Gesund in Rostock : „Ich bin dankbar für jeden Tag“

Musiker Roland Klar aus Rostock kippte bei einem Lampionumzug plötzlich um – Puls und Atmung waren weg. Passanten halfen, bis der Notarzt eintraf.
Musiker Roland Klar aus Rostock kippte bei einem Lampionumzug plötzlich um – Puls und Atmung waren weg. Passanten halfen, bis der Notarzt eintraf.

Roland Klar kämpfte sich zurück ins Leben

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13. August 2015, 08:00 Uhr

Wenn Roland Klar eine Leidenschaft hat, dann ist es die Musik. Seit er zehn Jahre alt ist, spielt er Waldhorn. Weil sein Vater ihn damals mit in seinen Musikverein nahm, begann er das Instrument zu lernen. Und Roland Klar war gut. Sogar so gut, dass er wenig später in die Musikschule kam und den Großteil seines Lebens vom Musizieren finanziell auskommen konnte. Dass er ausgerechnet mit seinem geliebten Waldhorn in der Hand einen der bisher größten Einschnitte seines Lebens meistern müsste, hätte der 64-Jährige nicht für möglich gehalten.

Am 8. November 2013 war er mit seinen Musikerkollegen auf einem Lampionumzug für einen Groß Kleiner Kindergarten unterwegs, als er plötzlich umkippte. „Die Veranstaltung war fast vorbei. Ich begann zu torkeln. So erzählte man mir es später. Ich selber kann mich an den Tag nicht mehr erinnern“, erzählt Klar. „Ich habe nicht mehr geatmet und hatte keinen Puls mehr. Bis der Rettungsdienst eintraf, haben mir Passanten geholfen. Eine Dame sei Krankenschwester gewesen.“ Roland Klar musste reanimiert werden. Er hatte einen Herzinfarkt erlitten. „Die Sanitäter haben mir drei Mal mit einem Defibrillator einen Elektroschock verpasst“, weiß der Rentner heute. Er wurde sofort ins Klinikum Südstadt gebracht und notfallmäßig im Herzkatheterlabor versorgt, da seine Herzkranzgefäße zum Teil verschlossen waren.

Acht Tage später, am 16. November 2013, war Klar wieder ansprechbar. „Ich lag auf der Intensivstation im Südstadtklinikum und erkannte meine Frau. Ich war noch da, habe noch gelebt.“ Wenig später kam er auf die kardiologische Wachstation. Am 26. November wurde er entlassen. „Es mussten mehrere Stents gesetzt werden. Der Herzinfarkt war so schwer, dass auch meine Niere und Lunge zu versagen drohten. Das sah alles nicht so gut aus“, sagt Klar. „Es stand sogar im Raum, dass ich ein Intensivpflegefall werden könnte.“

Doch Klar kämpfte sich zurück ins Leben. Ganz langsam. „Im Dezember ging es für mich in die Reha nach Ahrenshoop. Da stand die Mobilisation im Fokus“, berichtet Klar. Doch schnell wurde ihm bewusst: „Mir fehlt die Musik.“ Zu diesem Zeitpunkt sei es noch sehr vage gewesen, ob er jemals wieder mit seinem Waldhorn unterwegs sein würde. „Ich spiele im Blasorchester Rostock und bin in verschiedenen Chören aktiv. Es war mir sehr wichtig, mich dort auch weiter einbringen zu können“, betont der 64-Jährige. „Als ich realisiert habe, dass das auf der Kippe steht, war ich den bitteren Tränen ganz nah.“ Atemtraining, Gymnastik im Freien, regelmäßiges Inhalieren – Roland Klar musste hart arbeiten, um wieder genug Energie fürs Musizieren zu bekommen. Mittlerweile ist er wieder aktiv. Und darüber ist er glücklich: „Ich bin dankbar für jeden Tag, den ich auf der Erde sein darf. Ich bin dankbar für die Hilfe und Ermutigung, die mir die Ärzte und Schwestern aus dem Klinikum gegeben haben. Ich bin dankbar dafür, dass sie mich wieder zusammengebastelt haben“, sagt Klar. „Ich kann mein Leben wieder so leben wie vorher.“ Dennoch achte der Rentner nun verstärkt darauf, sich gesund zu ernähren und sich zu bewegen. Er fahre Fahrrad und sei mit seiner Frau bei einer Seniorentanzgruppe angemeldet. Auch seine Cholesterinwerte hätten sich deutlich verbessert. „Das hat lange gedauert, aber nun ist alles im grünen Bereich“, erzählt Klar. Die Lebensumstellung hätte sich gelohnt: „Für meine Frau und meine Kinder war das alles nicht einfach. Wir haben gelernt, uns über die Zeit zu freuen, die wir gemeinsam haben. Unser Leben ist intensiver geworden und wir unternehmen mehr Aktivitäten zusammen“, erklärt Klar. Die Ärzte aus dem Klinikum sehe er mittlerweile nur noch alle sechs Monate. „Zur Kontrolle meines implantierten Defibrillators“, sagt Klar.

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