Hightech für besseres Kuh-Verständnis

Auf dem neuesten Stand der Technik: Dr. Bernd Stabenow erklärt, wie mit den Wiegetrögen das Futterverhalten der Rinder beobachtet werden kann. Frisst ein Tier aus einem Trog, gibt der Transponder im Ohr des Rindes ein Signal an die technische Überwachungsanlage ab, die dann die Futtermenge erfasst. Claudia Labude-Gericke
1 von 2
Auf dem neuesten Stand der Technik: Dr. Bernd Stabenow erklärt, wie mit den Wiegetrögen das Futterverhalten der Rinder beobachtet werden kann. Frisst ein Tier aus einem Trog, gibt der Transponder im Ohr des Rindes ein Signal an die technische Überwachungsanlage ab, die dann die Futtermenge erfasst. Claudia Labude-Gericke

von
27. September 2012, 09:36 Uhr

Dummerstorf | Pünktchen ist noch entspannt. Die Lieblingskuh von Dr. Bernd Stabenow verbringt zusammen mit Artgenossen ihre Tage in der Stallanlage des Leibniz-Institutes für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf. Nicht ahnend, dass nur ein paar hundert Meter weiter mit Hochdruck an der Fertigstellung der neuen Experimentalanlage Rind gearbeitet wird. Ein Jahr wurde an dem Komplex gebaut. Er enthält neben je einem Lauf-, Melk- und Abkalbestall noch einen Testraum für Verhaltensuntersuchungen sowie den Sozial- und Versorgungstrakt für die Mitarbeiter. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) wird die 2,9 Millionen Euro teure Anlage, die zu gleichen Teilen von Bund und Land finanziert wurde, am Sonnabend um 10 Uhr einweihen.

Tiere kommen zur Analyse sogar ins Tonstudio

Pünktchen wird dabei sein, denn der Politiker wünscht sich natürlich Tiere als Zaungäste im neuen Stall. "Und die 60 Kühe, mit und an denen wir in der Anlage forschen werden, sind jetzt noch nicht da", so Stabenow, der Leiter der tierexperimentellen Anlagen. Nur eines weiß er jetzt schon - dass es sich um so genannte Kühe der Rasse Holstein-Friesian handeln wird, die für ihre besondere Leistungsstärke bekannt sind. Die aktuellen Stallanlagen in den historischen Klinkerbauten werden auch nach Inbetriebnahme der neuen Anlage für eine gewisse Übergangszeit weiter betrieben und sind dann für eine Nachnutzung vorgesehen. "Wir sind als Leibniz-Institut ja frei in der Wahl unserer Forschungsthemen - und vielleicht arbeiten wir ja bald noch mit weiteren Tierarten", sagt Dr. Norbert Borowy.

Welche genauen Forschungsziele die 70 Wissenschaftler in der neuen Experimentalanlage verfolgen werden, ist ebenfalls noch nicht endgültig abgesteckt. "Wir haben aber künftig ganz neue Möglichkeiten, da zum Neubau auch eine Verhaltensarena gehört, die es bisher nicht gab", sagt Stabenow. In diesem schallisolierten Raum, der aussieht wie ein Tonstudio und ohne große Einrichtungsgegenstände auskommt, kann unter anderem das Verhalten der Rinder erforscht werden, indem sie zum Beispiel mit unbekannten Objekten konfrontiert und dabei beobachtet und gefilmt werden. "So etwas kann man nicht im Stall machen, da braucht es einen Raum wie diesen mit optimalen Bedingungen", sagt der Tierforscher.

Die modulare Bauweise der Versuchsanlage ermöglicht den Wissenschaftlern einen zügigen Umbau, sobald es Fragestellungen aus dem aktuellen Forschungsprogramm erfordern, wodurch sie auf unterschiedlichen Bedarf schneller reagieren können. Ebenfalls möglich sind dann Lautanalysen. "Das hat bei Schweinen schon gut geklappt und kann zum Beispiel den Züchtern helfen, anhand der Geräusche festzustellen, wann eine Kuh in der Brunstzeit ist", so Borowy. Ein Züchter, der die entsprechenden Geräusche und dadurch den richtigen Zeitpunkt zur Besamung kennt, müsste so den Tierarzt seltener bestellen. Überhaupt ist die Forschung, die in Dummerstorf angesiedelt ist, nicht in erster Linie auf die Endverbraucher ausgerichtet, sondern kommt diesen indirekt über die Verbesserung tiergerechter Haltung, der Tiergesundheit und über Zuchtziele wie Robustheit und Langlebigkeit zugute.

Natürlich hat aber auch das FBN in Dummerstorf mit Kritikern zu tun, denen das Forschen an Vierbeinern ein Dorn im Auge ist. "Aber wir setzen auf Transparenz - und stehen zum Beispiel, und das nicht nur beim Tag der offenen Tür, Rede und Antwort", sagt Borowy. Der findet jetzt am Sonnabend wieder statt, traditionell alle zwei Jahre nach der Landwirtschaftsmesse Mela. Die Einweihung der Experimentalanlage setzt um 10 Uhr den Startpunkt, bevor die Öffentlichkeit die Möglichkeit hat, sich anzuschauen, wo Pünktchen und ihre Artgenossen leben und erforscht werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen