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Volkstheater Rostock : Hückler: "Ich muss wissen, wo es hingeht"

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erstellt am 09.Jul.2013 | 12:16 Uhr

Rostock | Jörg Hückler ist ein Rostock-Fan. "Ich liebe diese Stadt nach wie vor", sagt der gebürtige Stendaler. "Meine Freundin arbeitet am Volkstheater, unsere Kinder sind hier in tollen Kitas." Darum wird Hückler die Hansestadt auch nicht verlassen, auch wenn er jetzt als Schauspieldirektor des Volkstheaters seinen Hut nimmt. Erst mal will er keine neuen Projekte angehen, zur Ruhe kommen, sich eine Auszeit gönnen. Nicht nur die mitunter aufreibende Arbeit treibt ihn dazu, für eine Weile kürzer zu treten. Eine gerade überstandene Krebserkrankung macht die Entscheidung noch leichter. "Danach sieht man viele Dinge anders. Ich muss für mich erst mal herausfinden, was ich in Zukunft machen will."

Was er bisher gemacht hat, ist dem Publikum des Rostocker Schauspiels bestens bekannt. Von 2002 bis 2008 dauerte sozusagen die erste Rostocker Phase. Hückler begann als Dramaturg und Theaterpädagoge unter Schauspieldirektorin Johanna Schall, sich in Rostock einen Namen zu machen. Er betreute in dieser Zeit viele Inszenierungen und kümmerte sich um das junge bis jugendliche Publikum. Als Schall das Volkstheater verließ und ihr angedachter Nachfolger Alejandro Quintana dann doch an einem anderen Haus zusagte, sprang Hückler ein. Obwohl diese scheinbare Notlösung alles andere als eine war. Denn die Mitarbeiter sprachen sich konkret dafür aus, dass Hückler die Leitung der Abteilung Schauspiel interimsmäßig übernahm.

Schwerpunkt Kinder- und Jugendtheater

"Es war klar, dass es nur für ein Jahr sein würde, denn ich hatte meinen Vertrag in Dresden schon unterschrieben", erzählt Hückler. Für zwei Jahre ging er darum als Chefdramaturg und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit ans Theater Junge Generation in die sächsische Landeshauptstadt - bis schließlich doch das Rostocker Volkstheater wieder nach ihm rief. "Natürlich habe ich mich darüber gefreut, schon allein weil ich aus persönlichen Gründen wieder nach Rostock wollte." Also kehrte Hückler zurück - mit dem ausdrücklichen Auftrag, das Kinder- und Jugendtheater zu fördern und auszubauen. Und das hat er getan.

Neben dem traditionellen Weihnachtsmärchen und dem Stück aus dem Lehrplan der Schulen füllte er den Spielplan mit zahlreichen Inszenierungen für die jungen Theaterbesucher von den ganz kleinen bis hin zu den schon fast erwachsenen. "Als ich die Stelle antrat, gab es die Kooperation mit dem Mecklenburgischen Landestheater Parchim noch nicht", sagt Hückler. Später habe er sich mit dem Parchimer Intendanten darauf verständigt, dass der Kooperationspartner das Alterssegment sechs bis zwölf Jahre übernimmt und Rostock alle darunter und darüber. Dass seine Nachfolgerin Cornelia Crombholz nur wenige Stücke für das junge Publikum in der neuen Spielzeit plant, findet er bedauerlich. Aber sie müsse schließlich auch ihren eigenen Weg finden, räumt er ein.

Es gibt vieles, das sich Hückler anders wünschen würde für das Volkstheater: die Schließung des Theaters im Stadthafen, für das Hückler die Vision als ein autonomes Schauspielhaus hatte, das Arbeiten über dem Limit, mit dem die Kollegen seit Jahren leben, und der Umgang der Stadt und des Landes mit dem Theater. "Aber wegen all dieser Sachen schmeißt man nicht hin", sagt Hückler.

Wunsch nach einem künstlerischen Konzept

Was ihm am Volkstheater fehlt, ist das künstlerische Konzept, die Kommunikation. "Über Geschmack lässt sich natürlich streiten. Aber wenn der jede Woche ein anderer ist, wird es schwierig", betont Hückler. Soll es nun in Richtung Boulevard gehen? Oder doch lieber ein modernes Theater? "Mir ist es gleich, aber ich muss wissen, wo es hingeht", so der scheidende Schauspieldirektor. Hückler zählt auf: In den vergangenen fünf Jahren gab es drei Schauspieldirektoren, drei Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, zwei Generalmusikdirektoren, jetzt wieder eine neue Chefchoreografin und unzählige Dramaturgen. "Damit kann man nicht kontinuierlich etwas Gemeinsames entwickeln", betont Hückler. "Das macht es schwierig, eine Vision für das Volkstheater zu entwickeln." Darum wolle er das Feld nun jemand anderem überlassen, der mit neuer Energie an diese Aufgabe gehe. Das Volkstheater, so seine Prognose, hat den Endpunkt noch nicht erreicht: "Da stehen noch einige Abstriche bevor."

Rund 50 Premieren hat Hückler in den drei zurückliegenden Jahren mit dem Rostocker Schauspiel gefeiert. Das ist enorm. Dabei habe er festgestellt: "Das Publikum sehnt sich nach Stücken, die eine gesellschaftspolitische Diskussion eröffnen, die mit Anspruch unterhalten." Eine gute Mischung sei für ein Stadttheater ideal. Was die Zukunft bringt, weiß Hückler noch nicht. Vielleicht will er sogar ganz mit dem Theater brechen. Er hat Sonderpädagogik studiert. Aber das sei wirklich noch nicht entschieden: "Vor 14 Tagen hätte ich noch gesagt: Nie wieder Volkstheater. Aber das ist jeden Tag anders. Wer weiß."

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