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15. Dezember 2017 | 11:16 Uhr

Bettenboom in Rostock : Hotelbranche droht Preiskampf

vom

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erstellt am 07.Aug.2013 | 09:30 Uhr

Rostock | Bettenboom in Rostock: In der Hansestadt entstehen immer mehr Hotels und Herbergen. Das Sportforum hat gerade erst eröffnet, das Motel One am Schröderplatz soll bald folgen und auch in Warnemünde ist nach dem A-Ja-Resort eine neue Jugendherberge am Molenfeuer geplant. In der Summe sind das fast 1300 zusätzliche Betten, also innerhalb eines Jahres beinahe zehn Prozent Zuwachs bei den Übernachtungsmöglichkeiten. Der Haken: Schon jetzt beträgt die Jahresauslastung der aktuell 108 Gastgewerbe-Häuser im Schnitt nur 50 Prozent. Das geht aus dem Zahlenspiegel 2013 des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) hervor.

Kritik an den Großprojekten kommt vom Tourismusverein Rostock und Warnemünde. "Das Ende der Fahnenstange ist erreicht", sagt der Vorsitzende Frank Martens. "Wenn große Ketten dazukommen, geht das immer zu Lasten der Kleinen." Eine Verträglichkeitsstudie habe schon vor Jahren aufgezeigt, dass der Bedarf mit der Öffnung des A-Ja-Resorts und des Ostseeferienzentrums in Markgrafenheide gedeckt sei. "Und da war vom Sportforum und dem 350-Betten-Hostel, das in Warnemünde rumgeistert, noch gar nicht die Rede", so Martens. Er rechnet mit Einbußen für alle, zumal die Auslastung in der Nebensaison noch immer relativ dürftig sei. Es fehle einfach an alternativen Angeboten zu Strand und Sonne.

Auch Jürgen Schulz vom Rostocker Dehoga-Büro sieht die Entwicklung in der Hansestadt zwiespältig: "Kaufmännisch betrachtet bekomme ich bei den vielen Neubauten Stirnrunzeln." Dafür gebe es zu viele warnende Beispiele. In Berlin etwa seien große Hotelketten auf den Markt gedrängt und hätten einen regelrechten Preiskampf ausgelöst. "Wir können nur darauf hinwirken, es mit Neubauten vorsichtig anzugehen, aber letztendlich entscheidet die Stadt", sagt Schulz. Sie könnte beispielsweise über Festlegungen in den Bebauungsplänen eingreifen.

"Vor einem Preiskampf kann man nur warnen, das wäre ungesund", sagt auch Tobias Woitendorf vom Landestourismusverband. Nach dem Preis gerate meist auch die Qualität ins Rutschen - und das hätte fatale Folgen, so Woitendorf. Unter anderem könnte sich das langfristig auf die Zahl und Zusammensetzung der Touristen sowie die Bezahlung der Angestellten und das Ausbildungsniveau auswirken. "Tourismuswirtschaft muss sich für Unternehmer und Angestellte lohnen", sagt Woitendorf. Allerdings sieht er in Rostock auch Nachholbedarf: "Die Stadt ist jahrelang nicht nur beim Ausbau der Kapazitäten hinter anderen Regionen wie Rügen oder Usedom zurückgeblieben, sondern auch beim Wachstum in den Bereichen Übernachtungen und Neuankünfte." Das habe sich zuletzt aber komplett ins Gegenteil verkehrt. Jetzt sei die Hansestadt die einzige verbliebene Triebkraft im Land. "Insgesamt gilt für MV: So eine Dynamik wie in Rostock gibt es sonst überhaupt nicht mehr." Das liege auch an der hohen Attraktivität, die sich durch die Kombination aus Großstadt, Seebad und Rostocker Heide ergebe.

Die neuen Hotels hätten sich zudem ihre Nischen gesucht, so Beate Hlawa von der Tourismuszentrale Rostock und Warnemünde. Sie sagt: "Die einzelnen Beherberger am Standort bedienen unterschiedliche Zielgruppen und Bedürfnisse." So spreche beispielsweise das Sportforum die wachsende Gruppe der Menschen an, die barrierefrei reisen wollten. Ein kontrollierter Ausbau der Kapazitäten sei in bestimmten Segmenten sogar notwendig, um Rostock als Reiseziel interessant zu halten. Wachstumspotenzial sieht Hlawa zum Beispiel im Bereich Tagungen und Kongresse.

"Die neuen Hotels kommen alle nicht konzeptionslos auf den Markt", sagt auch Woitendorf. Der Tourismusmarkt sei im Wesentlichen aber gesättigt, sodass in den kommenden Jahren kaum noch mit größeren Neueröffnungen zu rechnen sei. Er sieht zudem drängendere Probleme, beispielsweise in der zunehmenden Wohnungsnot. "Da zu investieren, wäre jetzt sicherlich sinnvoller", sagt er.

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