Integration : Ihr erstes Fest in der neuen Heimat

Sie sind froh, endlich in Sicherheit und wieder zusammen zu sein: Manhal Alchikh, seine Frau Nahla Abo Watfa und der kleine Esmael. Sie planen ihre Zukunft in Deutschland.
Sie sind froh, endlich in Sicherheit und wieder zusammen zu sein: Manhal Alchikh, seine Frau Nahla Abo Watfa und der kleine Esmael. Sie planen ihre Zukunft in Deutschland.

Im Integrativen Betreuungszentrum der Stadtmission kommen auch Flüchtlingsfamilien unter. Familie Alchikh musste alles zurücklassen.

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30. November 2015, 21:36 Uhr

Es wird das erste Weihnachtsfest sein, das der kleine Esmael dieses Jahr in seinem neuen Zuhause in Rostock feiert. Zusammen mit seinen Eltern musste der Dreijährige aus seiner Heimat Syrien fliehen. Der Krieg zwang die kleine Familie aus Damaskus, alles zurückzulassen, was sie besaß, auch Freunde und Familie. „Eigentlich hatten wir nie vor, Syrien zu verlassen“, erzählt Esmaels Vater Manhal Alchikh. Ihnen ging es gut. Dennoch nahm der 35-Jährige eine gefährliche Reise auf sich, um seine Frau und seinen Sohn vor dem Krieg retten zu können. „Weil ich sie nicht den Gefahren der Flucht aussetzen wollte, beschloss ich, alleine zu gehen und die beiden später nachzuholen“, erzählt Manhal Alchikh.

Als er sich Anfang des Jahres von Frau und Sohn verabschiedet, ist nicht sicher, ob er sie je wiedersehen wird. Esmael ist zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre alt und fängt gerade an zu sprechen. „Mama und Papa konnte er zu diesem Zeitpunkt sagen“, erinnert sich sein Vater. Während für den 35-Jährigen eine gefährliche Odyssee durch Europa beginnt, bleiben Mutter Nahla Abo Watfa und der kleine Knirps im Kriegsgebiet zurück. Mit etwa 30 Personen teilen sie sich eine Fünf-Zimmer-Wohnung in der syrischen Hauptstadt. Ihr eigenes Zuhause wurde bei den Kämpfen zerstört.

Mehrere Monate musste Esmael auf seinen Vater verzichten. Teilweise wusste die Familie nicht, wo der 35-Jährige gerade ist, ob er überhaupt noch lebt. Mehr als 6000 Euro – alles, was sie hatten – bezahlte Manhal Alchikh an Schlepper, damit er nach Monaten, in denen er in ständiger Angst lebte, über den Libanon, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich endlich Deutschland erreichte.

In Rostock kam Alchikh im Integrativen Betreuungszentrum der Diakonie Rostocker Stadtmission unter. „Eigentlich sind wir ein Betreuungszentrum für Wohnungslose, hatten aber noch Kapazitäten frei“, erklärt Einrichtungsleiter Hartwig Vogt. Und so kommt es, dass hier seit März Obdachlose und Flüchtlinge, darunter auch acht Kinder, zusammenleben. „Und das Miteinander klappt. Wir haben bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Es ist sogar ruhiger geworden“, sagt Vogt.

Im November war es dann endlich soweit: Familie Alchikh konnte sich wieder in die Arme schließen, Frau und Sohn kamen legal nach Deutschland. Sie haben sich auch schon etwas in ihrer neuen Heimat eingelebt. Esmael kann Hallo und Tschüss sagen und obwohl die muslimische Familie eigentlich kein Weihnachten feiert, besuchte sie auch schon den Weihnachtsmarkt.

Unsere Aktion
Einem Kind mit einem kleinen Geschenkpaket eine Freude machen – das können Sie, liebe Leserinnen und Leser!
Bitte unterstützen auch Sie unsere Weihnachtsaktion. Die NNN arbeiten vor Ort mit der Rostocker Stadtmission zusammen. Die Mitarbeiter dieser Einrichtung wissen ganz genau, welche Kinder sich besonders über ein Paket zum Fest freuen würden. Als Wertschätzung für die Kleinen möchten wir Sie bitten, keine gebrauchten Gegenstände einzupacken, sondern neue zu kaufen. Empfohlen wird ein Paketwert von etwa 10 bis 20 Euro.
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