Landgericht Rostock : Hohe Strafen für Räubertrio

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Die Angeklagten hatten am 27. Juli 2015 wie üblich mit Nichtstun, Alkohol und Amphetamin-Pillen verbracht, doch dann kamen sie auf eine Idee

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30. März 2016, 06:30 Uhr

Das Landgericht Rostock verurteilte gestern Yvonne M. (34) zu viereinhalb Jahren Haft, Benjamin W. (26) muss für fünf Jahre und zehn Monate ins Gefängnis und für den Hauptangeklagten Felix W. (28) fiel die Strafe mit sieben Jahren noch höher aus als von der Rostocker Staatsanwaltschaft beantragt. Alle drei haben sich des besonders schweren Raubes strafbar gemacht. Bei Yvonne M. und Felix W. kommen gefährliche Körperverletzung, Computerbetrug und Freiheitsberaubung hinzu. Die Angeklagten müssen ein Schmerzensgeld von insgesamt 4500 Euro zahlen. Für Felix W. wurde die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Die Angeklagten hatten den 27. Juli 2015 wie üblich mit Nichtstun, Alkohol und Amphetamin-Pillen verbracht. Guido S. (38), ein guter Bekannter der jungen Frau, traf das Trio am Hauptbahnhof. Er hatte der zweifachen Mutter schon öfter aus einer finanziellen Notlage geholfen. Sie bat ihn erneut um 50 Euro und er sagte zu. Sie sollte sich am Abend das Geld in seiner Wohnung in der Bertolt-Brecht-Straße in Evershagen abholen. Dieses Angebot ließen sich Yvonne M. und ihre neuen Freunde nicht zweimal sagen. Guido S. hatte erst kürzlich eine große Erbschaft gemacht. Von einer sechsstelligen Summe wusste die 34-Jährige. „Eigentlich müsste man ihm alles wegnehmen“, sagte sie zu ihren Kumpanen.

Guido S., der über die Video-Anlage sehen konnte, dass mehrere Personen vor seiner Tür standen, wollte nur Yvonne M. reinlassen. So blieben die Mitangeklagten am Fahrstuhl stehen, während die junge Frau hinein ging. Sie lenkte Guido S. ab und öffnete die Tür für Felix W. und Benjamin W. Die beiden Männer schlugen sofort auf ihr Opfer ein, wobei Benjamin W. Kampfhandschuhe trug und Felix W. ein Schlagmesser einsetzte, mit dem er Guido S. Verletzungen im Gesicht zufügte. Yvonne M. durchsuchte auf Geheiß von Felix W. die Wohnung, nahm ein Handy und eine EC-Karte an sich. Das Opfer wurde gezwungen, die PIN für die Karte herauszugeben. Guido S. musste auf allen Vieren ins Bad kriechen, das Yvonne M. hinter ihm abschloss. Noch in derselben Nacht hob sie 430 Euro vom Konto des Geschädigten ab. Das Geld teilten sie unter sich auf. Anschließend kauften sie Alkohol und reinigten ihre Kleidung.

Als Zeuge hatte Guido S. wesentlich zur Aufklärung des Falles beigetragen. Er zeigte dem Gericht die große Narbe, die von der Stirn bis zum rechten Ohr reicht, und ihn für immer an den Tag des Überfalls erinnern wird.

Trotz des Alkoholkonsums am Tattag wies das Gericht eine eingeschränkte oder aufgehobene Steuerungsfähigkeit der Angeklagten zurück. Positiv für Yvonne M. und Felix W. wurde gewertet, dass sie schon frühzeitig Geständnisse ablegten. Ihr brutales Vorgehen sowie die Tatsache, dass sie das stark blutende Opfer sich selbst überließen, fiel strafverschärfend aus. Guido S. gelang es, über den Lüftungsschacht im Bad Nachbarn herbeizurufen, die dann die Polizei informierten und ihn befreiten. Benjamin W. hatte alle Tatvorwürfe bestritten, er wurde jedoch vor allem von seinen Mitangeklagten belastet. „Das Urteil für meinen Mandanten ist zu hoch“, sagte Rechtsanwalt Thomas Weiß, der Felix W. vertritt. „Wir gehen in Revision.“

Ise Alm











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