Großdemo in Rostock : Hesse: Neue Ausbildung keine Hauruck-Aktion

Wissenschaftsministerin Birgit Hesse  unterstützt die Staffel des Universitätsjubiläums beim 25. E.ON-Citylauf. Tanske
Wissenschaftsministerin Birgit Hesse unterstützt die Staffel des Universitätsjubiläums beim 25. E.ON-Citylauf. Tanske

Sonnabend Großdemo in Rostock gegen Änderung des Kita-Gesetzes

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09. Juni 2017, 20:55 Uhr

Zu einer Großdemonstration morgen in Rostock gegen die neue Erzieherinnenausbildung für Kindergärten hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Eltern und Erzieher im ganzen Land aufgerufen. Von Schwerin, Greifswald und Neubrandenburg fahren morgens sogar Gewerkschaftsbusse zu der um 10 Uhr beginnenden Demo. Mit Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) sprach Max-Stefan Koslik darüber.

Frau Ministerin Hesse, die Gewerkschaft wirft Ihnen vor, Sie wollten eine Schmalspur-Ausbildung, die in eine Sackgasse führe. Was sagen Sie?
Hesse: Diesen Vorwurf weise ich zurück. Die Ausbildung zur staatlich geprüften Fachkraft für Kindertageseinrichtungen ist ein gezieltes Angebot für alle, die mit Null- bis Zehnjährigen in Krippen, Kitas und Horten arbeiten wollen. Die Fachkraftausbildung ist mit drei Jahren um ein Jahr kürzer als die klassische schulische Erzieherausbildung. Das kann sie auch sein, weil die Erzieherinnen und Erzieher für die Arbeit mit Null- bis 27-Jährigen ausgebildet werden. Es ist ein zusätzliches attraktives Angebot, da auch eine Ausbildungsvergütung gezahlt wird.

Warum überhaupt dieser Weg?
Durch den Ausbau der Kindertagesförderung in Krippen, Kitas und Horten im Land wächst der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften. Dies erhöht den Wettbewerb um Auszubildende. Außerdem gehen in den kommenden Jahren viele Erzieherinnen in den Ruhestand. Wir müssen also etwas unternehmen, damit die Träger den Personalbedarf decken können. Im Übrigen ist es auch der ausdrückliche Wunsch der Träger.

Und jetzt soll mit einer Hauruck-Aktion Abhilfe geschaffen werden?
Das sehe ich anders. Ich habe im vergangenen Sommer noch als Sozialministerin mit dem damaligen Bildungsminister erste Gespräche geführt. Anschließend hat es ein großes Treffen mit Kita-Trägern, Gewerkschaften und Verbänden in Rostock gegeben. Das Vorhaben, eine praxisorientierte Ausbildung zu schaffen, ist auf großes Wohlwollen gestoßen. Umso mehr erstaunt mich jetzt die Kritik von den Gewerkschaften. In diesem Jahr hat es eine öffentliche Anhörung im Landtag gegeben, bei der sich alle Beteiligten äußern konnten. Von einer Hauruck-Aktion kann wirklich keine Rede sein. Im Koalitionsvertrag haben sich SPD und CDU darauf verständigt, dass die Ausbildung spätestens zum Schuljahr 2018/2019 startet. Wir sind nun ein Jahr früher dran. Absolventinnen und Absolventen könnten dadurch ein Jahr eher dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Das ist eine gute Nachricht.

Kritisiert wird auch, dass die Ausbildung auf den Erzieherschlüssel angerechnet werden soll – wahrscheinlich mehr das Thema ihrer Kollegin, Sozialministerin Stefanie Drese, aber was denkt sich die SPD dabei?
Die Anrechnung der Auszubildenden auf die Fachkraft-Kind-Relation wird im KiföG verankert. Dieses liegt in der Zuständigkeit des Sozialministeriums. Aber ich teile die Auffassung von Sozialministerin Drese, dass den Trägern die Möglichkeit einer anteiligen Anrechnung gegeben werden muss. Schließlich werden die Auszubildenden in der Praxis auch eingesetzt. Unstrittig ist, dass sie nicht als Vollzeitkräfte angesehen werden können.

Wird die Ausbildung trotz der Proteste kommen?
Die Abgeordneten haben das letzte Wort, wenn sie über die KiföG-Änderung entscheiden. Sie wissen aber auch, dass wir Bewerber nicht verunsichern dürfen. In der vergangenen Woche habe ich deshalb dafür geworben, dass sich viele Jugendliche um einen Ausbildungsplatz bewerben. Wir hoffen, dass auch viele Träger mitmachen. Letztlich geht es darum, dass sie Personal einstellen können. Die Gespräche, die ich mit den Gewerkschaftern geführt habe, stimmen mich zuversichtlich, dass wir strittige Punkte ausräumen können.

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