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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 04:55 Uhr

Mordprozess : „Ich weiß nicht, wie es dazu kam“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Plädoyers im Fall des mutmaßlichen Mörders Andre H.. Angeklagter spricht von einem Unfall. Staatsanwaltschaft sieht Wiederholungsgefahr.

Lebenslange Freiheitsstrafe und Anordnung der Sicherungsverwahrung fordert die Staatsanwaltschaft für den 36-jährigen Andre H., der wegen Mordes und mehrfacher Vergewaltigung vor dem Landgericht steht. Für die Anklage steht außer Zweifel, dass Andre H. am Silvesterabend 2013 Ramona K.(32), mit der er seit 2009 zusammenlebte, in ihrer Wohnung in der Sternberger Straße in Lichtenhagen vergewaltigte. Durch längeres Würgen habe er ihre Gegenwehr außer Kraft gesetzt. Nach seiner Inhaftierung legte er ein Geständnis ab und entschuldigte sich per SMS bei seiner Partnerin. Am 22. Januar 2014 kam er frei, da seine Freundin ihm verziehen hatte. Ein reines Zweckverhalten, sagt die Staatsanwältin. Andre H. hab nur aus der Haft entlassen werden wollen. Sie geht davon aus, dass der Streit um die Vergewaltigung eskalierte. Der Angeklagte forderte erneut Sex. Weil seine Partnerin sich heftig wehrte, fesselte er sie an Händen und Füßen. Um die erneute Vergewaltigung zu vertuschen, habe er sein Opfer am 29. Januar 2014 getötet. An diesem Tag enden die Tagebuchaufzeichnungen der jungen Frau. Eine vermummte Gestalt holte Geld von ihrem Konto ab. Niemand hat sie mehr gesehen.

Am 20. März 2014 habe der Angeklagte Andrea Sch.(33) unter dem Vorwand, ihr einen Film auszuleihen, in die Wohnung seiner Freundin Ramona K. gelockt. Er hielt ihr ein Messer an den Hals und vergewaltigte sie. Nach Meinung der Anklage wählte er mit Absicht nicht seine eigene Wohnung, um dort Spuren zu vermeiden.

Am 22. März wird Andre H. erneut verhaftet. Er gesteht seiner Verteidigerin, Ramona K. vor 14 Tagen in Broderstorf in einen Keller gesperrt zu haben. Aber dann gibt er an, sie getötet zu haben und führt die Beamten an ein Erdloch an der Stadtautobahn.

Andre H. stellt den Tod seiner Freundin als Unfall dar. Sie habe ihn in der Badewanne mit einem Fön töten wollen. Beim schnellen Verlassen der Wanne sei er auf sie gefallen, durch einen Krampf in der Hand, die zufällig an ihrem Hals lag, habe er sie erwürgt.

Die Anklagevertreterin folgte in ihrem Plädoyer den Gutachten der Sachverständigen, die nachgewiesen hatten, dass das Opfer durch Ersticken mit einem Kissen ums Leben kam. Der Angeklagte habe in nicht einmal drei Monaten drei schwere Straftaten begangen. Die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung seien erfüllt. Das Risiko für weitere schwerste Verbrechen sei hoch.

Die Verteidigung stellte keinen Antrag, da sie nicht wisse „wann, wie und warum Ramona K. ums Leben kam“. Dass ihr Mandant nach einem Vorsatz handelte, akzeptierte sie nicht. In seinem letzten Wort sagte Andre H.: „Es tut mir leid, dass das passiert ist. Ich weiß nicht, wie es dazu kam. Ich muss alles erst aufarbeiten.“ Das Urteil soll am 5. Februar verkündet werden.  

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