Gejammer ist schuld an Abwanderung junger Leute : IHK sieht Mängel im Landesmarketing

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Der scheidende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Rostock, Rolf Paarmann, macht das "Gejammer" dafür verantwortlich, dass es Mängel in der Innen- und Außendarstellung des Landes gibt.

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12. Dezember 2010, 08:52 Uhr

Rostock | Der scheidende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Rostock, Rolf Paarmann, sieht noch erhebliche Mängel in der Innen- und Außendarstellung des Landes.

"Wir müssen den jungen Leuten klarmachen, dass es sich lohnt, nach der Ausbildung in Mecklenburg-Vorpommern zu bleiben", sagte Paarmann. Laut einer Studie aus dem vergangenen Jahr sehen nur 38 Prozent der jungen Menschen eine Chance für eine positive persönliche Entwicklung im Nordosten.

"Ein Grund dafür ist unser Gejammer", sagte Paarmann. Es verstelle den Blick auf die Realitäten. "Wir müssen viel mehr zeigen, was wir können", forderte er.

Für ein insgesamt positives Bild müsse aber vor allem im Bildungsbereich noch deutlich nachgebessert werden. Ein erheblicher Bremsklotz für eine weitere positive Entwicklung sei die hohe Schulabbrecherquote im Land, die mit 18 Prozent so hoch wie nirgendwo sonst in Deutschland ist. "Diese Abbrecherquote ist nicht mehr länger zu erklären", sagte Paarmann, der zum Jahresende in den Ruhestand geht. Er vermisse im Bildungsministerium aber entsprechend klare Signale. Die Bildungspolitik sei zu sehr auf die Gymnasien ausgerichtet.

Zu den Vorzügen des Landes gehört nach Paarmanns Ansicht die exzellente Versorgung mit Kita-Plätzen, die das Leben für junge Eltern im Vergleich zur Situation im Westen erheblich erleichterten.

Verbessert habe sich zudem die Situation der maritimen Zulieferindustrie, in der in den vergangenen Jahren viele tausend Arbeitsplätze entstanden seien. "Im Zuge der Insolvenz der Wadan- Werften hat es nur drei Anschlusskonkurse gegeben", betonte Paarmann. Das sei ein deutliches Zeichen für die Gesundheit dieser Teilbranche. "Es gibt eine hohe Findigkeit, die auch aus der Not heraus geboren wurde."

Ein positives Zukunftssignal werde auch von der bundesweit einmaligen Technologieinitiative ausgesendet. In dem Netzwerk sitzen die fünf Wirtschaftskammern des Landes, die Hochschulen sowie Vertreter des Wirtschafts- und des Bildungsministeriums. Dort gehe es auch darum, wie 150 Millionen Euro Forschungsgelder an den Mittelstand verteilt würden. 85 Prozent der Betriebe hätten weniger als 20 Mitarbeiter, aber trotzdem eine Nähe zur Wissenschaft. "Das Geld wird bereits gut abgerufen", berichtete Paarmann von ersten Erfahrungen.

Paarmann hofft, dass in MV eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie in Bayern geschaffen werden kann. Das Biotechnologie-Netzwerk Biocon Valley mit seinen Verbindungen in den Ostseeraum spiele dabei eine erhebliche Rolle. Bayern hatte sich vor Jahrzehnten zu einem Land mit einem hohen Technologieanteil entwickelt. Die CSU spricht gern von "Laptop und Lederhose". Nach einem vergleichbaren, aber eigenständigen Motto für MV werde noch gesucht, sagte Paarmann.

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