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Einbäume, Hansekoggen, Kriegsschiffe : Hunderte Wracks in der Ostsee

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Die Ostsee gehört nach Einschätzung von Archäologen zu den wrackreichsten Gewässern der Welt. Allein um Rügen seien bis heute rund 300 Wracks bekannt. Dies seien aber nur 10 bis 20 Prozent der dort vermuteten Schiffe.

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erstellt am 02.Apr.2012 | 10:37 Uhr

Stralsund | Die Ostsee gehört nach Einschätzung von Archäologen zu den wrackreichsten Gewässern der Welt. Allein um Rügen seien bis heute rund 300 Wracks bekannt. Dies seien aber nur zehn bis 20 Prozent der dort tatsächlich vermuteten Schiffe, sagte der Unterwasserarchäologe und Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums, Thomas Förster, am Samstag am Rande einer internationalen Archäologentagung mit 150 Teilnehmern in Stralsund. Die Wissenschaftler appellierten an das Land, die Unterwasserfunde vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns zu erschließen und zu vermessen. Vor allem müssten dafür personelle Ressourcen bereitgestellt werden, sagte Förster.

Der mittlerweile auch in der Ostsee verbreitete Schiffsbohrwurm trage dazu bei, dass die historischen Funde unwiederbringlich verloren gehen könnten. "Uns brennt die Zeit unter den Nägeln", sagte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie, Christian Hempel. Wegen des vergleichsweise geringen Salzgehaltes der Ostsee würden die Überreste der historischen Wracks bisher gut konserviert.

Seegewässer um Rügen besonders reich an Wracks

Schon in der Steinzeit wurden die küstennahen Ostseegewässer mit Booten befahren, wie die 2002 bei Stralsund gefundenen und inzwischen in den Depots des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege verrotteten Einbäume eindrucksvoll belegt hatten. Später in der Hansezeit transportierten Kaufleute aus Lübeck, Stralsund, Stockholm und Königsberg ihre Waren in Koggen über die Ostsee. Besonders die Seegewässer um Rügen seien reich an Wracks, weil die Insel in der Geschichte eine große strategische Bedeutung bei kriegerischen Auseinandersetzungen hatte, sagte Förster. "Rügen hat die Ostsee in zwei Teile geteilt. Von der Insel aus ließ sich der Handel in der Ostsee kontrollieren."

Nach einer seit 1996 bekannten Schiffssperre im Greifswalder Bodden aus der Schwedenzeit hatten Sporttaucher vor zwei Jahren eine weitere Schiffssperre bei Barhöft nördlich von Stralsund entdeckt. Die vier Schiffe stammten vermutlich aus der Zeit der Napoleonischen Kriege, wie Förster sagte. Die historischen Umstände dieser Sperre seien aber noch nicht vollständig aufgeklärt. Rund 150 Archäologen berieten auf Einladung der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie in Stralsund über Seeschlachten und deren archäologische Zeugnisse.

Schweden versenkten Boote als Schiffssperre

Anlass der Tagung war die 300-jährige Wiederkehr eines schwedisch-dänischen Seegefechts, das 1712 während des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) vor Rügen stattfand. In jener Zeit wurde auch die Schiffssperre im Bodden errichtet. Im Juli 1715 versenkten die Schweden quer über den Greifswalder Bodden und auf einer Länge von 980 Metern 20 kleinere, mit Ballaststeinen beladene Schiffe und Fischereiboote als künstliche Sperre, um den feindlichen Dänen die Einfahrt in den Bodden zu verwehren.

Neben der Ostsee stand der Mittelmeerraum im Mittelpunkt der mehr als 30 Vorträge, die einen Bogen von der Thalassokratie (Seemacht) bis zu Ostseeschlachten während des 1. Weltkrieges spannte.

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