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Institut für Rechtsmedizin Rostock : Ihr Beruf: Leichen obduzieren

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Assistenzärztin Verena Blaas arbeitet am Institut für Rechtsmedizin an der Universität. Austausch mit Kollegen bei Fachtagung

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erstellt am 24.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Ein Beruf, der dem Tod auf der Spur ist: Verena Blaas ist Assistenzärztin am Institut für Rechtsmedizin an der Universität Rostock. Die 30-Jährige, die ursprünglich aus Flensburg stammt, gehört zu insgesamt sieben Ärzten, die ungeklärte Todesfälle am Institut untersuchen und so die genauen Todesursachen nach eventuellen Straftaten ergründen.

„Dass ich mal im Bereich der Rechtsmedizin arbeiten werde, hat sich erst am Ende meines Medizinstudiums in Düsseldorf herauskristallisiert“, erzählt die angehende Fachärztin und führt fort: „Es ist ein interdisziplinäres Fachgebiet. Man hat an manchen Tagen mehr mit lebenden als mit toten Menschen zu tun. Das fasziniert mich.“ Nach dem Studium zog es Blaas Anfang 2013 nach Rostock – „zurück an die Küste“. Sie begann mit der fünfjährigen Facharztausbildung und schrieb an ihrer Doktorarbeit weiter, die sie bereits in Düsseldorf angefangen hatte.

Die Arbeit mit Menschen, die schwerste Verletzungen davongetragen haben, sowie der Umgang mit Toten ist für sie ein alltägliches Bild: „Wir führen beispielsweise körperliche Untersuchungen nach Straftaten durch, obduzieren Leichen in Zusammenarbeit mit einem Fach- oder Oberarzt und erstellen anschließend schriftliche Gutachten“, so Blaas. Auch die Leichenschau am Tatort gehöre dazu, wie die 30-Jährige berichtet. Jedoch entscheide zuvor die Staatsanwaltschaft, ob überhaupt ein Rechtsmediziner dazu gerufen werde. „Doch nicht jeder Tatort ist auch wirklich einer. Manchmal stellt sich auch heraus, dass es sich um einen Unfall handelt“, so die Medizinerin.

Über einen ihrer Fälle berichtete Verena Blaas bei der jüngsten Fachtagung für Rechtsmedizin in Rostock, bei der 100 Spezialisten aus ganz Deutschland in der Hansestadt zu Gast waren. „Es ist ein spezieller Todesfall, bei dem ich jedoch nicht selbst am Tatort war“, so die angehende Fachärztin. Ein Landwirt kam bei der Arbeit durch einen Teleskop-Lader ums Leben. „Es wurde untersucht, ob es Mord, Selbstmord oder ein Arbeitsunfall war. Die Auffindsituation des Toten war nämlich zunächst unklar“, erzählt Blaas, die den Leichnam gemeinsam mit dem Oberarzt Dr. Fred Zack seziert hat.

„Das war ein ungewöhnlicher Fall, bei dem der Leichnam schwere Kopfverletzungen davongetragen hat“, führt sie fort. Doch am Ende der polizeilichen Ermittlungen stellte sich heraus, dass es am ehesten ein Arbeitsunfall gewesen ist und es sich somit nicht um eine Straftat gehandelt hat.

Dieser und weitere Fälle wurden bei der Fachtagung in den Fokus gestellt. So gab es für die Assistenzärzte zudem die Möglichkeit, sich bei der „Nightmare Session“ auszutauschen. Der Name sei bewusst gewählt worden. Denn hier konnten die jungen Mediziner über ihre „Albträume“ sprechen – also über Fälle, die vielleicht nicht so optimal gelaufen sind und sich darüber in geschlossener Runde und in Ruhe austauschen.

Verena Blaas hat seit Anfang 2013 bereits 350 Menschen obduziert und 210 Körperuntersuchungen vorgenommen. Denn auch eine Rechtsmedizinische Ambulanz gehört zum Institut, in dem Opfer nach Gewalterfahrungen behandelt werden können. „Es kommt in letzter Zeit öfter vor, dass sich Menschen bei uns melden, die beispielsweise häuslicher Gewalt ausgesetzt sind“, so die Ärztin. Bis zu drei Untersuchungen am Tag können dann schon einmal anstehen. „Ein vorheriger Anruf ist jedoch notwendig“, sagt Blaas. Denn nicht jeder Fall gehört auch zur Rechtsmedizin. „Bei Vergewaltigungen sollte sofort die Polizei verständigt werden“, so die Assistenzärztin.

Ein Fall ist Verena Blaas jedoch bis heute in Erinnerung geblieben: „Es ging dabei um schlimmste Kindesmisshandlung.“ Das Kind sei dann aus der Familie genommen worden.

Jedoch hat es bei der angehenden Fachärztin Spuren hinterlassen. „Wir haben hier aber ein Netz mit doppeltem Boden. Das fängt einen immer wieder auf“, sagt Blaas, die damit das Institut und die Kollegen meint. „Wenn ich ein Gutachten schreibe, wie auch in dem Fall mit der Kindesmisshandlung, dann kann ich damit helfen und etwas für das Kind ändern“, ergänzt sie. Und das sei für sie schließlich ein weiterer Grund, in der Rechtsmedizin zu arbeiten.

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