Rostock : Ich musste mal nach dem Rechten sehen

„Kraftsport“ in der NNN-Redaktion: Hannes Ocik gestern in Rostock – morgen wird in Dortmund der Deutschland-Achter mit ihm als Schlagmann vorgestellt. Mit dem Flaggschiff fuhr der 25-Jährige schon manche Medaille ein: „Die von den WM sind bei meiner Mutti und meinem Stiefvater in Schwerin, Olympia-Silber von Rio 2016 habe ich immer am Mann, das heißt, an dem Ort, wo ich mich aufhalte. Eine oder zwei Medaillen sind im Schaukasten der Polizeischule in Güstrow ausgestellt.“
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„Kraftsport“ in der NNN-Redaktion: Hannes Ocik gestern in Rostock – morgen wird in Dortmund der Deutschland-Achter mit ihm als Schlagmann vorgestellt. Mit dem Flaggschiff fuhr der 25-Jährige schon manche Medaille ein: „Die von den WM sind bei meiner Mutti und meinem Stiefvater in Schwerin, Olympia-Silber von Rio 2016 habe ich immer am Mann, das heißt, an dem Ort, wo ich mich aufhalte. Eine oder zwei Medaillen sind im Schaukasten der Polizeischule in Güstrow ausgestellt.“

Rudern: Hannes Ocik, Schlagmann des Deutschland-Achters, war gestern zu Hause in Rostock – und bei der Gelegenheit auch in der NNN-Redaktion

von
17. Mai 2017, 12:00 Uhr

Morgen wird am Bundesleistungszentrum in Dortmund der neue Deutschland-Achter vorgestellt, der in der nächsten Woche bei den Europameisterschaften in Racice startet – NNN präsentieren schon heute den Schlagmann des Flaggschiffes, den derzeitigen MV-Ruderer Nummer eins: Hannes Ocik war gestern zu Besuch in der NNN-Redaktion und beantwortete die Fragen von Redakteur
Peter Richter.

Hannes, schön, dass Sie die Zeit gefunden haben. Aber Sie sind nicht allein wegen dieses Interviews nach Rostock gekommen…

Hannes Ocik: Stimmt. Ich bin das erste Mal seit Anfang April wieder im Lande. Ich musste mal zu Hause nach dem Rechten sehen, die Wohnung lüften, den Briefkasten leeren.

Die wichtigste Frage zuerst, um das ein für allemal zu klären: Sehen Sie sich selbst als Rostocker oder als Schweriner?

Ich bin Mecklenburger. Ich bin in Rostock geboren und aufgewachsen, habe hier den längsten Teil meines Lebens verbracht – menschlich sehe ich mich als Rostocker. Aber ich kann das sehr gut verbinden mit meiner Zeit in Schwerin, und weil die dortige Rudergesellschaft zu allen Zeiten immer hinter mir stand , starte ich ja auch nach wie vor für diesen Verein. Ich bin von beiden Städten geprägt, also Mecklenburger.

Sie haben, bevor Sie Ruderer wurden, auch andere Sportarten ausprobiert…

Ich habe meine sportliche Laufbahn mit Schwimmen angefangen, aber meine Mutti Martina (war Welt- und Europameisterin im Orientierungstauchen und Flossenschwimmen – d. Red.), ich will jetzt nicht sagen, sie hat mich davon abgehalten, aber sie hatte keine Lust, wegen mir jedes Wochenende in der Schwimmhalle zu verbringen. Und soviel lag mir auch nicht daran. Deshalb habe ich danach in der Leichtathletik alles ausprobiert, kam aber nicht zum gewünschten Erfolg. Daraufhin nahm meine Mutti die Zügel in die Hand, schleifte mich zum Triathlon mit. Da hakte es nur beim Laufen. Schließlich hat mich dort, bei TriSport Schwerin, ein ehemaliger Ruderer angesprochen, von der Statur her könnte ich es doch mal mit dem Rudern versuchen. Und daraus ist dann das geworden, was jetzt bei mir auf dem Zettel steht.

Für Hobbys hat ein Leistungs-Ruderer zwar wenig Zeit, aber Sie haben welche: Schlafen, Essen, Fußball?!

Stimmt. Ich gehe gern mit Kumpels Fußball gucken, wenn die Möglichkeit besteht, war auch bei Borussia Dortmund und in Rostock im Stadion. Ich bin natürlich Hansa-Sympathisant. Das hat zwar in letzter Zeit etwas abgenommen, aber ich verfolge schon jedes Jahr aufs Neue, wie sich die Mannschaft darstellt. Und ja, ich esse gern Fleisch. Bei meinem persönlichen Sponsor Fleischerei Seibt in Rostock am Doberaner Platz darf ich mir ab und zu mal ein paar Vorräte mitnehmen. Ein Dank an dieser Stelle auch an die Ospa für die Förderung.

Wer ist eigentlich im Flaggschiff der Chef – sind Sie das als Schlagmann?

Bei uns geht alles von Steuermann Martin Sauer aus (mit dem Olympiasieger 2012 fuhr Ocik gemeinsam 2016 in Rio zu Silber – d. Red.), und Bundestrainer Uwe Bender arbeitet sehr akribisch mit. Von uns Ruderern hat jeder genausoviel zu sagen. Wir sind alle sehr gut auf Augenhöhe, ein harmonisches Team, und wenn jemand seine Stimme erheben will, respektieren das alle. Wir haben ein sehr gutes Gleichgewicht gefunden zwischen Trainer, Steuermann und der aktiven Mannschaft.

Dementsprechend hoch gesteckt ist das Saisonziel?

Die EM ist als erster Test sehr gut, um zu sehen, wo man steht. Ich habe mich kürzlich innerhalb der Trainingsgruppe so geäußert, dass wir dieses Jahr nicht Europameister werden, dafür dann aber im Herbst in Florida WM-Gold holen. Da kam natürlich gleich die Meinung, warum nicht beides gewinnen. Generell, finde ich, sollte man aber die Kirche im Dorf lassen. Erfolg ist auch immer
abhängig von der Tagesform, wir können zudem noch nicht einschätzen, wie stark die Gegner sind. Unser Ziel ist es aber, um die Medaillen zu fahren. Diese Erwartungshaltung gibt es immer beim Deutschland-Achter, und das erwarten auch wir Ruderer von uns selbst.

Ein Wort bitte noch zu Ihrem Dortmunder Teamkameraden Malte Daberkow vom ORC Rostock.

Er startet zwar nicht bei der EM, aber der Zug für diese Saison ist für ihn noch nicht abgefahren. Es kann schon sein, dass er in seinem ersten Männer-Jahr Lehrgeld zahlen muss. Aber es geht ja auch darum, Erfahrungen zu sammeln. Malte hat körperlich noch sehr viel Entwicklungspotenzial. Er ist ein Kämpfer, ein Stehaufmännchen. Ruderisch hat er richtig was drauf. Es fehlt nur, weil er zu leicht ist, so ein bisschen Druck an der Kelle.

Sie und Ihre Sportkameraden sind ja stets bemüht, dem Rudern zu mehr Popularität zu verhelfen…

Ja, das ist uns wichtig. Zum Beispiel habe ich mir im Frühjahr eine 360-Grad-Kamera gekauft. Die haben wir ans Heck unseres Achters montiert, um so den Zuschauern die Möglichkeit zu geben, praktisch mit ins Boot zu steigen. Jeder kann sich das ja gern mal anschauen im Internet unter www.deutschlandachter.de

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