Rostock : Honig mitten aus der Stadt

Die vollen Waben in den speziell gefertigten Rähmchen entdeckelt Imker Rüdiger Vick. In der Schleuder geben sie den Honig frei und werden anschließend wieder in den Bienenstock gesetzt.
1 von 2
Die vollen Waben in den speziell gefertigten Rähmchen entdeckelt Imker Rüdiger Vick. In der Schleuder geben sie den Honig frei und werden anschließend wieder in den Bienenstock gesetzt.

Verband der Gartenfreunde zeigt im Informationsgarten, wie naturnahes und bienenfreundliches Gärtnern gelingt.

Katrin Zimmer von
09. Juni 2018, 16:00 Uhr

Summ, summ, summ: Dass auch in der Großstadt naturnah und bienenfreundlich gegärtnert werden kann, zeigt der Verband der Gartenfreunde in seinem Informationsgarten in der Viergewerkerstraße. Inmitten von Häuserblöcken befindet sich die Anlage, in der Kinder anschaulich lernen können, warum Bienen so nützlich sind und wo der Honig herkommt.

Herr der drei Völker der Anlage ist Rüdiger Vick. Der passionierte Imker steckt mitten in der Ernte der Frühtracht, denn die Waben sind durch den milden Winter und die Hitze der vergangenen Wochen bereits früher voll als in den Vorjahren. „Wir haben eine sehr gute Ernte, aber wenn es nicht bald regnet, können wir die Sommertracht vergessen“, sagt Vick. Seine Immen der Rasse Carnica nutzen die vielfältigen Kulturen aus den Kleingärten, fliegen aber auch gezielt in den Lindenpark, weiß der Bienenzüchter, während er die Wachswaben entdeckelt. Danach steckt er sie in die Schleuder, in der sie sich wenige Sekunden drehen, bevor sie gewendet werden – „sonst würden die Waben zerbrechen“, sagt Vick. Zwei Mal im Jahr erntet und schleudert er den Honig, ein gutes Volk schafft zirka 100 Gläser pro Jahr, so der Imker.

Der Bienen-Informationsgarten in der KTV wurde vor einem Jahr eröffnet. Er ist ein Modellprojekt und soll Rostocker Pächter sensibilisieren, ihre Anlagen bienen- und insektenfreundlich zu machen, erklärt Verbandschef Christian Seifert. „Die Leute müssen verstehen, dass Bienen nützlich sind und nicht wie Wespen an den Kuchen gehen“, sagt er. Immerhin: In den vergangenen zwei Jahren sind in den Anlagen 30 neue Standorte für Bienenvölker hinzugekommen. „Viele Gärtner setzen sich aktiv ein, Imker in ihre Anlagen zu bekommen. Deren Bienen können fleißig sammeln und bestäuben die Nutzpflanzen der Pächter. Es ist ein Geben und Nehmen“, bilanziert der Gartenchef.

Wie das Leben der Bienen und das Ökosystem Garten funktionieren, können auch Schulklassen in den Schauparzellen lernen. Auf Anfrage erklärt Gärtner Jörg Sedl, welche Kulturen wo wachsen, wie sie gepflegt werden und dass für eine reiche Ernte keine giftigen Düngemittel nötig sind. „Stadthonig ist pestizidfreier als Landhonig“, weiß Eckard Heinemann, Mitgeschäftsführer von Grönfingers. Der Gartenfachmarkt unterstützt das Projekt seit Jahren.

Doch die Nachfrage vonseiten der Schulen laufe schleppend, so Seifert. Sein nächstes großes Ziel sei deshalb, Schulgarten als Fach wieder zu etablieren. „Wir wollen einen Bildungsauftrag erfüllen. Wir haben die Gärten dazu, aber um die Zusammenarbeit mit den Schulen zu stärken, muss die Politik eine Entscheidung treffen“, sagt der Verbandschef.

Kontakt zum Verband der Gartenfreunde: Telefon: 0381/200 33 00, E-Mail: info@gartenfreunde-hro.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen