Streitthema : Holzhalbinsel verkommt nachts

Ein gewohntes Bild auf der Holzhalbinsel: Müll auf den Treppenstufen.
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Ein gewohntes Bild auf der Holzhalbinsel: Müll auf den Treppenstufen.

Anwohner leiden unter Randalierern. Senator will Lösung erwirken.

svz.de von
22. November 2014, 16:00 Uhr

Die Holzhalbinsel und ihre Bebauung, das Karavelle Quartier, sollten das neue, vorbildliche Tor zur Stadt sein. Stattdessen stehen die Anwohner rund um Logger- und Gaffelschonerweg einer allwochenendlichen Randale gegenüber. Die zu Hilfe gerufene Polizei vertreibt die Jugendlichen nur kurzfristig. Ein Verwaltungsbeirat des Anwohnerzusammenschlusses fordert nun ein Eingreifen der Stadt, die sich bislang zurückhielt. Die ersten Anwohner denken darüber nach, ihre erst vor einigen Jahren als dauerhaftes Heim gekauften Wohnungen wieder zu veräußern.

Im Verwaltungsbeirat sind die Anwohner Uwe Einecke, Monika Zimmermann und Dr. Lorenz Belusa als Vorsitzender. „Wir vertreten die Interessen von rund 80 Anwohnern“, so Belusa. Und die haben alle das gleiche Problem: Aus Grillfeiern machen die oft minderjährigen Gäste der nahen Kaikante offene Feuer, aus einem kleinen Treffen einen Auflauf von 200 Leuten. Mitunter verabreden sie sich dazu über Facebook, sagt Belusa. „Und man merkt, wenn sie mit steigendem Alkoholpegel aggressiv werden“, ergänzt seine Frau. Der Krankenwagen fährt häufiger vor. Die Verschmutzung der Warnow, durch die Luft fliegende Flaschen, zerstörte Bushaltestellen und Toilettenhäuser in der Nähe seien leider keine Überraschung mehr. Jugendliche, die an Hauswände sprayen, urinieren und Schlimmeres bestimmen das Bild am Wochenende.

Dann haben die Anwohner die Polizei schon oft dazu gerufen, doch die rücke nicht immer sofort aus, so Belusa, und so geht das nächtliche Spektakel unbeirrt weiter. Vor einem Jahr hatte der Hausverwalter von Lutter Immobilien sich an den Oberbürgermeister gewandt. Die Antwort blieb vage, die Stadt würde sich damit befassen. „Bis heute ist nichts passiert“, sagt Belusa. Die Anwohner wurden selbst tätig. Ein privater Wachdienst hält die Jugendlichen zumindest vom privaten Grund fern. Ein Hausmeister, dessen Gehalt sich die Anwohner ebenfalls teilen, beseitigt den Dreck auf dem eigenen Gelände. Auf Kaikante, Treppen und Grund der Wiro räumt ein städtisches Unternehmen – jedes Wochenende. Die Kosten würden die Anwohner lieber in einem Konzept zur Vermeidung statt in die bloße Beseitigung investiert sehen.

In dieser Woche suchten neun der 80 Anwohner Hilfe im Ortsbeirat. „Wir direkt können da nichts machen“, räumte Vorsitzender Werner Simowitsch (Linke) ein – nur als Vermittler dienen. Es müsse ein Gesamtkonzept her, schon allein, weil auch der übrige Stadthafen betroffen ist, so Simowitsch. Für den wünscht sich Ordnungssenator Chris Müller (SPD) den Spagat zwischen Ordnung und Erlebnismeile. Er will mit Ortsbeirat, Polizei und Anwohnern sprechen. „Wir sollten das ernst nehmen und eine verträgliche Lösung finden“, so Müller.

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