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18. November 2017 | 05:54 Uhr

Im Suff zugestochen

vom

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2012 | 08:58 Uhr

Rostock | Mit einem Geständnis hat gestern vor dem Landgericht Rostock der Prozess gegen den mutmaßlichen Messerstecher Frank Günter M. begonnen. Die Anklage wirft dem 40-Jährigen versuchten Totschlag vor. Am 30. August 2011 soll er bei einem Trinkgelage auf seinen damals 29-jährigen Freund Heinz R. eingestochen haben. Die 17 Zentimeter lange Klinge des Küchenmessers war in den Oberbauch des Opfers eingedrungen und hatte den Darm verletzt. Der Mann flüchtete blutüberströmt in eine Pizzeria und wurde schließlich im Krankenhaus durch eine Notoperation gerettet.

Der Angeklagte, bei dem nach der Tat mehr als vier Promille Alkohol im Blut gemessen wurde, entschuldigte sich gestern im Gericht bei dem Verletzten. Der wollte die Entschuldigung aber nicht annehmen. Frank Günter M. sagte vor dem Landgericht, er könne sich an das Geschehen nicht erinnern. Allerdings sei ihm bewusst, dass er die Tat ausgeführt haben müsse: "Es kann ja kein anderer gewesen sein." Er berichtete, dass er den Nachmittag in der Wohnung seines Freundes verbracht habe. Er sei zum Getränkemarkt geschickt worden, um Nachschub zu holen. Später sei Axel R. (33) aufgetaucht, der Bruder des späteren Opfers. Zwischen den Geschwistern habe es Streit gegeben. "Es ging um Geld für ein Auto, das Axel R. kaufen wollte. Sein Bruder sollte ihm einen Kredit von 1500 Euro geben." Aber wie das Messer in seine Hand kam und warum er auf seinen Freund einstach, wisse er nicht.

Opfer Heinz R. hat dagegen genaue Erinnerungen. Sein Bruder und der Angeklagte hätten wegen der schwülen Luft am Abend auf dem Balkon gesessen. Er habe Abendbrot für alle zubereitet, als der Angeklagte in der Küche erschien. "Er sagte nur: ,Mit mir nicht’, und stach zu", berichtete Heinz R. Mit beiden Armen habe er den Täter zurückgeschubst, wobei der das Messer aus der Wunde zog. "Als ich das Blut bemerkte, bin ich auf die Straße gelaufen", sagte der Zeuge. "Ich drehte mich aber am Treppenabsatz um und sah, dass mir der Angeklagte folgte. Er hatte jetzt meinen großen Dolch in der Hand, der als Schmuck in meiner Wohnung hing." Heinz R. kam noch bis zu einer nahe gelegenen Pizzeria, bevor er zusammenbrach. Heinz R. hat durch dieses Geschehen nicht nur seine Arbeit als Betonbauer verloren, sondern jetzt auch seine Wohnung. Der Angeklagte sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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