Interview : „Ich sehe durchaus eine Renaissance der alten DDR-Poliklinik“

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NNN-Gespräch mit Professor Christian Schmidt, ab 1. Januar Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Rostock.

svz.de von
27. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Professor Christian Schmidt ist ab dem 1. Januar 2014 Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Rostock. Der 46-jährige Chirurg kommt aus Köln, wo er Medizinischer Geschäftsführer der Kliniken der Stadt war. Dietmar Tahn hat ihn befragt.


Herr Professor, Sie sind ein weit gereister Mann, in der ganzen Welt tätig gewesen. Warum verschlägt es Sie nach Rostock?

Ich habe fast 15 Jahre an der Küste in Kiel gearbeitet. Von daher bin ich vom Norden geprägt, habe eine starke Affinität zu Wasser. Vor allem aber finde ich die berufliche Herausforderung in Rostock extrem spannend.
Warum?

Es sind die Aufgaben, die die Rostocker Universitäts-Medizin mit ihren verschiedenen Standorten zu bewältigen hat, und es sind die Chancen in der Region. Es geht um die bauliche Konsolidierung und die strategische Positionierung für die nächsten 10 bis 20 Jahre auf dem schwierigen Markt der Gesundheitsbranche. Obendrauf kommt für mich, dass es endlich wieder eine Uni-Klinik ist. Ich komme eigentlich aus dem Bereich Uni-Klinik, habe jetzt mehrere Jahre in kommunaler oder halbuniversitärer Landschaft verbracht. Ich freue mich einfach darauf, wieder in einer schönen Stadt und einer schönen Uni-Klinik tätig sein zu können. Der gesamte akademische Reigen, der um das Krankenhaus-Geschäft herum besteht, ist schon spannend, der macht eben auch das Arbeiten noch interessanter. Denn es geht ja gerade auch darum, dass das, was in Forschung und Lehre gemacht wird, auch zu den Patienten an das Krankenbett gebracht wird. Die translationale Medizin ist etwas sehr Dynamisches, wo Rostock schon jetzt ziemlich gut aufgestellt ist.
Universitäts-Medizin ganz nah am Patienten, ist das ein entscheidender Ansatzpunkt für Sie?
Ich glaube, dass einige Chancen in der Region noch nicht vollständig genutzt sind. Die Greifswalder Uni nennt das Community Medicine. Das ist letztendlich etwas, was man in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern sehr gut anbieten kann. Immerhin wird jeder zehnte Patient in Mecklenburg-Vorpommern im Uni-Klinikum Rostock behandelt. Das ist schon mal eine Größe bei knapp 39 Krankenhäusern, die es im Land gibt. Ich glaube, dass man hier in der Region einiges mehr anbieten kann. Die Uni-Klinik als integrierter Gesundheitsdienstleister vernetzt in die Einzelpraxen weit weg – das muss man in ein vernünftiges Modell einbringen, in dem man aber auch Forschung und Lehre sowie die Krankenpflege als Dreiklang abbildet. Da gibt es schon gute Beispiele. So ist das Carus Consilium in Dresden ein ganz gutes Vorbild, nach dem wir in Rostock in modifizierter Form etwas umsetzen können. In Dresden ist es gelungen, Praxen, Institutionen, Behörden und Verbände unter ein Dach zu kriegen und die drei Schwerpunkte zu vernetzen. Das finde ich spannend.
Sie haben sich wissenschaftlich und praktisch mit Krankenhaus-Management beschäftigt. Ist das ein Aufgabenfeld, in dem Sie auch in Rostock aktiv werden?
