Heute: Schicksalstag für das Volkstheater

<strong>Das Tanztheater</strong> ist seit Jahren vom Spardruck gefährdet.
1 von 2
Das Tanztheater ist seit Jahren vom Spardruck gefährdet.

svz.de von
14. Januar 2013, 06:29 Uhr

Rostock | Heute fällt die für das Volkstheater so wichtige Entscheidung: Muss die Bühne Insolvenz anmelden oder kommt die Stadt dem finanziell angeschlagenen Haus zur Hilfe? Dazu wurde eigens eine Dringlichkeitssitzung der Bürgerschaft einberufen. Diskutiert werden dann, welche möglichen Wege es aus der Krise geben kann.

Wie diese rettenden Szenarien aussehen könnten, darüber haben sich gestern noch einmal die Verwaltungsspitze sowie die Theaterleitung verständigt. Danach wurde der Aufsichtsrat in einer späten Sitzung über die Ergebnisse der Gespräche zwischen Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) und den Kaufmännischen Geschäftsführer des Theaters, Stefan Rosinski, informiert. Jene Lösungsvorschläge, die dort akzeptiert wurden, gehen heute in die Bürgerschaftssitzung ein.

Nur das Land kommt gegen Widerspruch an

Für den Fall, dass die Gespräche keine tragbaren Lösungen hervorgebracht haben sollten, gibt es Anträge, die dem Volkstheater den Fehlbetrag von 1,3 Millionen Euro zusichern. "Im Prinzip reicht diese Verpflichtungserklärung ja schon, um die Insolvenz abzuwenden", sagt Dr. Sybille Bachmann, Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09. Mit der Zusicherung der Stadt, dem Theater im Fall der Zahlungsunfähigkeit zur Hilfe zu kommen, müsse zunächst keine Insolvenz angemeldet werden. Wenn dann gegen Ende des Jahres das Geld tatsächlich fehle, würde die Stadt einspringen. Bis dahin sei aber auch Zeit, noch andere Möglichkeiten zu suchen.

Eva-Maria Kröger, Vorsitzende der Links-Fraktion, ist optimistisch, dass die Bürgerschaft die Anträge beschließt, die zur Rettung des Volkstheaters nötig sind. "Es hängt jetzt aber vom Oberbürgermeister ab", sagt Kröger. Denn entsprechende Beschlüsse hatte die Bürgerschaft bereits im Dezember gefasst. Erst der zweimalige Widerspruch des Rathaus-Chefs und die in der Folge abgesagten Landesmittel führten zu der prekären Lage. Möglichkeiten gegen den OB-Widerspruch vorzugehen, hat die Bürgerschaft nicht. Allein das Land kann durch eine so genannte Ersatzvornahme Einhalt gebieten. In einem solchen Fall würde dem OB die Entscheidungsgewalt in Sachen Theater entzogen und an das Land übertragen werden.

Protestaktion auf dem Neuen Markt

Über die möglichen Einsparmaßnahmen am Volkstheater ist bislang wenig bekannt. Da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt, dringt von den Entscheidungsträgern nichts nach außen. Aus Theaterkreisen wurde aber laut, dass möglicherweise die Schließung der Sparte Tanz sowie ein Einstellungsstopp im Schauspiel wahrscheinlich sind. Darüber hinaus wären Kürzungen im Orchester und Musiktheater denkbar. Die Mitarbeiter müssen also nach wie vor um ihre Arbeitsplätze fürchten. Auch deshalb rufen sie morgen ab 18 Uhr im Vorfeld der Bürgerschaftssitzung zu einer Protestaktion auf dem Neuen Markt auf. Das Volkstheater verteidigt seit Jahren - mit Rückendeckung von Seiten der Bürgerschaft - den Status eines Vierspartenhauses. Auch die laufende Landesstrukturdebatte lässt diesen allerdings mehr und mehr ins Wanken geraten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen