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Liverpool-Fans in Rostock : Ihr Herzblut ist auf der Insel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Eddy Trost aus Sievershagen und Philipp Schulz aus Satow sind Liverpool-Fans – heute herrscht für sie der Ausnahmezustand

von
erstellt am 18.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Die meisten Fans des Liverpool Football Club werden das Endspiel der Fußball-Euro League heute in Basel gegen den FC Sevilla zu Hause am Fernseher verfolgen. Ausnahmezustand herrscht ab 20.45 Uhr allerdings keineswegs nur in englischen Wohnzimmern. Die „Reds“ sind ein Kultverein, der Fans auf der ganzen Welt hat. Auch in Rostock und Umgebung…

Mein NNN-Kollege André Gericke ist so einer. Selbstverständlich erlebte er schon mal ein Spiel an der Anfield Road. Im Fanshop ließ er ungefähr 300 Pfund Sterling. Er besitzt u. a. vier Original-Trikots, je zwei Sweatshirts, Jacken und Schals. Auf seinem Schreibtisch steht ein Foto, auf dem er im LFC-Jersey sein neugeborenes Töchterchen im Liverpool-Strampler im Arm hält. Und „Geri“ ist seit drei Jahren Vereinsmitglied.

Doch es gibt auch hierzulande Leute, die ihn sogar noch übertrumpfen.


Nur in der Sommerpause keine LFC-Bettwäsche


Seinen Partyraum, in dem heute Abend Beamer und Leinwand mal wieder Kino-Atmosphäre erzeugen, muss der Sievershäger Eddy Trost nicht eigens herrichten. Der sieht immer so aus: Die Trikots „Dalglish 7“ und „Carragher 23“ hängen gerahmt an der Wand. Ein weiteres, „Skrtel 37“, wertet die Couch auf.
Die Ikone Steven Gerrard schmückt als Poster die Tür. Auf einer Art Spiegel ist der Text der Vereinshymne „You’ll never walk alone“ abgebildet. Als ob der 55-Jährige – stilgerecht im Y.N.W.A.-Shirt – noch ablesen müsste… Insignien der „Reds“, wohin das Auge blickt: Fahne, Wetterhahn, Schlüsselanhänger, Flaschenöffner, alte Eintrittskarten, Schal, Souvenirball, Wanduhr.

Beim FC Hansa war Eddy zuletzt vor etwa zehn Jahren – in Liverpool am 23. April 2016, 2:2 (2:0) gegen Newcastle United: „Ich gucke zwar noch, wie Hansa gespielt hat, aber mein Herzblut ist auf der Insel. Das Ambiente dort ist einmalig. Es überwältigt einen“, so Trost, der als Festmacher im Rostocker Hafen arbeitet.

Der frühere Alte-Herren-Trainer des Sievershäger SV erzählt, wie alles begann: „2010 saßen wir auf dem alten Sportplatz in Sievershagen (der längst untergepflügt ist und einem Wohngebiet wich – d. Red.) und philosophierten, man müsste doch mal nach England zum Fußball. Meine Frau Ilona hat mir dann zum 50. Geburtstag den Wunsch erfüllt. Wobei ich mir selber aussuchen konnte, wo genau es hingehen soll. Es musste was Traditionelles sein und ein altehrwürdiges Stadion. So fiel die Wahl auf Liverpool.“

Oh, es kommt Besuch. Gerrard schwenkt nach außen. Zur Tür herein tritt Schwiegersohn Philipp Schulz. Wenn Eddy Trost meinen Kollegen Gericke übertrifft, dann ist der 35-jährige Immobilienkaufmann aus Satow mit dem „Anfield“-Kapuzenpulli noch die Steigerung davon. Die Bettwäsche, in der seine Partnerin, Eddys Tochter Rebecca, und er ruhen, wird natürlich öfter mal gewaschen, aber abgesehen von der Sommerpause immer (!) benutzt. Im Dezember zieren Liverpool-FC-Kugeln den Weihnachtsbaum. Tochter Bentje bekam zu ihrer Geburt vor knapp zwei Jahren einen entsprechenden Schnuller. Und Philipp – auf dessen Schulter das Vereinslogo tätowiert ist – hat auch schon klare Vorstellungen für seine Hochzeit: „Ich habe eine LFC-Krawatte, und in den Ehering wird wahrscheinlich ,You’ll never walk alone’ eingraviert.“


Kosten pro Heimspiel und Person über 400 Euro


Die beiden Männer – Clubmitglieder seit fünf Jahren – reisen gemeinsam vier- oder fünfmal im Jahr nach Großbritannien: Flug von Schönefeld nach Liverpool und zurück, Autofahrten, Hotel-Übernachtungen, Eintritt – Kosten pro Person jedesmal „400 Euro unterstes Level. Da warst du aber noch nicht im Shop und hast noch nicht gegessen und getrunken“, verrät Philipp.

Was sie für ihre große Liebe über die Jahre hinweg schon ausgaben, darüber wollen die beiden gar nicht erst nachdenken. Eddy Trost erinnert sich lieber an schöne Erlebnisse: „Vor zwei Jahren waren wir eine ganze Woche da, sahen gleich zwei Spiele, darunter das legendäre 5:0 gegen Norwich City mit vier Toren von Luis Suárez. Und wir haben uns auch schon die Premiere League im Dart angeschaut. Kultur gehört schließlich auch dazu. Muss man alles mitgemacht haben…“

So wie, wenn auch nur aus der Ferne, das Euro-League-Viertelfinale gegen Borussia Dortmund. Nach 1:3 (57.) noch 4:3 (90.+1): Das ist Liverpool. Das ist Kult. Und daran teil nehmen auch Rostock und Umgebung.

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