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Norddeutsche Neueste Nachrichten

12. Dezember 2017 | 15:17 Uhr

Rostock : Höhenretter wird selbst zum Opfer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

52-Jähriger stürzt acht Meter tief, als sich ein Kollege in seinen Seilen verhakt. Stadt will Arbeitsschutz bei Übungen verbessern.

svz.de von
erstellt am 25.Sep.2014 | 10:30 Uhr

Es war eine schlichte Übung, wie der erfahrene Feuerwehrmann sie schon unzählige Male absolviert hat. Doch dieses Mal endete sie für ihn tragisch. Am frühen Dienstagnachmittag war der speziell ausgebildete Höhenretter vom Schlauchturm bei der Feuerwache Südstadt gestürzt – aus 8,35 Metern Höhe.

Einmal im Monat macht die Höhenrettung der Feuerwehr so eine Übung, erklärt der Chef der Leitstelle, Stefan Kieckhöfer. Vier Männer, ein 40-, ein 53-, ein 43-Jähriger und der 52-Jährige, probten zusammen das Auf- und Absteigen, sagt Isabel Wenzel, Sprecherin des Polizeipräsidiums. Der 52-Jährige stieg von unten auf, befestigt an einem Sicherheits- und einem Kletterseil. Beide waren, geführt durch ein Fenster, im zweiten Obergeschoss festgeknotet. Der Feuerwehrmann hatte es fast erreicht. Drinnen wollten seine drei Kollegen über eine Treppe im Haus nach oben gelangen. „Dafür mussten sie die Seile auf Hüfthöhe übersteigen“, sagt Wenzel. Dann das Unglück: An seiner Koppel, seinem Gürtel, trug der 43-Jährige ein 20 Zentimeter langes Gurtmesser, eine kleine Klinge eingefasst in einen sich verengenden Plastikmantel. Beim Übersteigen verfingen sich darin die beiden dynamischen Seile. Sie gingen mit einem glatten Schnitt entzwei. Der 52-Jährige stürzte aus dem zweiten Stock auf den Boden – um 14.27 Uhr. Rettungswagen und Notarzt rückten innerhalb weniger Minuten an. Der Mann überlebte schwer verletzt und kam ins Uniklinikum. Um 14.41 Uhr rückte die Polizei an, sicherte Spuren, sprach mit Zeugen. „Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt von einer fahrlässigen Handlung aus“, sagt Wenzel – von einem Unfall. Die Ermittlung wegen fahrlässiger Körperverletzung läuft.

Die Fragen, die sich die Polizei stellt, stellt sich auch der zuständige Senator Chris Müller (SPD): Darf so ein Messer bei einer Übung offen am Gurt getragen werden, wurde es so getragen, dürfen die Seile überstiegen werden? Die Dekra und der Arbeitsschutz des Landesamtes für Gesundheit und Soziales waren auch vor Ort, um das und die Umstände zu klären. „Für solche Übungen gibt es Regelungsbedarf“, sagt Müller. Die Sicherheit müsse an erster Stelle kommen. „Dienstanweisungen und neue Vorschriften müssen folgen“, sagt Kieckhöfer.

Dennoch ist das Unglück ein Einzelfall: „In dieser Form ist so was noch nie passiert“, weiß Jürgen Kalweit von der Präventionsabteilung der Feuerwehrunfallkasse für MV, Hamburg und Schleswig-Holstein. Die Sicherheitsstufe der Höhenretter sei sehr hoch. Nicht jede Kommune habe so eine Truppe und nicht jeder Feuerwehrmann könne Höhenretter werden. Der 52-Jährige sei der erfahrenste seines Teams. Ihm gehe es den Umständen entsprechend gut, sagt Müller. Seine Ehefrau wurde gleich nach dem Unfall von der Feuerwehr zu ihm in die Klinik gebracht. Er ist ansprechbar, hat aber noch keine Aussage gemacht. Müller: „Die drei anderen Beamten haben wir außer Dienst genommen und betreuen lassen“ – psychologisch.

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