagt er. „Die Parksituation in der Östlichen Altstadt ist eine Katastrophe“, urteilt Kathrin Wiegandt. „Ich sage immer, so hübsch es hier auch ist, mit den schönen Häusern – wohnen möchte ich hier nicht.“

Der Ortsbeirat Stadtmitte ist gespaltener Meinung zur Einführung der Parkgebühren, doch rechnet mit verärgerten Altstädtern. Ortsbeiratschef Werner Simowitsch (Linke) verwies darauf, dass das auch erst ein Anfang sein könnte: „Es gibt ja auch die Idee, dass Parken komplett rauszunehmen aus der Östlichen Altstadt.“ So oder so: „Wir werden in der Östlichen Altstadt keine ausgewogene Parksituation bekommen“, vermutet auch die Leiterin des Ortsamtes für Stadtmitte, Stephanie Bornstein. Es gebe beim Parken einfach ein Missverhältnis zwischen Bewohnern und Touristen. Für Erstere gebe es aber mittlerweile den neuen Parkplatz unterhalb der Petrikirche als Ausweichmöglichkeit – auch wenn der mehr Fußweg bedeute.

Das Wendländer Schilde war bis 2013 eine Freifläche, die bei Regen versumpfte und kreative Parkmöglichkeiten provozierte. Über anderthalb Jahre, bis November 2014, ist der Platz im Auftrag der Stadt und überwacht von der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, umgestaltet worden – für 1,5 Millionen Euro. Bis daraus ein ansprechender Aufenthaltsort geschmückt von Grün und Kunst mit kleinem Parkplatz wurde, mussten ansässiges Gewerbe, Gastronomien oder auch Galerien einstecken. Die Bauarbeiten brachten Lärm und Staub – ein Teil der Kundschaft blieb aus, beschwerten sie sich damals. Vor der Umgestaltung hatte es auf dem Platz und an den angrenzenden Randstraßen 110 wilde Parkplätze gegeben, heute sind es 68, der Parkplatz in der Mitte hat 38.

Kommentar "An den Bürgern vorbei gedacht"

von Nicole Pätzold

Kostenpflichtige Parkplätze für Touristen ist ein Thema, aber dass Anwohner und Anlieger darunter leiden, ist ein anderes. Den Anwohnern entfallen mit der Gebührenpflicht für das Wendländer Schilde  38 Parkoptionen. „Wohnen möchte ich hier nicht“, sagt eine Rostockerin. Von Geschäftsschädigung spricht eine Anliegerin. Das kann doch nicht  Ziel, der Parkpolitik der Stadt sein? Deren grobe Richtung  ist klar: Weniger Autos in der Stadt, es sollen mehr den Öffentlichen Nahverkehr nutzen oder das Rad. Das ist auch eine schöne Vorstellung, interessiert aber nicht den Berufspendler oder die vierköpfige Familie, die vom Einkaufen zurückkommt – mit dem Auto, das geparkt werden muss.  Einschränkungen wie die Gebührenpflicht sollten Anwohnern nicht einfach vor die Nase gesetzt werden – vor allem nicht ohne Vorabinfo. Am Ziel muss verträglich gearbeitet werden – mit den Rostockern und nicht an ihnen  vorbei.

 

 

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