Warnemünde : Hoffnung für die Bahnhofsbrücke

Fußgänger können die Warnemünder Bahnhofsbrücke nutzen, sie lässt sich lediglich nicht drehen. Das soll sich nun ändern.
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Fußgänger können die Warnemünder Bahnhofsbrücke nutzen, sie lässt sich lediglich nicht drehen. Das soll sich nun ändern.

Mittel zur Erneuerung des Drehkranzes sind im Haushalt eingestellt. Die Angebotsphase läuft. Umsetzung soll zwischen April und Juni erfolgen

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18. Februar 2014, 05:00 Uhr

Ein Punkt steht bei vielen Warnemündern weit oben auf der Wunschliste: Sie möchten, dass die Tradition des Drehens der Bahnhofsbrücke am Alten Strom wiederbelebt wird. Auch dem Warnemünde-Verein liegt das sehr am Herzen, erzählten kürzlich Vereins-Vize Hans-Joachim Richert und Büroleiterin Ingeborg Regenthal. Seit inzwischen drei Jahren musste diese Tradition zum Stromerwachen und zum Abschluss der Saison ausfallen, weil die Funktion der Brücke defekt ist. Im Jahr 2011 sind beim Probedrehen die Lagerwelle und drei Zapfen von einem der vier Segmente des Drehkranzes gebrochen. Ungünstig war es weiterhin, dass verschiedene Materialien verwendet wurden. Die Antriebswelle ist aus elastischem Stahl gewesen, die anderen Teile bestehen aus Guss. Seitdem tüfteln Heiko Tiburtius, Leiter des Tief- und Hafenbauamts, mit Experten an einer Lösung, um die Warnemünder Bahnhofsbrücke dauerhaft wieder drehbar zu machen.

Dafür mussten nicht nur Varianten und Wege gefunden werden, sondern es war auch nicht einfach, dafür finanzielle Mittel im Haushalt 2013 einzustellen. „In der Zwischenzeit steht jetzt die Finanzierung für die Erneuerung“, sagt Heiko Tiburtius erleichtert. Über die Höhe der Summe darf derzeit noch nicht öffentlich geredet werden, da momentan die Angebotsphase für den gesamten Leistungsumfang läuft.

„Auf alle Fälle hat der Planer vorgeschlagen, die Krafteinwirkung ein wenig anders als bisher zu lösen, das passiert in dem Zusammenhang“, erklärt Heiko Tiburtius. Defekt sind Drehmechanik und Drehkranz einschließlich der Teile, auf die die Kraft von außen wirkt.

Zeitlich sieht es so aus, dass Anfang April die Brücke angehoben werden soll. „Dafür wird ein Ponton darunter gefahren, der die Brücke anhebt, um die defekten Teile auszubauen, denn sie sollen im Anschluss in einer Spezialanfertigung nachgebaut werden“, erklärt Heiko Tiburtius. Zu der Aktion wird voraussichtlich auch Harry Saß von der Rostocker Firma Metallbau Saß GmbH eingeladen, der seit 1998 im Auftrag der Hansestadt diese Brücke gehegt und gepflegt hat.

Der heute 77-Jährige war für dieses technische Denkmal so eine Art Brücken-Doc. Es kann sein, dass die Wartung nach der Reparatur in andere Hände übergehen muss. „Das hängt aber lediglich mit den Gewährleistungsbedingungen zusammen“, erklärt Heiko Tiburtius, der die Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Rostocker Schlosser sehr schätzt.

Die gesamte Ausführung wird sich von Anfang April bis Ende Juni hinziehen. „Als Zielstellung zur Fertigstellung haben wir die Warnemünder Woche angepeilt“, sagt der Amtsleiter. „Dann ist die Brücke praktisch wieder drehbar, sodass wir davon ausgehen, irgendwann in diesem Sommer eine Art Dreh-Event, vielleicht auch im Zusammenhang mit dem technischen Probedrehen, zu veranstalten“, sagt Heiko Tiburtius. Dafür muss allerdings noch ein Termin mit der Tourismuszentrale Warnemünde abgestimmt werden.


Die zweitälteste drehbare Brücke


Die Bahnhofsbrücke ist 1903 in Betrieb genommen worden. Sie ist bis 1940 drehbar gewesen, danach war sie das wegen Schäden am Lager nicht mehr. 1991 ist sie komplett rekonstruiert worden. Im Jahr 2000 wurde sie bei einem Unfall von einem Fahrgastschiff gerammt. Dabei ist der Königszapfen gebrochen, das ist das Herzstück dieser Technik. Von 2004 bis 2005 bekam die Brücke ein neues Stahlgussteil, seitdem war sie vorübergehend wieder drehbar. Die Warnemünder Brücke ist 30 Meter lang und 80 Tonnen schwer. Sie ist in Deutschland die zweitälteste drehbare Brücke und ist als technisches Denkmal eingestuft.

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