Groß Potrems : Igelstation sucht Tierfreunde

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In Groß Potrems päppelt Heidi French hilfsbedürftige Junge auf und wildert sie dann wieder aus / Land wälzt Verantwortung ab

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19. April 2015, 09:00 Uhr

Der Frühling erwacht und auch die ersten Igel suchen bereits nach Insekten in den Gartenanlagen. Auf der Igelstation von Heidi French in Groß Potrems warten die Winterschläfer auf ihre Auswilderung. 30 Notfälle wurden in den Wintermonaten dort abgegeben und bis zum Winterschlafgewicht angefüttert. „Wir suchen nach wie vor Auswilderungsstellen und Tierfreunde, die vorübergehend in ihren Gärten zufüttern“, sagt Heidi French, denn der Insekten-Tisch ist noch nicht reichhaltig genug gedeckt.

Insbesondere die Handaufzuchten benötigen vorübergehend zuverlässige Pflegeeltern, da sie sich erst an die große Freiheit gewöhnen müssen. Gesucht werden Gärten, die abseits von Hauptverkehrsstraßen und Großbaustellen liegen, denn nach wie vor ist der Mensch der größte Feind des Igels. Laubsauger, Feuerstellen, elektrische Gartengeräte, Pestizide, Insektizide und die nächtlichen Raser sind die Haupt-Todesursache der Insektenfresser.

In einigen Bundesländern stehen sie bereits auf der roten Liste. „Wir betreiben lediglich Schadensbegrenzung“, sagt French. So finden pro Jahr durchschnittlich 100 Igel ein Übergangs-Zuhause in der Igelstation und den zugehörigen Pflegestellen. Teilweise sind die Tiere schwer verletzt oder müssen beim Tierarzt behandelt werden. Da es in Mecklenburg-Vorpommern keine Wildtierstation gibt, die vom Land finanziell unterstützt wird, werden in der letzten Zeit auch andere Tierarten in Groß Potrems abgegeben. Weder Tierheim, Zoo, noch die Tierparks fühlen sich für Buntspecht, Feldhase und Co zuständig. „Ich war gezwungen, einen Verein zu gründen, um Spendengelder oder Sachspenden zu mobilisieren“, sagt die 55-Jährige, die bisher alles aus eigener Tasche finanzierte und schon lange ihre finanziellen Grenzen überschritten hat.

Viele Leute nehmen Wildtiere aus Mitleid mit nach Hause und wissen dann nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Die Naturschutzbehörde Güstrow und der Vogelpark Marlow vermitteln die Telefonnummer von Heidi French, weil es keine Alternativen gibt. Im schlimmsten Fall erwarten die Finder, dass sie persönlich vorbeikommt und die Tiere abholt. „Viele Leute, die sich bei uns melden, haben merkwürdigerweise kein Auto und sind auch nicht bereit, einen Teil der Futter- oder Tierarztkosten zu übernehmen“, beschreibt French die so genannten Retter in der Not. Diese würden sich kurzzeitig verantwortlich fühlen und dann nach einer Möglichkeit suchen, die Verantwortung schnellstmöglich und kostenlos wieder abzuwälzen.

Auswilderungsstellen und Spendenaktionen im Internet: www.Igelhilfe-MV.de. Die Igelstation ist unter der Telefonnummer 038208/134 72 per Anrufbeantworter erreichbar.


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