Hier behindern Handicaps nicht

<strong>Reibungsloser Ablauf:</strong> Die Mitarbeiter arbeiten vom ersten Tag an Hand in Hand, ganz zur Freude der Kunden.<fotos>MiKl</fotos>
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Reibungsloser Ablauf: Die Mitarbeiter arbeiten vom ersten Tag an Hand in Hand, ganz zur Freude der Kunden.MiKl

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10. Juli 2012, 09:47 Uhr

Diedrichshagen | Mit Handicap zu leben, ist nicht immer leicht. Aber mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung eine gute Anstellung zu finden, ist noch schwieriger. Das kennt auch Martin Schuhmacher. Durch eine Krankheit ist er beruflich nicht so einsetzbar wie andere. Jetzt hat er einen Job als Verkäufer gefunden im neuen Cap-Markt im Stolteraer Ring 2 in Diedrichshagen. Gestern ist der Markt feierlich von Filialleiterin Heike Zehl und ihren neun Mitarbeitern als vierter integrativer Einkaufsmarkt in Rostock eröffnet worden. Dieser Cap-Markt ist ein Projekt des Vereins Ohne Barrieren. In ganz Deutschland gibt es zahlreiche Cap-Märkte, die von verschiedenen Vereinen und Einrichtungen betrieben werden. Menschen mit Behinderung werden hier ganz normal in die Beschäftigung integriert. Von den neun Mitarbeitern am neuen Standort in Diedrichshagen haben sechs Beeinträchtigungen. "Ich bin froh, aus Hartz IV rauszukommen, und freue mich über meine neue Stelle, bei der ich von Anfang an dabei sein darf", sagt er.

Generationenfreundlichkeit auf 350 Quadratmetern

Zur Eröffnung kamen auch Vertreter der Hansestadt, der Landes- und Kommunalpolitik. Die Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens (CDU) und Ralf Grabow, Vorsitzender von Ohne Barrieren, wünschten den Mitarbeitern einen guten Start. "Obwohl die Umsetzung des Projektes aufgrund der allgemeinen Zustände nicht gerade einfach war, bin ich froh, dass wir diesen Standort gewählt haben, und hoffe auf die Unterstützung der Anwohner in den schwierigen Wintermonaten", sagte Grabow.

Doch nicht nur für die Mitarbeiter ist der Markt ein echtes Plus. Insbesondere ältere und nicht mobilisierte Kunden sollen im Cap-Markt generationenfreundliches Einkaufen erleben. Ein Lieferservice, begleitetes Einkaufen bis zum Parkplatz oder die Kundentoilette sind ein Zusatz-Plus im Angebot.

Der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes Nord, Tino Beig, äußerte sich begeistert: "Dass ein Markt dieser Größe mit einem derartigen Angebot aufwarten kann, ist schon außergewöhnlich. Das hat nicht jeder." Auf nur 350 Quadratmetern wird hier von Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr, Sonnabend von 7 bis 16 Uhr und Sonntag von 13 bis 17 Uhr gearbeitet und eingekauft. Die Einwohner hatten nach der Schließung des Frischemarktes im vergangenen Jahr die nahe Einkaufsmöglichkeit vermisst. So auch Ursel und Günter Harnack: "Wir sind wirklich froh, dass es in unserer Nachbarschaft endlich wieder eine Einkaufsmöglichkeit gibt, die man auch mal schnell zu Fuß erreichen kann." Dementsprechend zeigten sich die Anwohner bereits an den drei Probetagen der Vorwoche in Kauflaune und begrüßten den hauseigenen Catering-Service, der von Montag bis Sonnabend täglich zwei wechselnde Mittagsgerichte zwischen 11 und 14 Uhr anbietet. Neben üblichen Lebensmitteln, die den alltäglichen Bedarf decken, ist das gemütliche Café mit sonniger Terrasse, Frühstücks-, Mittags- und Kuchenangebot eine willkommene Anlaufstelle für den Tourismus.

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