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21. November 2017 | 00:19 Uhr

IHK will Steuerbonus für Sail-Törns

vom

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erstellt am 04.Jul.2013 | 07:41 Uhr

Rostock | Wenn Münchner Unternehmer ihre Geschäftspartner zum Oktoberfest einladen, können sie die Kosten dafür zum Teil von der Steuer absetzen. Lädt ein Rostocker Unternehmer seine Kunden zu einer Ausfahrt bei der Hanse Sail ein, bleibt er auf allen Kosten allein sitzen. Weil sie das ungerecht findet, macht sich die Industrie- und Handelskammer Rostock (IHK) für eine Änderung dieser steuerlichen Regelung stark. In einem Brief an Mecklenburg-Vorpommerns Finanzministerin Heike Polzin (SPD) bittet die IHK das Land, sich für eine Lockerung des so genannten Betriebsausgabenabzugsverbots einzusetzen und dazu mit anderen norddeutschen Bundesländern eine Bundesratsinitiative zu starten.

"Diese Norm muss geändert werden. Es ist schwer nachzuvollziehen, warum die Bewirtung in einer VIP-Lounge bei einem Fußballspiel als Betriebsausgabe absetzbar ist, bei einer Regatta-Begleitfahrt aber nicht", sagt Jens Rademacher, amtierender IHK-Hauptgeschäftsführer. So aber hat es der Bundesfinanzhof mit einem Urteil bereits 2012 festgelegt. Laut Gericht schließt das Einkommenssteuergesetz Kosten für Reisen und Bewirtung auf einem Schiff bewusst vom Abzug aus. Grund: Es handele sich um Kosten einer unangemessenen Repräsentation, die nicht auf die Allgemeinheit abgewälzt werden sollten.

"Ich kann an einer Ausfahrt bei der Sail absolut keine übertriebene Repräsentation erkennen. Wo liegt der Unterschied, ob ich mir ein Fußballspiel oder schöne Schiffe ansehe?", fragt der Unternehmer und IHK-Präsident Claus Ruhe Madsen. Er fürchtet, dass es für viele Rostocker Firmen, die für die diesjährige Sail bereits Einladungen an ihre Geschäftspartner verschickt haben, noch ein böses Erwachen geben wird, wenn Steuerrückzahlungen fällig werden.

Ihre Teilnahme an der Hanse Sail abgesagt hat in diesem Jahr bereits die Unternehmensgruppe Ferdinand Schultz Nachfolger. "Seit der allerersten Sail haben wir unsere Kunden gern zu diesem Event eingeladen. Unter den jetzigen Umständen ist das leider nicht mehr möglich", sagt Geschäftsführer Axel Erdmann. Der finanzielle Nachteil für seine Unternehmensgruppe belaufe sich auf mehrere tausend Euro. Erdmann befürchtet, dass aus der jetzigen Regelung langfristig auch Nachteile für die Hanse Sail selbst erwachsen könnten. "Wenn die großen Schiffe nicht mehr gechartert werden, kommen sie bald nicht mehr", sagt er.

Einen negativen Effekt der aktuellen Vorschrift konnte Hanse Sail-Chef Holger Bellgardt bislang allerdings nicht beobachten. "Wenn diese Steuerregelung einen gravierenden Einfluss gehabt hätte, hätten wir nicht so eine stabile Entwicklung bei den Besucher- und Teilnehmerzahlen", sagt er. Die Initiative der Rostocker IHK begrüßt er dennoch: "Ich unterstütze die Idee, dass Unternehmen, die eine Patenschaft für ein Schiff übernehmen, daraus einen steuerlichen Vorteil ziehen sollen." Schließlich würden solche Geschäfts-Ausfahrten dazu beitragen, dass die für den Ostseeraum typischen Traditionssegler, die meist von gemeinnützigen Vereinen betrieben werden, sich finanzieren können. "Und damit wird wiederum ein Stückchen europäisches Kulturgut erhalten", so Bellgardt.

Der Hanse Sail-Chef macht eine weitere Dimension auf: Ein steuerlicher Anreiz für Firmenausfahrten ziehe auch für den Fiskus positive Effekte nach sich. "Dazu muss man sich vor Augen führen, dass während einer viertägigen Hanse Sail in der Region zusätzlich rund 20 Millionen Euro direkte Umsätze generiert werden." Das betreffe Unternehmen von der Pension über die Tankstelle bis zum Warnowtunnel. "Wenn die regionale Wirtschaft brummt, brummen auch die Steuereinnahmen", sagt Bellgardt.

Solange die jetzige Regelung vom Gesetzgeber nicht geändert wird, müssen sich die Unternehmen der Region überlegen, ob sie weiter für die Sail in die Tasche greifen wollen, oder ob sie sich - wie Ferdinand Schultz Nachfolger - nach steuerlich günstigeren Alternativen umsehen. "Die Finanzämter sind an die Gesetze gebunden und können keine Ausnahme machen", sagt Finanzministerin Polzin. Den Unmut der Unternehmer kann sie trotzdem nachvollziehen. "Ich halte es für ungerecht, wenn das Oktoberfest in München steuerlich anders behandelt wird als die Hanse Sail in Rostock. Wir werden daher prüfen, wie wir im Rahmen unserer Möglichkeiten für mehr Gerechtigkeit sorgen können", sagt Polzin.

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