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Ihre Freunde denken sich Heike als Engel unter Engeln

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erstellt am 19.Nov.2011 | 05:48 Uhr

Rostock | Wenn Heike Haefke den Weihnachtsengel gespielt hat, ist sie elfengleich über die Bühne geschwebt. Das hat sie glücklich gemacht und ihr viel Beifall beschert. Das Bild der freudestrahlenden Heike hat sich bei allen eingebrannt. Die Situation lässt sich nicht wiederholen, sie ist Vergangenheit.

Die 39-Jährige starb am 22. September bei einem schweren Verkehrsunfall an der Kreuzung am Steintor. Als Heike Haefke die Straße überqueren wollte, wurde sie von einem herannahenden Auto erfasst. Der Fahrer hatte nicht mehr rechtzeitig bremsen können. Die zierliche Frau wurde meterweit durch die Luft geschleudert. Jede Hilfe kam zu spät. Heike Haef ke starb noch am Unfallort. Ein tragischer Tod, der ganz Rostock bewegte.

Die Kaffeerunden hat sie geliebt

Dabei hatte die junge Frau, die lange Jahre auf dem Michaelshof lebte und später vom Verein Lebenshilfe Rostock und Umland betreut wurde, noch so viele Pläne. Ihren 40. Geburtstag wollte sie 2012 ganz groß feiern. Und auch ihr Herz hatte sie bereits verschenkt. Außerdem stand ein Umzug vor der Tür. "Am Tag nach dem Unglück hätte ihr Urlaub begonnen. Wir wollten den Umzug vorbereiten", sagt Lebenshilfe-Betreuerin Heike Fischer. Beide wollten Umzugskartons kaufen. Die Lebenshilfe baut ein neues Haus, wo junge Menschen mit Beeinträchtigungen leben und beides bekommen - Privatsphäre und Gemeinschaft.

Gemeinschaft hat Heike gebraucht und geliebt. "Sie hat oft schon vor dem Haus auf mich gewartet", sagt Heike Fischer. Auch Helke Stabenow, Betreuerin in den DRK-Werkstätten, bestätigt das: "Sie wollte nicht gern allein sein. Zum Wochenende hat sie sich immer verabredet." Eine Art Familienersatz waren für Heike die so genannten Bafis - die Mitarbeiter der Behinderten Alternative Freizeit. Hier hat sie zwölf Jahre Theater gespielt. Zweimal wöchentlich ging die zierliche Frau proben. Textpassagen waren nicht ihre Stärke. Dafür hatte sie umso mehr Freude an der Bewegung und dem Tanz. Oft zog es sie ins Zelt des Zirkus Fantasia zu Mitmachveranstaltungen.

Ein Abschied in Gemeinschaft

Die kleine Heike, wie sie in den DRK-Werkstätten genannt wurde, war ein Improvisationstalent. Heike Haefke lernte Jonglieren, probierte sich als Artistin aus. "Sie hat sich immer so niedlich in sich hinein gefreut", sagt Nadine Pohlmann von den Bafis. Kaffeerunden mit den Bafis hat Heike geliebt. "Dabei hat sie uns ihren neuesten Schmuck gezeigt", erzählt Pohlmann. Ringe und Ketten waren neben dem Theater eine große Leidenschaft von ihr. Eine Kette ziert einen Gedenkplatz, den die Betreuer vom Zirkus Fantasia für eine Weile eingerichtet haben.

Familienangehörige hatte Heike nicht. Sie war früh in den Michaelshof gekommen, später wurde sie in verschiedenen Projekten der Lebenshilfe betreut. "Jeder mochte sie wegen ihrer freundlichen Art", sagt Pohlmann von den Bafis.

Eine offizielle Trauerfeier hat es nicht gegeben, weil keine Angehörigen da waren. Heike Haefke hat ihre letzte Ruhe auf einer Sozialbegräbnisstätte der Hansestadt gefunden. Viele Menschen kamen, um Abschied zu nehmen. Fast 60 Freunde und Bekannte wollten Heike noch einmal nahe sein und ihr das bieten, was ihr im Leben so wichtig war: die Gemeinschaft und das Zusammensein mit anderen. Clementine Spengler von der Lebenshilfe hielt die Trauerrede, versuchte, das auszudrücken, was alle fühlten. Jetzt eint alle, die sie mochten, eine große Hoffnung: dass Heike als Engel unter Engeln schwebt. Und dass sie im Himmel ist und dort beschützt wird.

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