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Erstes Schild im Seegebiet vor Warnemünde installiert : Hinweistafeln auf dem Meeresgrund

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Mit einer ungewöhnlichen Aufklärungskampagne wollen Unterwasserarchäologen aus Mecklenburg-Vorpommern die Plünderung und Zerstörung historisch wertvoller Schiffswracks in der Ostsee stoppen.

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erstellt am 16.Okt.2012 | 12:35 Uhr

Rostock | Mit einer ungewöhnlichen Aufklärungskampagne wollen Unterwasserarchäologen aus Mecklenburg-Vorpommern die Plünderung und Zerstörung historisch wertvoller Schiffswracks in der Ostsee stoppen. Dazu werden in den kommenden Monaten unmittelbar neben den Funden spezielle Hinweisschilder am Meeresgrund verankert, wie die Gesellschaft für Schiffsarchäologie am Montag in Rostock mitteilte. Sie sollen Hobbytaucher über den Fund informieren und vor Beschädigungen warnen.

Eine erste Tafel haben Forschungstaucher vor wenigen Tagen im Seegebiet vor Warnemünde installiert. In neun Metern Tiefe verankerten sie im Meeresboden unmittelbar neben einem besonders gefährdeten Schlepperwrack ein Plastikschild mit Daten zum Schiff und seiner Geschichte. Der etwa 100 Jahre alte Schlepper war vermutlich im oder kurz nach dem Zweiten Weltkrieg gesunken und erst vor drei Jahren von Sonar-Scannern geortet worden. Seitdem hatten Schatztaucher und Souvenirjäger das Wrack geplündert und sein Vorschiff zerstört.

Auf den seewassertauglichen Tafeln werden die Schiffe mit Grundrisszeichnungen vorgestellt und als archäologisches Denkmal ausgewiesen. Zudem sollen Kurztexte über das Schicksal der Wracks informieren. "Wir hoffen, damit die Taucher über die Bedeutung dieser Funde sensibilisieren und von etwaigen Eingriffen abhalten zu können", sagte Martin Siegel, Vorsitzender der Gesellschaft für Schiffsarchäologie.

Beratungsresistente Plünderer werde man wohl nur mit dem Strafrecht beikommen, räumte er ein. Allen anderen Tauchern könne aber über die Schilder vermittelt werden, dass sie sich an wertvollen und fragilen Objekten aufhalten und sich entsprechend unter Wasser verhalten müssen. Geplant seien außerdem auch Lehrgänge und Workshops zur angemessenen Erkundung geschützter Unterwasserfunde.

Vor Mecklenburg-Vorpommerns Küste liegen mindestens 1500 Wracks auf dem Meeresgrund. Nur etwa 350 von ihnen sind inzwischen von Forschungstauchern wissenschaftlich untersucht und vermessen worden.

Nach Angaben des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern haben in den vergangenen Jahren Beschädigungen durch Souvenirjäger drastisch zugenommen.

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