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Versteigert : Honecker-Jagdsitz in holländischer Hand

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Die holländische Van der Valk-Hotelgruppe wird Eigentümer von Erich Honeckers früherem Jagdsitz am Drewitzer See. Die Entscheidungen sind noch nicht rechtskräftig, ein Gläubiger klagt dagegen.

Waren | Die holländische Van der Valk-Hotelgruppe wird voraussichtlich Eigentümer von Erich Honeckers früherem Jagdsitz am Drewitzer See bei Nossentiner Hütte (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Das Amtsgericht in Waren (Müritz) sprach der Hotelkette gestern auch die zweite Hälfte des Grundstücks zu, das am 21. November in zwei Teilen zwangsversteigert worden war.

Die erste Hälfte der einstigen Nobel-Immobilie - auf der auch das Jagdhaus des Ex-DDR-Staatschefs steht - war den Niederländern vor zwei Wochen vom Gericht zuerkannt worden. Die Entscheidungen sind noch nicht rechtskräftig, ein Gläubiger klagt dagegen. "Wenn sich das Landgericht damit noch befassen muss, dauert das mindestens bis Februar 2012", sagte Amtsgerichtsdirektor Matthias Brandt.

Das Jagdgrundstück an dem versteckt gelegenen See hatte Stasi-Chef Erich Mielke für Honecker in den 80er Jahren aufwendig ausbauen lassen. Das Objekt mit einem hohen Symbolwert für den Osten Deutschlands war 1989 von aufgebrachten Bürgern gestürmt worden. 1998 hatte ein Bremer Geschäftsmann den Jagdsitz erworben, mit mehr als 30 Ferienhäusern bebaut und eine "Jagd- und Naturparkresidenz" betrieben. Er war aber pleitegegangen, seit 2010 betreibt die Van der Valk-Gruppe die Ferienanlage.

Die beiden Hauptgläubiger des Bremers, eine Bank und die Hotelgruppe, verlangten zuletzt die Zwangsversteigerung. Weil der insolvente Kaufmann die Nobel-Immobilie in unterschiedlicher Weise finanziell belastet hatte, wurde die Anlage in zwei fast gleich großen Teilen versteigert. Dabei bot Hotelbetreiber Vincent van der Valk am meisten: 2,5 Millionen Euro nach einem Bietergefecht für den ersten Teil mit der "Jagdhütte Honeckers", 900 000 Euro für den zweiten Teil als einziger Bieter. Damit lag er insgesamt knapp beim geschätzten Verkehrswert. "Viel höher wären wir auch nicht gegangen", sagte van der Valk nach der ersten Versteigerung. Er wolle investieren und deshalb Rechtssicherheit.

Einen Strich durch die Rechnung könnte dem Gericht und dem Holländer jetzt nur noch ein Unternehmer aus der Baustoffbranche aus Neubrandenburg machen. Er hatte dem Bremer Kaufmann rund 500 000 Euro für die Errichtung eines Grandhotels in Waren gegeben, das aber - wie andere Vorhaben - nie gebaut wurde. Der Anwalt des Neubrandenburgers bemängelte schon im Vorfeld, dass die Immobilie nicht in einem Stück versteigert wurde, da sie dann einen höheren Preis erzielt hätte. So hätte sein Mandant eine größere Chance gehabt, wieder an sein Geld zu kommen. Außerdem machte der Anwalt auch Verfahrensfehler bei der Auktion geltend. Diese sieht das Amtsgericht jedoch nicht. "Solche Streits sind aber häufiger bei solchen Zwangsauktionen", sagte Brandt.

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erstellt am 13.Dez.2011 | 10:01 Uhr

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