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19. November 2017 | 21:04 Uhr

Hindenburg bald Ex-Ehrenbüger?

vom

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erstellt am 26.Apr.2013 | 07:21 Uhr

Rostock | Paul von Hindenburg droht die Aberkennung seiner Rostocker Ehrenbürgerschaft: Einen entsprechenden Antrag hat die Linksfraktion jetzt in der Bürgerschaft eingereicht. Hindenburg habe "aktiv an der autoritären Verformung der Weimarer Verfassungsordnung mitgewirkt und schließlich auf deren Auflösung hingearbeitet", heißt es darin. Die zweifelhaften Motive für die Auszeichnung würden auch an deren Zeitpunkt deutlich. Der Reichspräsident hatte sie am 27. April 1933 gemeinsam mit dem von ihm ernannten Kanzler Adolf Hitler erhalten. "Historiker werten diese Ehrung als Dankbarkeitsgeste", so die Linksfraktion.

Vor diesem Hintergrund sei es untragbar, Hindenburg weiterhin in der Liste der Ehrenbürger aufzuführen. Schließlich sei dies die höchste Auszeichnung, die Rostock zu vergeben habe. "Das muss man heute mit dem Blick zurück noch einmal kritisch überdenken und auch den Mut haben, Geschichte neu zu schreiben", sagt Eva-Maria Kröger, Chefin der Linksfraktion. Immerhin habe der Reichspräsident das Ermächtigungsgesetz unterzeichnet, das den Reichstag legal ausschaltete. Und er habe den willkürlichen Verhaftungen politischer Gegner der Nationalsozialisten sowie der beginnenden Verfolgung jüdischer Bürger tatenlos zugesehen. "Paul von Hindenburg ist in keinerlei Hinsicht eine verdienstvolle Persönlichkeit im Sinne unserer Satzung und auch kein historisches Vorbild", so Kröger. Andere Städte wie München, Köln, Potsdam oder Dortmund hätten ihm die Ehrenbürgerschaft daher längst entzogen. In Rostock beschränkte sich die Bürgerschaft 1990 auf die Aberkennung der Auszeichnung für Hitler selbst und seinen Gauleiter Friedrich Hildebrandt.

"Sicherlich hat Hindenburg eine schwierige Rolle gespielt. Daher ist das eine fragwürdige Ehrenbürgerschaft", sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Prof. Dieter Neßelmann. Für eine historische Einordnung und Neubewertung benötige seine Partei allerdings mehr Zeit. "Wir werden das ganz unaufgeregt prüfen und in der Fraktion besprechen." Zudem mache es in diesem Zusammenhang Sinn, alle Rostocker Ehrenbürger noch einmal einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Auch auf Krögers Liste stehen noch "ein, zwei Namen mehr". Sie seien im Zusammenhang mit der Auszeichnung von Bundespräsident Joachim Gauck als Ehrenbürger aufgetaucht. "Da wollten wir schon wissen, mit wem er überhaupt auf einer Liste steht", so Kröger.

Dass selbst Hitler nicht in allen Städten die Ehrenbürgerschaft explizit wieder aberkannt wurde, liegt an deren Einordnung als Persönlichkeitsrecht, das mit dem Tod der Person erlischt. "Insofern haben in der Vergangenheit zahlreiche Kommunen keinen Anlass gesehen, Nichtlebenden die Ehrenbürgerrechte abzuerkennen, auch wenn es rechtlich oder moralisch gesehen dazu hinreichende Gründe gegeben hätte", so Stadtarchivar Dr. Karsten Schröder in dem Buch Ehrenbürgerschaften und Ehrenbürger der Stadt Rostock". Auch die DDR habe auf Neubewertungen verzichtet, da sie alle Beschlüsse der Nazis als ungültig ansah.

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