Rostock : Hilfe für Arbeiterkinder

In ihrer Familie ist Annika Haß die Erste, die ein Studium abgeschlossen hat. Dazu macht sie auch anderen Arbeiterkindern Mut.
In ihrer Familie ist Annika Haß die Erste, die ein Studium abgeschlossen hat. Dazu macht sie auch anderen Arbeiterkindern Mut.

Initiative baut mit Beratung Hemmnisse ab und fördert so Studierwillige aus hochschulfernen Elternhäusern. #wirkoennenrichtig

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07. November 2017, 12:00 Uhr

Wann lohnt sich ein Studium? Wie kann es finanziert werden? Und wie funktioniert das überhaupt? Gerade Kinder von Eltern ohne Studienerfahrung haben häufig Vorbehalte gegen den Besuch einer Hochschule, weiß Annika Haß. Ihr selbst ging es nicht anders. „Meine Eltern haben beide eine Ausbildung gemacht, waren Kaufleute“, sagt sie. Den Anstoß zum Studium erhielt sie während eines Praktikums vom Chef eines Vermessungsbüros. Ihm war ihre Mathe-Begabung aufgefallen. Der entscheidende Impuls kam aber erst, als Mitglieder der Initiative Arbeiterkind ihre Schule in Kiel besuchten. „Da habe ich gesehen, es geht wirklich“, sagt Haß.

Heute ist die 24-Jährige selbst Mitglied der Rostocker Arbeiterkind-Gruppe. In der Hansestadt hat sie fünf Jahre Maschinenbau studiert und ist nun die Erste ihrer Familie mit einem akademischen Abschluss. Ihre beiden Geschwister studieren mittlerweile ebenfalls, während sie mit dem Master in der Tasche mitten in der Bewerbungsphase steckt. Die Quote: acht Bewerbungen, vier Vorstellungsgespräche.

Zu so einer Erfolgsgeschichte will Haß auch andere Arbeiterkinder ermutigen. Beispielsweise durch frühzeitige Aufklärung von Schülern. „Wir gehen dorthin, um Möglichkeiten und Wege aufzuzeigen“, sagt Haß. Oftmals wüssten die Jugendlichen beispielsweise nichts von Unterstützungsformen wie dem BAföG. Die Mitglieder der Initiative helfen bei der Antragstellung und auch allen anderen Fragen rund ums Studium, egal ob es um die Unterkunftssuche oder das Verständnis der Prüfungsordnung geht. „Es kann schon sein, dass man sich blöd vorkommt zu fragen: ,Wie studiere ich eigentlich?‘ – da springen wir ein“, sagt Haß. Zumal die Jugendlichen zu Hause eben niemanden hätten, der ihnen weiterhelfen könne. Bei ihren Angeboten arbeiten die Arbeiterkinder unter anderem mit dem Studentenwerk zusammen, wo sie auch einmal im Monat ein Treffen abhalten. Außerdem sind sie in der Regel mit einem Stand beim Hochschulinformations- und beim Campustag vertreten.

Wie Haß haben mittlerweile zahlreiche Mitglieder der Initiative ihr Studium bereits abgeschlossen. Viele von ihnen stehen bereits im Berufsleben – und auch davon profitieren die Nachrückenden. „Ich habe ein Berufseinstiegsmentoring mit jemandem mitgemacht, der auch Maschinenbau studiert hat und mir Tipps geben konnte“, sagt Haß. Darüber hinaus gibt es Webinars zu Themen wie der Anfertigung einer Bewerbung oder Netzwerken.

Kontakt: rostock@arbeiterkind.de

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