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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Oktober 2017 | 02:13 Uhr

Hunderte ehren Walter Kempowski

vom

svz.de von
erstellt am 29.Sep.2013 | 07:07 Uhr

Stadtmitte | Die Non-Stop-Lesung des "Echolots" von Schriftsteller Walter Kempowski war ein voller Erfolg. 250 Freiwillige haben eine Woche lang, Tag und Nacht und ohne Unterbrechung, aus dem vierbändigen und 2800 Seiten starken Werk vorgelesen.

Rund 1000 Zuhörer lauschten bis Sonnabendnachmittag ihren Worten. "Pastor Jeremias sagte, das ,Echolot’ sei ein Friedensangebot. Und genau so kann man das Werk auch verstehen", sagt Katrin Möller-Funk. "Beim Lautlesen ist mir wieder aufgefallen, wie gut diese vier Bände sind. Sie enthalten viele Botschaften, unter anderem, wie grausam Krieg funktioniert", so die Leiterin des Kempowski-Archivs.

Das "Echolot" ist eine Dokumentation der Wahrnehmung vom Alltag und historischen Ereignissen während des Zweiten Weltkriegs. Vor 20 Jahren erschien der erste Teil. Die Bände gelten als Collage einer riesigen Sammlung von Briefen, Tagebüchern, Bildern und anderen Aufzeichnungen. Sie zählen zu den bedeutendsten Hinterlassenschaften aus Kempowskis Gesamtwerk.

Die Dauerlesung ist ein Projekt innerhalb der diesjährigen Kempowski-Tage. "Das Feedback war insgesamt sehr rührend", so Möller-Funk. "Es sind Leute aus Braunschweig, München und Hamburg angereist. Ich wurde oft gefragt, ob wir so eine Lesung noch einmal veranstalten würden." Im nächsten Jahr sollen aber zunächst Kempowskis Familiengeschichten thematisiert werden. "Momentan sind Familienromane ein großes Thema in der Literatur. Aber für 2015 wäre eine Dauerlesung wieder eine Option." Walter Kempowski gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller für die deutsche Erinnerungskultur des 20. Jahrhunderts. In "Das Echolot" bildet er das Kriegsgeschehen von 1943 sowie den Widerstand der Gruppe Weiße Rose um die Geschwister Scholl ab. Die gesamte Buchreihe besteht aus vier Teilen und insgesamt zehn Einzelbänden. Dass sich so viele vor dem in Rostock geborenen Schriftsteller verneigt haben, freut Katrin Möller-Funk: "Viele Spontanentschlossene waren so begeistert, dass sie mitlesen wollten. Selbst eine Schulklasse aus Lübeck hat insgesamt drei Stunden aus einem Band vorgelesen." Auch bekannte Rostocker Persönlichkeiten wie Zoo-Chef Udo Nagel, Fotograf Reimer Wulf oder Mitglieder der Johnson-Gesellschaft waren mit dabei.

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