Rostock : Historische Seekarten im Blick

Die BSH-Bibliothekarin Antje Schröder mit der ältesten Seekarte im Archiv, herausgegeben 1825.
Die BSH-Bibliothekarin Antje Schröder mit der ältesten Seekarte im Archiv, herausgegeben 1825.

In der Rostocker BSH-Bibliothek sind Leitfäden für Seefahrer seit der Reichsgründung archiviert. Einblicke sind am Tag der offenen Tür möglich.

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26. August 2015, 12:00 Uhr

Wenn am 12. September das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) in Rostock zum Tag der offenen Tür lädt, sind auch Einblicke in die Bibliothek des Hauses an der Neptunallee möglich. Besondere Kostbarkeit sei das historische Seekartenarchiv mit allen verfügbaren staatlichen Beständen seit der Reichsgründung, sagt BSH-Vizepräsident Dr. Mathias Jonas.

Die Rostocker BSH-Bibliothekarin Antje Schröder und Martina Plettendorf, Leiterin der BSH-Bibliothek in Hamburg, zeigen uns Ausschnitte dieser maritimen Dokumentensammlung – von der ältesten, 1825 herausgegebenen Darstellung der Mündungsgebiete von Elbe und Weser, bis zu den gerade herausgegeben en Karten, die die Hafeneinfahrten nach Rostock und Travemünde darstellen.

Über 1000 verschiedene Karten sind in dieser Zeit entstanden. Seekarten existieren in ihrer heutigen Form seit Ende des 18. Jahrhunderts. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts verdrängte die Seekarte – bis dahin nur ein ergänzendes Hilfsmittel – die Segelanweisung als wichtigsten Teil der Navigationsausrüstung eines Schiffes. Unter dem außenpolitischen Blickwinkel früherer Jahre gab es das Streben nach einer weltweiten Abdeckung mit deutschen Seekarten, inzwischen ist ihr Umfang auf die heimischen Küstengewässer beschränkt.

Die Recherche im Archiv von mehr als 50 000 Karten, zu dem auch die kompletten Kataloge und Indexkarten gehören, ist inzwischen online möglich. Seebücher und nautische Veröffentlichungen mit Berichtigungen zu Untiefen und Unterwasserhindernissen komplettieren den Service für die Schifffahrt.

Die ersten amtlichen Seehandbücher für die Nord- und Ostsee entstanden 1878 und haben ihren Ursprung in der Deutschen Seewarte und dem Deutschen Hydrografischen Institut, aus dem die heutige Bundesbehörde als amtlicher Dienstleister für die Schifffahrt entstand.

In der DDR erfüllte seit 1950 bis zur Wiedervereinigung der Seehydrografische Dienst (SHD) diese Aufgabe und etliche historische Karten und Bücher legen auch davon im Rostocker Archiv Zeugnis ab.

Mit dem BSH-Neubau in der Rostocker Neptunallee wurde das Seekartenarchiv in den Jahren 2003 und 2004 von Hamburg nach Rostock verlagert, wo sich bessere Bedingungen für die Archivierung boten. In Rostock wird das Archiv von Antje Schröder betreut, die vor einem Jahr das Amt von Sabine Hartleib übernahm. Zu ihren Aufgaben gehören neben der Verwaltung der Bücher und Karten auch damit verbundene Dienstleistungen, insbesondere für wissenschaftliche Arbeiten, aber auch für die maritim interessierte Öffentlichkeit, wie sie betont.

Die gebürtige Rostockerin Antje Schröder schnupperte schon als Schülerin Bibliotheksluft im Institut für Ostseeforschung Warnemünde. Dennoch studierte sie zunächst Sozialpädagogik in Bremen und ging danach für ein Jahr – so war es geplant - nach England. Doch daraus wurden zwölf. In dieser Zeit studierte sie am University College in London Bibliothekswesen, fand als Bibliothekarin von der Kunst bis zur Wirtschaft ihre Tätigkeitsfelder, ehe ihr Weg sie nach Rostock zurückführte.

Während aktuelle Seekarten an Bord eines Schiffes oder Bootes – gedruckt oder inzwischen verstärkt digital – zur notwendigen Ausstattung gehören sollten, dürften die ältesten Veröffentlichungen besonders bei historisch Interessierten großes Augenmerk finden.

Orientierungshilfe für die Seefahrer geben hier auch so genannte Vertonungen – Darstellungen markanter Punkte der Silhouette einer Küste, die in Detailansichten gesondert veranschaulicht werden. Das wird auch auf den ältesten Seekarten der Mecklenburger Bucht deutlich, wo unter anderem Kirchtürme aus Wismar und Ribnitz sowie der Warnemünder Leuchtturm die Küstenansicht veranschaulichen. Solch detaillierte Darstellungen werden heute für die Navigation nicht mehr benötigt. Dafür gibt der historische Vergleich von verschiedenen Kartendarstellungen eines bestimmten Gebietes Aufschlüsse über langfristige Veränderungen der Gestalt des Meeresbodens und damit Hinweise auf den Einfluss von Eindeichungen und Fahrrinnenanpassungen durch Ausbaggerungen.

Am Tag der offenen Tür des BSH Rostock wird anlässlich des 25-jährigen Bestehens ohnehin nicht nur der Blick auf historische Dinge gerichtet sein. Das Vermessungs-, Wracksuch- und Forschungsschiff „Deneb“ wird zu besichtigen sein, Vermessungen werden demonstriert, Aufgaben des Eis- und Sturmflutwarndienstes veranschaulicht, und Hamburger Mitarbeiter geben Auskunft über die Genehmigungsverfahren für Windparks auf See sowie die maritime Klimaforschung. „Wir werden zeigen, dass wir eine lebendige Behörde sind“, so Dr. Jonas.

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