Spitzentechnologie : Hightech am Meeresboden

Eva Thiede zeigt in der Firma Enitech Energietechnik-Elektronik GmbH ein autonomes Unterwasserfahrzeug, in der Fachsprache Autonomous Underwater Vehicle (AUV).
Eva Thiede zeigt in der Firma Enitech Energietechnik-Elektronik GmbH ein autonomes Unterwasserfahrzeug, in der Fachsprache Autonomous Underwater Vehicle (AUV).

Enitech Energietechnik-Elektronik GmbH entwickelt Tauchroboter für Tiefen bis zu 6000 Meter unter der Wasseroberfläche

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08. September 2015, 10:00 Uhr

Es ist vier Grad kalt in der Tiefsee und stockdunkel. Der Wasserdruck vier bis sechs Kilometer unter dem Meeresspiegel ist hoch, kein Mensch kann unbeschadet hinabtauchen. Aber für Forscher ist dieser Teil der Erde hochinteressant. Also müssen sie etwas hinunterschicken, das diese Bedingungen aushält.

Tauchroboter sind keine Neuheit, aber solche, die diese Bedingungen aushalten, schon. Die Firma Enitech Energietechnik-Elektronik GmbH in Bentwisch bei Rostock entwickelt mit 25 Mitarbeitern Roboter, die druckneutral tauchen. Dies bedeutet, dass durch eine spezielle Fertigungstechnologie die sensiblen Messgeräte keinen Schaden nehmen. Der Trick: Man baut die spezielle Elektronik nicht mehr in Druckkammern ein oder umgibt sie mit Öl, sondern vergießt sie mit Silikon. Sie ist dann durch einen elastischen Guss, ähnlich einer Qualle, geschützt.

„Für 6000 Meter Tiefe würde man riesige Druckkammern brauchen, um die Technik abzuschirmen – die Fahrzeuge wären ungefähr so groß wie ein kleines Zimmer“, erklärt Geschäftsführer Carl Thiede. „Unser Roboter dagegen ist nicht größer als ein Kühlschrank.“ Und mit rund 800 000 Euro relativ preiswert, bisherige Lösungen kosteten ab fünf Millionen Euro aufwärts.

Der Industrie kommt die Neuentwicklung entgegen, es gibt einen steigenden Bedarf für kleine Unterwasserfahrzeuge, etwa für Inspektionsfahrten in der Offshore-Industrie. Auch der Abbau von Bodenschätzen ist vorstellbar, es gibt ein riesiges kommerzielles Interesse an der Tiefsee. Nur gibt es wenige Informationen darüber, welche Auswirkungen Forschung auf die Tiefseeumwelt haben. „Ich begrüße jedes Vorhaben, das darauf abzielt, mehr zu erfahren, etwa mit den von Enitech vorangetriebenen Entwicklungen“, sagt Meeresbiologe Gerd Niedzwiedz vom Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock.

Das erste Gerät dieser Art wurde 2012 im Nordatlantik erfolgreich getestet – eine Kooperation von Enitech mit dem Institut für Ostseeforschung in Warnemünde. Der Tauchroboter ist durch ein Stromkabel mit dem Forschungsschiff verbunden. Zudem können darüber Daten und Bilder in Echtzeit übertragen werden. Der Roboter hat mehrere Kameras, LED-Scheinwerfer und einen Greifer zur Probennahme. Ein Sonar erkundet einen Umkreis von 200 Metern – viel weiter, als die Kameras schauen können, mit Lasertechnik werden Objekte vermessen. Durch ein spezielles Navigationssystem wissen die Forscher über Wasser immer genau, wo ihr Gerät sich befindet. „Wegen des Kabels lassen sich nur kleinere Gebiete erforschen“, sagt Eva Thiede, bei Enitech für Marketing und technische Dokumentation zuständig. „Interessanter sind autonom fahrende Tauchroboter, die wir in einem neuen Projekt entwickeln.“ Bisher mussten die Roboter regelmäßig über Wasser aufgeladen werden. Durch die Tauchtiefen von mehreren Kilometern war der Aufwand dafür allerdings groß. Jetzt wird eine Bodenstation auf den Meeresgrund gesetzt, an der sich der Roboter aufladen kann. Auf diese Art werden Tauchgänge von zehn Stunden bis zu mehreren Tagen möglich.

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