Konzert : „Ich wollte erst mal vorsichtig sein“

Nach Sport und Talk Gitarre und Gesang: Reinhold Beckmann tritt heute im Moya auf.
Nach Sport und Talk Gitarre und Gesang: Reinhold Beckmann tritt heute im Moya auf.

Reinhold Beckmann erklärt im Interview, warum er seiner Leidenschaft für die Musik erst spät Raum gab. Auftritt heute um 20 Uhr im Moya in Marienehe.

svz.de von
13. Dezember 2014, 08:30 Uhr

Beckmann & Band treten heute um 20 Uhr im Moya in Marienehe auf – mit ihrem Tour-Programm „Bei allem sowieso vielleicht“. Ja, es handelt sich um Reinhold Beckmann. Warum der bekannte Sport- und Polit-Moderator jetzt singt, was er mit Rostock verbindet und wie es ist, wenn die Kinder groß sind, besprach er mit NNN-Autorin Nicole Pätzold im Interview.

Haben Sie einen Bezug zu Rostock?
Ja, ich war früher zu Ran- und Ranissimo-Zeiten bei Sat  1 viel da. Und ich habe oft in Rostock Fußball geguckt.
Und privat?
Ja, aber das ist schon wieder eine ganze Zeit her. Was hat sich denn verändert? Erzählen Sie mal!
In Kürze: Ein paar Schiffe im Hafen sind weg, ein paar kommen wieder. Das Theater ist zwar in der Krise, soll aber einen Neubau kriegen. Hansa ist in der dritten Liga, aber das wissen Sie sicher.
Für mich sind die gedanklich noch immer oben in der Fußballbundesliga. Hansa gehört als Traditionsverein einfach dahin. Aber den Hamburgern geht es ja nicht viel anders... Nach dem Auftritt im Moya könnte ich ja eigentlich noch einen Tag in Rostock bleiben.
Besucht Ihre Familie Sie auch mal?
Ja, und Rostock würde sich anbieten. Mein Sohn ist gerade nach Berlin gezogen. Beide Kinder sind aus dem Haus.
Ach, sind die schon groß?
Ja, das habe ich sie auch gefragt. Sie sind 17 und 20. Das geht schnell, sage ich Ihnen. Ich habe letztens den Satz gelesen „Das Leben beginnt erst dann, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Hund stirbt.“ Vor ein paar Wochen ist der Hund gestorben.
Das tut mir leid.
Ich habe noch einen zweiten Hund, um den tut es mir leid. Der leidet darunter, dass der andere nicht mehr da ist. Auf dem Cover des Albums sind beide drauf. Der große ist der, der nicht mehr lebt – der Australian Shepherd, der Hütehund. Jetzt hat die Katze die Rolle des zweiten übernommen – ein Spektakel.
...das Sie jetzt eine Weile nicht hatten.
Ja, aber Weihnachten bin ich wieder zu Hause.
Touren Sie denn richtig klassisch mit dem Bus?
Na klar. Es ist ja keine große Produktion. Wir spielen in kleineren und mittleren Häusern. Unterwegs sitzen wir richtig eng im Tourbus, wie sich das gehört. Aber wir kennen uns ja auch schon eine Weile und haben inzwischen bereits 80 oder 90 Auftritte hinter uns.
Das sind viele Auftritte. In wie viel Jahren?
Dreieinhalb. Ich wollte erst mal vorsichtig sein. Gerade als Fernsehmensch muss man sich das Publikum erspielen und auf der Bühne beweisen. Wir haben unsere CD daher ganz bewusst erst später gemacht. Das war, glaube ich, richtig, weil wir inzwischen eine Sicherheit als Band gewonnen haben, die ich bei jedem Liveauftritt erlebe.
Vorsichtig sein, weil Sie sich in keine Schublade stecken lassen wollten?
Nein, aber mancher Beobachter sieht den Fernsehmann, der sich auf die Bühne wagt, etwas kritischer. Und das verstehe ich gut. Man sollte es nicht zu sehr ausnutzen, dass man von TV-Formaten her bekannt ist, wenn man etwas Neues macht. Ich muss mir das Publikum genauso verdienen und erarbeiten, wie jeder andere Künstler auch.
Was gibt Ihnen die Bühne, was Ihnen die Moderation nicht gibt?
Ich habe die letzten Jahre viele Sendungen ohne Studiopublikum gemacht. Jeder Konzertabend ist anders, jedes Publikum ist anders. Und dieses Erlebnis der Unmittelbarkeit gibt es beim Fernsehen in der Form nicht.
Sind Ihre Song-Texte aus Ihrem eigenen Leben geschnitten?
Viele. Aber es ist nicht nur aus dem eigenen Leben geschnitten, sondern auch aus früherer Zeit. Es sind Dinge dabei wie die Liebesgeschichte über die Metzgerstochter Charlotte. Die hat es tatsächlich bei uns um die Ecke gegeben. Sie wuchs im Schatten des Hackebeils auf. Und ich, ich konnte knapp über die Mettwurst gucken. Ich war noch sehr jung. Sie hatte immer eine Scheibe Schinkenwurst für mich. Man fängt an, dieses Bild, diese Begegnung zu beschreiben. Irgendwann beginnt der Text, eigene Wege zu gehen. Dann fällt mir ein: „Wenn ich heute trist an Tofuwürstchen nage, vielleicht auch Grünkernbratling im Spinatbett wage, möcht’ ich noch einmal mit dir schaukeln gehen und dich mit Wucht das Hackebeilchen schwingen sehen.“ Das ist natürlich Spinnerei, aber auch das Schöne, Überraschende am Texteschreiben.
Es gibt also auch keinen Therapeuten, der Ihnen zu Ayurveda und Chorsingen geraten hat?
Nein. Den Text hatte ich übrigens zuerst in die Tonne getreten, weil ich glaubte, der sei nicht gut.
Ich fand den gut.
Ja, ich jetzt auch. Da kam erst später der Therapeut dazu, der am Ende selbst der Bekloppte ist.
Wie sind Sie eigentlich zu Ihren Bandkollegen gekommen. Über Inas Nacht?
Ja, da ist eigentlich die Ursache. Ich bin ein bisschen stolz drauf, dass ich der allererste Gast in ihrer Show vor sechs Jahren war. Und bei diesem Auftritt habe ich mit Ina einen Bossa Nova gespielt. Danach kam ihr Schlagzeuger zu mir, Helge Zumdieck, und sagte: „Reinhold, lass uns mal was zusammen machen. Ich stell’ mal ein paar Jungs zusammen und dann machen wir was.“ Manchmal ist es dieser Tritt in den Hintern, den man braucht. Im Nachhinein ärgere ich mich ein wenig, dass ich nicht den Mut hatte, früher so ein Musikprojekt zu wagen.
Die Musik, die Sie machen, ist sehr vielfältig.
Ja, das ergibt sich so beim Songschreiben. Ich überlege zum Beispiel, wie kann man die Geschichte der ewig leidenden Männer in ein musikalisches Bett legen. Irgendwann hatte ich die Idee, es muss so ein bisschen kubanisch klingen. Fragen Sie mich nicht warum. Bei mir ist der Text zuerst da oder zumindest ein paar Zeilen und dann entwickelt sich eine Stilistik beim gemeinsamen Proben. Wir haben eine große Lust, bei der Entstehung der Songs zu experimentieren. Das wird vielleicht bei der zweiten CD anders, dass wir uns dann mehr festlegen.
Ist die schon in Planung?
Ja, ich glaub, ich gehe nächstes Jahr ins Studio, aber jetzt machen wir erst mal die Tour.
Wenn Sie sich für eine Welt entscheiden müssten: Sport-, Talkshow-Moderation oder Musik?
Eine fiese Frage. Ich glaube, das eine entspannt das Erlebnis des anderen. Mir tut es ganz gut, dass ich auf ein paar mehr Hochzeiten unterwegs bin.


Karten gibt es noch an der Abendkasse und von 10 bis 18 Uhr im NNN-Ticketcenter bei Thalia, Breite Straße 15, Telefon: 0381/121 69 12






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