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19. November 2017 | 13:41 Uhr

Heute ist der große Tag für Rostocks Jugendliche

vom

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erstellt am 26.Apr.2013 | 07:16 Uhr

Rostock | Die Kleider und Anzüge hängen schon längst im Schrank, denn der große Tag von Rostocks Achtklässlern rückt immer näher - die Jugendweihe. In diesem Jahr feiern rund 1000 Jugendliche aus ganz Rostock und Bad Doberan ihren Eintritt in das Erwachsenenleben. "Das sind im Vergleich zum Vorjahr etwas weniger Schüler", sagt Rosemarie Brandt vom Jugendweihe-Verein. Grund dafür sei einerseits der demografische Wandel, andererseits jedoch der Traditionsverlust. So feiern einige Schüler gar keine Jugendweihe mehr, andere lassen diese nicht mehr durch den Traditionsverein organisieren, sondern beauftragen damit Event-Agenturen.

Gefeiert wird in diesem Jahr an sechs verschiedenen Orten: im Kurhaus Warnemünde, Hotel Radisson Blu, Hotel Sonne, Hotel Neptun, Technologiezentrum Warnemünde und im Rathaus. "Wir sind etwas traurig, dass wir in diesem Jahr den Barocksaal nicht nutzen können", sagt Brandt. Im kommenden Jahr können die Schüler jedoch auch dort wieder feiern. In diesem Jahr finden die ersten Feierstunden heute statt. Bis zum 25. Mai wird dann jedes Wochenende Jugendweihe gefeiert.

Bei Ida Dingel und ihren Freundinnen Jenny Baganz und Schirin Saemann wird die Aufregung von Woche zu Woche größer. Die Achtklässlerinnen vom Erasmus-Gymnasium bereiten sich seit vielen Wochen auf diesen einen ganz besonderen Tag vor - den 25. Mai. "Mein Kleid hängt bereits im Schrank, es ist knielang und altrosa", sagt Ida. Auch Jennys Kleid ist rosafarben und ein Traum aus Tüll. Schirin hat zwar ein Foto ihres Traum-Outfits auf dem Handy, aber gefunden hat sie es nirgends. Dafür steht der Termin für die Probefrisur schon, denn auch die Haare sollen perfekt aussehen. Die ganze Klasse feiert im Bernsteinsaal des Hotel Neptun gemeinsam ihren Eintritt in das Erwachsenenalter. Danach ist Familienzeit angesagt. Jenny feiert zum Beispiel in der Yachthafenresidenz Hohe Düne. "Zur Jugendweihe darf dann auch mal mit einem Glas Sekt angestoßen werden", sagt Jenny. Am Abend, wenn die Eltern, Geschwister, Großeltern, Onkel und Tanten schon wieder zu Hause sind, geht es für die drei Mädchen mit ihren Klassenkameraden an den Strand zu einer kleinen Feier unter sich.

Doch nicht alles dreht sich bei der Jugendweihe um gutes Aussehen und eine gelungene Feier, sondern auch um Traditionen. Ida, Schirin und Jenny machen darum auch ganz traditionsbewusst einen Tanzkurs. Am 30. Mai gibt es eine große Abschlusstanzveranstaltung im Nordlicht, wo die Jugendlichen beweisen müssen, was sie in zehn Unterrichtsstunden gelernt haben.

Tanzlehrer Ingo Habla hat versucht, den Jugendlichen die Schritte für Foxtrott, Walzer und Co beizubringen. Das ist jedoch gar nicht so einfach, wenn die Chemie mit dem Tanzpartner nicht stimmt oder das Paar nur noch Augen füreinander hat, so wie Schirin und Partner Eric Lucas. Jenny hingegen sagt über ihren Tanzpartner Jan Michael: "Wir sind gute Freunde, aber er ist sicher nicht der Mann fürs Leben." Diese Auffassung teilt auch Ida, wenn sie an Tanzpartner Marcus Templin denkt.

Für ihn ist die Jugendweihe ein wichtiger und bedeutungsvoller Tag. "Es ist eben der Schritt in das Erwachsenenleben", so der 14-Jährige. Für ihn beginnt damit der Ernst des Lebens. "Ich mache mir schon jetzt Gedanken über die Zukunft. Nach der Jugendweihe dürfte sich das noch verstärken", sagt Marcus. Die Übergangsphase vom Kindes- zum Erwachsenenalter empfindet er als konfliktreich. Seine Eltern hätten ganz unterschiedliche Vorstellungen von seiner Zukunft, mit denen er sich regelmäßig auseinandersetzen müsse. "Meine Mutter ist eher modern eingestellt, während mein Vater eher konservativ ist", so Marcus. Das gehe schon bei der Wahl seines Jugendweihe-Outfits los. Doch Marcus bleibt diplomatisch, auch, weil ihm das Aussehen nicht so wichtig ist wie den Mädchen seiner Klasse.

Die sechs Jugendlichen erleben am Ende den Übergang vom Kindes- ins Erwachsenenalter ganz unterschiedlich, trotzdem freuen sich alle sehr auf ihren großen Tag. Nicht zuletzt, weil es Geschenke gibt. Und dabei herrscht wieder Einigkeit - sie alle wünschen sich Geld. Schirin will sich davon eine Kamera kaufen, Eric möchte ganz einfach sparen, Jenny plant, davon eine Reise nach China zu finanzieren, Jan will sich ein Fahrrad kaufen, Marcus wünscht sich ein Moped und Ida hat noch gar keine Idee, wofür sie das Geld ausgeben könnte.

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