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Flüchtlingshilfe per Boot : Hunderte vor Tod bewahrt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostocker Kutter „Sea-Eye “ rettete im Mittelmeer mehr als 350 Menschen . Crew-Training am Wochenende

von
erstellt am 09.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Ein acht Meter langes schwarzes Schlauchboot. Darauf eingepfercht 123 Menschen, gut 50 Seemeilen von der libyschen Küste entfernt. Unter ihnen eine hochschwangere Frau. Die Hoffnung auf ein Leben ohne Krieg, Gewalt und Mord hat sie auf das Boot getrieben. Die Hoffnung aber ist zunichte, jemals Land zu erreichen. Das Boot ist manövrierunfähig, droht jeden Augenblick zu sinken.

Die Crew der „Sea-Eye“ entdeckt die Hilflosen rechtzeitig, kann sie in einem vierstündigen Einsatz am vergangenen Donnerstag retten. Schnell setzt sie einen SOS-Notruf an die Seenotrufleitstelle Mittelmeer ab, damit ein größeres Schiff sich um die Flüchtlinge aus Nigeria, Gambia, Kamerun und Libyen kümmern kann.

Mit Einsätzen wie diese hat die Crew des in Rostock umgebauten privaten Rettungsschiffes „Sea-Eye“ bereits Hunderte Flüchtlinge vor dem Tod bewahrt. In vier Einsätzen hat die Mannschaft mehr als 350 Flüchtlinge im Mittelmeer geborgen. 123 Menschen habe die Crew alleine, 231 in Kooperation mit anderen Organisationen gerettet, sagte der Unternehmer Michael Buschheuer beim ersten Crewtreffen am Samstag in Regensburg. Der ehemalige DDR-Fischkutter ist seit vier Wochen vor der libyschen Küste im Einsatz. Er war auf der Rostocker Werft Tamsen Maritim umgebaut worden.

Während der Kutter im Mittelmeer immer wieder den sicheren Hafen in Malta und damit die Basisstation ansteuerte, übten in Regensburg künftige Crewmitglieder am Wochenende auf der Donau, wie man Menschen rettet. Erfahrene Crewmitglieder, die bis zu 14 Tage auf der „Sea-Eye“ ihren Dienst getan haben, geben ihre Erfahrungen an die Kollegen weiter. Sie erklären beispielsweise, wie die Rettungsinsel an Bord aufgeblasen und eingesetzt wird. Diese sorgt vor allem für eine Entlastung der meist überfüllten Flüchtlingsboote. „Hunger, Durst, starke und direkte Sonneneinstrahlung von oben, eingepfercht auf einem Schlauchboot – das kann zu massiven sozialen Verwerfungen an Bord führen“, hat Michael Buschheuer, Initiator der „Sea-Eye“-Aktion, selbst erfahren. „Statt von einem Boot kann man auch von einem besseren Teppich sprechen, auf dem 123 Menschen kauern.“ Buschheuer musste miterleben, wie eine Rettungsaktion scheiterte: „Vergeblich haben wir Menschen gesucht, die absichtlich aus dem Boot geworfen wurden.“ Das komme öfter vor als man denke. Die Not auf den Schlauchbooten sei sehr groß. „Und kein einziges hat eine echte Chance, jemals Europa zu erreichen. Das ist aussichtslos“, sagt Buschheuer.

Aus genau diesem Grund entschloss sich der 39-jährige Regensburger Unternehmer und zweifache Familienvater im Herbst 2015, mit Freunden und Familie sowie mit Hilfe von Spendengeldern ein privates Rettungsschiff im Mittelmeer zu betreiben, das schiffbrüchige Flüchtlinge auf ihrer gefährlichen Fahrt nach Europa rettet.„Menschen ertrinken zu lassen bedeutet für mich menschliches Versagen und ist durch nichts zu rechtfertigen“, sagt Buschheuer.

Seit Anfang April ist der in Rostock umgebaute Fischkutter „Sea-Eye“ mit einer jeweils achtköpfigen Crew im Einsatz. Rund 70 Helfer aus ganz Deutschland wechseln sich als Crewbesatzung ab, opfern ihren Jahresurlaub, um anderen Menschen das Leben zu retten.

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