Auf jeden Fall. Dazu muss ich mir das Unternehmen jedoch noch im Detail ansehen. Ich glaube, dass schon sehr viel sehr gut gemacht wird. Wir müssen sehen, dass wird durch eine pfiffige Infrastruktur kurze Wege schaffen. Die Uni-Kliniken, die Leistungsbeziehungen zueinander haben, sollten möglichst nah beieinander sein. Also, beispielsweise sollten in der Notaufnahme auch die Fachdisziplinen vertreten sein, die dort dann die meisten Patienten haben. Da müssen wir sehen, wie das auf Basis von empirisch erhobenen Fakten zu organisieren ist. Hier liegen für mich die größten Potenziale, dass man Konzepte durch eine entsprechende Baulichkeit sinnvoll unterstützt.
Sie waren in den zurückliegenden Wochen schon mehrfach in Rostock. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?
Ich habe eine sehr motivierte Mannschaft vorgefunden. Das Schiff ist ganz sicher auf einem richtigen Kurs. Wichtig ist, dass die drei Forschungsschwerpunkte, die da sind, gleichzeitig die größten Patientengruppen betreffen. Das ist schon mal sehr sinnvoll gewählt. So sind wir klinisch, wissenschaftlich und in der Ausbildung hervorragend aufgestellt. Nun müssen wir im Detail schauen, wo wir noch zulegen können, und ob es Themen gibt, die man noch zusätzlich anpacken muss. Eltern-Kind-Gynäkologie ist sicher ein Bereich, aber auch die Altersmedizin. Vielleicht ist das Thema Medizin-Tourismus auch etwas für die Region. Das kann ich aber derzeit noch nicht abschätzen. Für mich ist aber vordergründig, wie wir als universitärer Maximalversorger eine Optimalvernetzung in die vor- und nachgelagerten Sektoren schaffen. Ich sehe durchaus eine Renaissance der alten DDR-Poliklinik. Die wird man sicher in einem anderen Gewand wiederfinden, um eine flächendeckende Versorgung der Patienten gewährleisten zu können.
Sie haben die Eltern-Kind-Gynäkologie angesprochen und damit die Süd-stadtklinik. Wie sehen Sie das Zusammenspiel mit dieser großen medizinischen Einrichtung in Rostock?
Das ist der einzige große Player vor Ort, mit dem wir etwas zusammen machen werden. Selbstverständlich geht es aus meiner Sicht darum, wie man Synergien nutzen kann. Vielleicht können wir die Kooperation in der Ausbildung optimieren. Es wird eine ganze Menge Anknüpfungspunkte geben, die ich aber jetzt im Detail noch nicht benennen kann.
Am 1. Januar ist offiziell Dienstantritt in Rostock. Sind Sie schon voller Vorfreude?
Ja, ich bin sehr gespannt und habe richtig Lust auf den Start. Ich habe mich im Vorfeld schon ein wenig vernetzt, viele Gespräche geführt, unter anderem auch mit dem Uni-Rektor Professor Wolfgang Schareck. Also die Vorfreude auf die Tätigkeit ist groß.
Wissen Sie, was Sie an Ihrem ersten Arbeitstag in Rostock auf jeden Fall machen werden?
Ich werde bei vielen Verantwortlichen im Unternehmen vorbeischauen. Viele interne und externe Termine wird es geben, was sich in den ersten Wochen fortsetzen wird. In den ersten 100 Tagen werde ich also unterwegs sein. Es wird eine gewisse Zeit dauern, bis ich mich verdrahtet habe und die Leute wissen, was da für einer ist, wie der tickt und ob man mit dem vernünftig arbeiten kann.
Ihre Frau ist eine gebürtige Rostockerin, hat das Ihre Entscheidung beeinflusst?
Das hat sich eher so ergeben. Dass meine Frau Rostockerin ist, hat die Sache, sagen wir mal, erleichtert. Aber ich kenne die Region, ich mag sie gern. Rostock ist eine schöne, maritime Stadt. Sie erinnert mich ein wenig an Kiel, wo ich ja viel Zeit verbracht habe.
Bleiben wir bei Ihrer Frau. Sie ist auch Medizinerin. Zur Familie gehören zwei Kinder. Kommen alle gleich mit nach Rostock?
Ich werde die ersten Monate allein in Rostock sein, mich orientieren. Dann werden wir auch eine geeignete Wohnung finden. Und sobald das geklärt ist, zieht die Familie komplett nach Rostock.




































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